
Die Lebenserwartung in Schweden ist weltweit fast unübertroffen.
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Die Pflege und Betreuung der Seniorenist ein wichtiger Aspekt der schwedischen Sozialpolitik. Von den 9,5 Millionen Einwohnern Schwedens haben 18 Prozent das Pensionsalter von 65 Jahren überschritten. Den Prognosen zufolge wird dieser Anteil 2030 bei 30 Prozent liegen. Ein Grund hierfür sind die geburtenstarken Jahrgänge der 1940er Jahre.
Weitgehend steuerfinanziert
In kaum einem anderen Land der Welt haben die Menschen eine so hohe Lebenserwartung wie in Schweden. Im Jahr 2010 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in Schweden für Männer 79,1 und für Frauen 83,2 Jahre. Mit 5,3 Prozent hat Schweden EU-weit den zweithöchsten Anteil an Menschen, die 80 Jahre oder älter sind. Doch weil sich immer mehr Menschen in dieser Altersgruppe guter Gesundheit erfreuen, geht der Fürsorgebedarf seit den 1980er Jahren zurück. Der Großteil der Kosten für die Altenfürsorge wird über kommunale Steuern und staatliche Zuschüsse finanziert. Im Jahr 2010 beliefen sich die Gesamtkosten für die Altenfürsorge auf 95,9 Milliarden SEK (10,7 Milliarden EUR); lediglich 3 Prozent dieser Summe wurden über Patientengebühren finanziert. Die von den Pensionären selbst zu zahlenden Gesundheitskosten werden auf der Grundlage von Bemessungstabellen subventioniert.
Öffentlich oder privat
Immer mehr Gemeinden privatisieren Bereiche der Altenpflege und beauftragen selbstständig arbeitende Dienstleister. Im Jahr 2011 nahmen 18,6 Prozent der Empfänger häuslicher Hilfe die Leistungen privater Pflegedienste in Anspruch. Die Betroffenen dürfen selbst entscheiden, ob die Haus- oder Heimpflegedienstleistungen von kommunalen oder privaten Trägern erbracht werden sollen. Die Gemeinden haben aber die Gesamtverantwortung für Bereiche wie die Finanzierung und die Bereitstellung der häuslichen Hilfe oder die Unterbringung in Wohn- und Pflegeeinrichtungen.
Die Anzahl der im Sozialbereich tätigen privaten Akteure hat sich in den Jahren 1995 bis 2005 verfünffacht. Jüngste Medienberichte enthüllten alarmierende Mängel bei mehreren privaten Pflegediensten. Die Unternehmen wurden in der Folge kritisiert und eines Profitstrebens beschuldigt, das sich negativ auf den Pflegestandard auswirke.

Verschiedene Formen der Unterstützung erleichtern es den Menschen, weiter in den eigenen vier Wänden zu leben.
Foto: Susanne Kronholm/Johnér
Häusliche Hilfe vereinfacht das Leben
Ein Ziel der Altenfürsorge ist es, Senioren und behinderten Menschen zu einem normalen und selbstständigen Leben möglichst in den eigenen vier Wänden zu verhelfen.
Älteren Menschen, die weiter zu Hause leben, stehen zur Erleichterung des Alltags mehrere Formen der Unterstützung zur Verfügung. So können sie sich zum Beispiel in fast allen schwedischen Gemeinden fertig zubereitete Gerichte nach Hause liefern lassen.
Im Jahr 2011 wurden im Rahmen der häuslichen Hilfe rund 211 000 Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter unterstützt. Fast die Hälfte der Gemeinden bietet auch für ältere Menschen auch gemeinsame Mahlzeiten in Tageszentren an. Einige wenige Gemeinden organisieren Seniorenteams, die in kleinen Gruppen selbst kochen.
Rund um die Uhr
Ist es einem älteren Menschen nicht mehr möglich, den Alltag allein zu bewältigen, kann er bei der Gemeinde Dienstleistungen der häuslichen Hilfe beantragen. Der Pflegeaufwand wird durch einen Gutachter beurteilt. Ältere Menschen mit Behinderungen können eine 24-Stunden-Betreuung erhalten und so ihren Lebensabend zu Hause verbringen. Auch für Schwerkranke gibt es die Möglichkeit der Pflege und Betreuung in der eigenen Wohnung.
Jede Gemeinde legt die Sätze für die Leistungen der Altenfürsorge selbst fest. Die Kosten hängen von Faktoren wie dem Hilfebedarf und dem Einkommen des Betroffenen ab. Als Höchstgebühr für die häusliche Hilfe, Tagesbetreuungsaktivitäten und bestimmte andere Leistungen wurde am 1. Januar 2011 ein Betrag von 1 760 SEK pro Monat festgelegt.
Für ältere und behinderte Menschen mit Aktivierungs- und Rehabilitationsbedarf bieten die Gemeinden Tagesbetreuungsaktivitäten an. Diese Programme richten sich besonders an Menschen, die an Demenz erkrankt sind oder an psychischen Behinderungen leiden. Sie ermöglichen vielen Betroffenen, das Leben in den eigenen vier Wänden fortzuführen.
Fahrdienste
Ältere und behinderte Personen, die keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen können, haben Anrecht auf Beförderung im Taxi oder in einem Spezialfahrzeug. Im Jahr 2010 wurden schwedenweit 11 Millionen solcher Fahrten absolviert, was einem Durchschnitt von 34 Beförderungen pro berechtigte Person entspricht.

