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Faktenblatt TS 12

Nachhaltiges Leben:
Zurück in die Zukunft

Nachhaltige Entwicklung steht für einen umweltgerechten Lebensstil und schließt die Schonung
natürlicher Ressourcen und die Übernahme von Verantwortung für künftige Generationen mit ein.

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Sorting garbage
Mülltrennung ist für die meisten Schweden die natürlichste Sache der Welt Foto: Hans Bjurling

Nachhaltige Entwicklung ist eines der Kernziele der schwedischen Regierung – sowohl national als auch international. Das wichtigste Prinzip ist, dass eine Generation sich so verhalten sollte, dass sie die Ressourcen zugunsten künftiger Generationen schont.

Um erfolgreich zu sein, ist dieser Ansatz auf sämtlichen politischen Ebenen zu integrieren und implementieren. Außerdem muss bei jeder Entscheidung ein Gleichgewicht zwischen den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Konsequenzen gefunden werden.

Umweltbewusste Schweden

In den vergangenen Jahren sind sich die Schweden – als Privatpersonen, als Politiker und als Unternehmer – ihrer Verantwortung für die Umwelt immer stärker bewusst geworden. Das Interesse an biologisch angebauten Lebensmitteln wird ständig größer. Während der Markt für Bio-Lebensmittel in Europa jährlich um 5 bis 7 Prozent wächst, ist die Zuwachsrate in Schweden sogar noch höher. Einer neuen Studie der Europäischen Kommission zufolge gaben 40 Prozent der Schweden an, im vergangenen Monat einen Artikel mit Öko-Label gekauft zu haben. Der EU-Durchschnitt liegt bei 17 Prozent.

Ökologische Mode

Das Interesse an ökologischer Kleidung wächst ebenfalls, und es werden immer mehr Läden eröffnet, die auf ökologische Bekleidung spezialisiert sind. Auch etablierte Unternehmen wie H&M arbeiten bei ihren Kollektionen inzwischen mit ökologischen Textilien. Der Second-Hand-Markt wird ebenfalls immer größer – sowohl was den Verkauf in herkömmlichen Geschäften als auch in Onlineshops betrifft. Die wohltätig orientierten Myrorna-Läden, die eine der größten schwedischen Second-Hand-Ketten ausmachen, sammeln jährlich über 9 000 Tonnen Textilien. Nach Angaben von Myrorna entspricht das einer Einsparung von 9 000 Tonnen Pestiziden, 9 000 Tonnen Chemikalien und 93 Milliarden Litern Wasser. Der Recycling-Trend lässt sich ebenso bei den schwedischen Möbelkünstlern beobachten. Sebastian Kjersén und das Duo LL Lindblom Lindström stehen stellvertretend für die junge nachhaltigkeits- und umweltbewusst arbeitende Möbeldesigner-Generation. Schweden ist auch in Sachen WeltRecycling und Abfallwirtschaft führend. Im Jahr 2005 wurden striktere Anforderungen an Verpackungs- und Papierproduzenten festgeschrieben. Die Produzenten sollten dazu bewegt werden, die Verantwortung für ihre Erzeugnisse und deren möglichst umweltfreundliche Herstellung zu übernehmen. In Schweden dürfen nur Getränke in Kunststoffflaschen oder Metalldosen verkauft werden, die einem anerkannten Re-cycling-System zugeführt werden können.

Recycling-Rekordhalter

Die Schweden sind in Sachen Pfandfla-schenrückgabe spitze. Das Ziel, 90 Prozent aller Aluminiumdosen und PET-Flaschen in das Recycling-System einzubinden, ist fast erreicht. Mit der aktuellen Quote von 85 Prozent gehört Schweden in der Disziplin des Getränkebehälter-Recyclings schon heute zu den internationalen Meistern. Im Jahr 2008 wurden 1,4 Milliarden Dosen und Flaschen zurückgegeben und recycelt. Nach Schätzungen der für das schwedische Pfandsystem verantwortlichen Firma Returpack entspricht die dadurch eingesparte Energie dem Energieaufwand, mit dem während eines ganzen Jahres rund 21 000 Wohnhäuser mittlerer Größe geheizt werden können.

Strategische Herausforderungen für eine bessere Welt

Nachhaltige Entwicklung verlangt Weitsicht im Hinblick auf den Ressourceneinsatz und somit Geschick bei den Investitionen in die Ressourcen, die die Grundlage unserer Wirtschaft bilden, sowie bei der Schaffung und Nutzung dieser Ressourcen.

Outdoors in Sweden
Die meisten Schweden sind naturverbundene Outdoor-Fanatiker
Foto: Martin Björnwall

Das von der schwedischen Regierung 2004 formulierte Konzept der nachhaltigen Entwicklung beinhaltet vier strategische Kernherausforderungen: die Bildung nachhaltiger Gemeinschaften, die paritätische Gesundheitsförderung, die Annahme der Herausforderungen durch den demographischen Wandel und die Begünstigung nachhaltigen Wachstums.

Die Strategie umfasst die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung: die wirtschaftliche, soziale und ökologische. Außerdem berücksichtigt sie die internationalen Bemühungen um nachhaltige Entwicklung inklusive der Initiativen der UN und des Verfahrens der EU.

Um Kooperationen zu stärken und die Zusammenhänge der nachhaltigen Entwicklung genauestens zu analysieren, hat die schwedische Regierung einen beratenden Ausschuss bestellt. Die Arbeit dieser Kommission für nachhaltige Entwicklung ist handlungsorientiert; der Ausschuss legt den Fokus auf Themen, die für die Schaffung von Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung als maßgeblich ausgemacht wurden.

Von besonderem Interesse sind Bereiche, auf denen Schweden in der Lage ist, durch die Begründung international wettbewerbsfähiger Konzepte, Technologien und Dienstleistungen zur globalen nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Weil Schweden zeigen konnte, dass es möglich ist, ein hohes Niveau ökonomischer und sozialer Wohlfahrt mit hohen Umwelt-ambitionen zu kombinieren, dient das Land oft als Vorzeigebeispiel.

Nachhaltigkeitsforschung

Technische Hochschule Chalmers
Die Hochschule Chalmers ist ein technisches Institut mit Kompetenzen auf einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete. Einige der Forschungsleistungen an dieser Göteborger Hochschule sind von internationaler Bedeutung. Auch wenn sich nicht alle Fakultäten den Umweltwissenschaften widmen, sind letztlich fast sämtliche Abteilungen umweltrelevanten Fragen verpflichtet.
www.chalmers.se

KTH, Kgl. Technische Hochschule
Die Forschung an der Kgl. Technischen Hochschule (KTH) ist darauf ausgerichtet, durch die Verbesserung, Entwicklung, Analyse und Evaluation gesellschaftlicher Systeme Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, um Ressourcen zu schonen und chemisch-toxische Emissionen zu reduzieren. www.kth.se

Umweltgerechte Stadtbereiche

Viele Städte und Gegenden in Schweden bemühen sich aktiv um eine nachhaltige Gesellschaftsplanung. So werden unter anderem Bau- und Erneuerungstätigkeiten ökologisch und umweltfreundlich bewerkstelligt. Drei Beispiele sind Hammarby Sjöstad in Stockholm sowie Västra Hamnen und Augustenborg in Malmö.

Augustenborg, sustainable city Malmö
Augustenborg, ein Wohngebiet in der südschwedischen Stadt Malmö, ist ein Paradebeispiel für gelungene Stadterneuerung
Foto: Stadt Malmö, Malmo.se/Sustainablecity

Hammarby Sjöstad, Stockholm
Hammarby Sjöstad (Hammarby Meerstadt) ist das größte Stockholmer Stadtentwicklungsprojekt der jüngeren Vergangenheit. Nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2017 soll das Stadtgebiet Wohnraum für 25 000 Menschen in 11 000 Apartments bieten. Bei der Planung wurde mit einem Öko-Kreislauf-Ansatz gearbeitet, der für ökologisches und umweltverträgliches Wohnen und Bauen bahnbrechend sein soll. Zu diesem Ansatz gehören Lösungen wie:

  • Minimierung des Verbrauchs von Energie und von natürlichen Ressourcen, wobei soweit wie möglich auf erneuerbare Energiequellen zurückgegriffen wird;
  • Schließung des Kreislaufs auf möglichst lokalem Niveau, zum Beispiel durch Nutzung von Abwärme zum Beheizen von Häusern;
  • Verwendung von Baumaterialien mit dem geringsten Anteil an möglicherweise umwelt- oder gesundheitsschädlichen Stoffen;
  • auf ein Minimum beschränkte Autonutzung mit Hilfe eines gut ausgebauten öffentlichen Verkehrssystems, eines gut entwickelten Fuß- und Radwegenetzes sowie kostenloser Fährverbindungen zum Stockholmer Stadtbezirk Södermalm.