Schweden arbeitet daran, sich um immer mehr ältere Menschen kümmern zu können. Foto: Hans Bjurling/Johnér
Das schwedische Rentensystem
Alle schwedischen Bürger haben einen Renten- oder Pensionsanspruch, den sie zwischen dem 61. und 67. Lebensjahr geltend machen können.
In den Jahren 2005 bis 2011 nahm die Zahl der Schweden, die im Alter von 65 bis 74 Jahren noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um 45 Prozent zu. Das durchschnittliche Rentenalter liegt derzeit bei 64 Jahren. In Schweden liegt das Durchschnittsalter, bis zu dem die Menschen meinen, ihrem aktuellen Beruf nachgehen zu können, bei 64,4 Jahren – und ist damit höher als in allen anderen EU-Staaten.
Die schwedische Rente speist sich aus mehreren Quellen. Menschen, die in Schweden gelebt und gearbeitet haben, erhalten eine Allgemeine Rente, die von der Höhe des versteuerten Einkommens abhängig ist. Die Allgemeine Rente setzt sich zusammen aus der Einkommens-, der Prämien- und der Garantierente.
Die Allgemeine Rente belief sich 2012 auf durchschnittlich 11 428 SEK pro Monat. Ergänzend zur Allgemeinen Rente erhalten die meisten Arbeitnehmer in Schweden auch eine Angestelltenrente, die sich auf den Beiträgen des Arbeitgebers gründet.
Insgesamt stammen 65 Prozent des Renteneinkommens aus dem öffentlichen Rentensystem. Viele Menschen entscheiden sich im Rahmen ihrer Absicherung ergänzend für eine privat finanzierte Rente.
Nationale Vorbereitung auf die älter werdende Gesellschaft
Wie in vielen anderen Ländern wächst auch in Schweden der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung. Die Altenfürsorge wird also immer wichtiger, und die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um die zukünftigen Herausforderungen bewältigen zu können.
In zwei Jahrzehnten wird jeder vierte Schwede über 65 Jahre alt sein, und die Mehrheit der Menschen dieser Altersgruppe wird aktiv und gesund sein. Jetzt werden landesweit mehrere Initiativen auf den Weg gebracht, die auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten sollen.
- Die Regierung ernannte eine „Zukunftskommission“. Diese soll Strategien vorlegen, mit denen vier definierte soziale Herausforderungen überwunden werden können, denen sich Schweden in den kommenden Jahren gegenüber sieht. Eine davon ist die alternde Bevölkerung des Landes. Der Bericht wird für März 2013 erwartet.
- Um die zukünftige demographische Herausforderung ohne Senkung des Wohlfahrtsniveaus bewältigen zu können, werden die Menschen länger erwerbstätig sein müssen. Im Rahmen einer Untersuchung wurde damit begonnen, rentenbezogene Altersgrenzen und die möglichen Hürden eines längeren Arbeitslebens zu analysieren. Der Schlussbericht ist im April 2013 fällig.
- Bis 2014 investiert die Regierung 4,3 Milliarden SEK in Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheits- und Sozialfürsorge der Gebrechlichsten in der Gruppe der über 65-Jährigen. Ziel ist es, die Koordinierung zwischen der häuslichen Krankenpflege, der Altenfürsorge sowie der Pflege in Krankenhäusern und Gesundheitszentren zu verbessern.

Viele Menschen führen auch im höheren Alter ein aktives Leben.
Foto: Niklas Bernstone/Johnér
Gesündere Senioren dank Prävention
In den letzten Jahren wurden neue Formen einer wirksamen Gesundheitsvorsorge für ältere Menschen etabliert. Die Präventionsmaßnahmen stoßen auf wachsendes Interesse.
Ein Beispiel sind die körperlichen Aktivitäten auf Rezept. Den Senioren wird nicht nur einfach Bewegung verschrieben, sondern eine bestimmte Art der körperlichen Aktivität, manchmal in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung; Ärzte überwachen das Ergebnis.
Bei älteren Menschen gehören Verletzungen zu den größten Gesundheitsproblemen, weshalb erhebliche Bemühungen unternommen werden, Läsionen durch Stürze zu verringern. Die Senioren werden beraten, und kommunal angestellte Dienstleister helfen ihnen bei riskanten Alltagstätigkeiten wie dem Anbringen von Vorhängen und dem Wechseln von Glühbirnen.
Die Stimulierung durch Musikhören, Filmesehen, Lesen, Malen und andere kulturelle Aktivitäten ist auch ein wichtiger Faktor im Hinblick auf das Wohlbefinden. Dies wird auch immer stärker von Seiten der Seniorenheime berücksichtigt, wo viele Bewohner jeden Tag an mindestens einer solchen Aktivität teilnehmen.
Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
June 2012
Copyright :
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