Västra Hamnen, Malmö
Der erste Schritt zur Veränderung dieses Hafengebiets wurde 2001 im Zusammenhang mit der europäischen Wohnmesse Bo01 gemacht. Västra Hamnen umfasst freistehende Häuser, Reihenhäuser und 600 Apartments sowie Büros, Läden und andere Dienstleistungsgebäude. Das Siedlungsprojekt wird sich über die nächsten Jahre hinziehen und soll Västra Hamnen zum Vorbild in Sachen Umweltanpassung in dicht bebauten urbanen Gebieten machen.

  • Der neu entwickelte Stadtbereich wird nur mit Energie aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. Die benötigte Energie wird vor Ort oder in der Nähe produziert. Ein Großteil der Heizwärme wird aus Meerwasser oder Wasser aus den Grundgesteinsschichten und außerdem mit Hilfe von Sonnenkollektoren gewonnen. Strom wird durch Windkraft und Solarzellen produziert.
  • Aus dem im Stadtbereich entstehenden Hausmüll wird Biogas gewonnen, das dazu genutzt wird, Wohnraum zu beheizen und Fahrzeuge anzutreiben.
  • Der Bedarf an Individualverkehr soll so gering wie möglich gehalten werden. Der Busverkehr soll so attraktiv und so gut ausgebaut sein, dass die Anwohner ganz selbstverständlich auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Die Menschen werden durch ein gutes Fuß- und Radwegenetz zum Laufen oder Radfahren animiert. Radfahrer haben immer Vorrang vor Autofahrern.
  • Im Stadtbereich wird der biologischen Vielfalt Rechnung getragen. Damit sich viele Pflanzen- und Tierarten wohlfühlen, werden verschiedene Lebensräume geschaffen. Um die Grünfläche zu vergrößern, werden Dächer und Wände bepflanzt.

Augustenborg, Malmö
Augustenborg wurde 1952 fertiggestellt und ist ein Beispiel für nachhaltige schwedische Stadterneuerung. Das Wohngebiet hatte ursprünglich 1 800 Apartments und 5 600 Anwohner. Das Projekt, das Augustenborg in ein sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigeres Wohngebiet verwandelte, wurde im Jahr 2001 beendet. Ein besonderes Anliegen bestand darin, die Anwohner so stark wie möglich in die Planung und Umsetzung des Projekts einzubinden.

  • Augustenborg verfügt heute über 15 Recycling-Center, in denen die Haushalte Papier, Glas, Karton, Metall, Batterien und Kunststoffabfälle zurückgeben können.
  • Bioabfall wird in Kompostmaschinen sortiert. Der Kompost wird unter anderem für Anpflanzungen im Gebiet genutzt.
  • Im Jahr 2006 wurden schätzungsweise 70 Prozent des Hausmülls recycelt, wiederverwertet oder kompostiert.
  • Unter einem der Fußballplätze wurden Leitungen verlegt, über die dem Boden im Sommer Wärme entzogen wird, die im Winter genutzt werden kann.

Menschlich beheizte Gebäude

In Nordeuropa stehen die Bereiche Wohnen und Dienstleistungen für 40 Prozent des gesamten Energiekonsums. Eine Möglichkeit, den Energieverbrauch zu senken, besteht darin, Häuser mit niedrigem Energiebedarf zu bauen. Bei den sogenanten Passivhäusern wird die benötigte Heizwärme hauptsächlich über interne Gewinne – wie beispielsweise über die Wärmeabgabe der Bewohner, der elektrischen Geräte und der Beleuchtung – sowie über solare Gewinne gedeckt. Passivhäuser sind in Schweden zum Beispiel bereits in den Gemeinden Stockholm, Göteborg, Västerås und Helsingborg gebaut worden.

Das Bürogebäude Kungsbrohuset beim Stockholmer Hauptbahnhof wird teilweise mit der Wärme beheizt, die die 200 000 Menschen abgeben, die den Bahnhof täglich passieren. Durch Wärmeübertragung im Belüftungssystem wird diese Energie zum Wärmen von Wasser genutzt, das zum Beheizen der Büros in das Gebäude gepumpt wird. Kungsbrohuset verfügt auch über energieeffiziente Fenster, die das Sonnenlicht ganzjährig in das Hausinnere lassen, aber die Wärme im Sommer fernhalten.

 


Herausgeber: Schwedisches Institut  Erscheinungsdatum: März 2010

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