
In Sachen Haushaltsabfallwirtschaft gehört Schweden weltweit zu den vorbildlichsten Ländern: 99 Prozent des Mülls werden recycelt oder zur Energiegewinnung genutzt. Foto: Cecilia Larsson/Imagebank.sweden.se
Schweden überbietet die anderen EU-Länder im Hinblick auf den Verzehr von Biolebensmitteln, spielt eine Vorreiterrolle beim Recycling von Getränkedosen und -flaschen und deckt beim Energieverbrauch einen unübertroffen hohen Anteil aus erneuerbaren Quellen. Darüber hinaus ist das schwedische Textileinzelhandelsunternehmen H&M bei der Verwendung von Biobaumwolle weltweit mit führend. Außerdem hat die schwedische Regierung 400 Millionen SEK (46 Millionen EUR) für Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelttechnologie bereitgestellt.
Grüne Schweden
In Europa, wo der Markt für Biolebensmittel jährlich um 5 bis 7 Prozent wächst, platziert sich Schweden in Sachen grüner Einkauf auf der Spitzenposition. Einer Studie der Europäischen Kommission zufolge gaben 40 Prozent der Schweden an, im vergangenen Monat einen Artikel mit Öko-Label gekauft zu haben – das ist häufiger als der EU-Durchschnitt.
In den letzten Jahren wurden immer mehr Läden eröffnet, die auf ökologische Bekleidung spezialisiert sind. Auch etablierte Modeunternehmen arbeiten inzwischen mit ökologischen Textilien. Nach Angaben der Organisation Textile Exchange ist das Unternehmen H&M der weltgrößte Nutzer von Biobaumwolle.

Aus wiederverwertetem Material lassen sich auch Möbel herstellen.
Foto: Green Furniture Sweden
Vintage-Mode
Der Second-Hand-Kleidermarkt wird ebenfalls immer größer, und zwar sowohl was den Verkauf in herkömmlichen Geschäften als auch in Onlineshops betrifft. Vintage-Mode ist so angesagt, dass inzwischen sogar etablierte Handelsketten Second-Hand-Kleider verkaufen. So vertreiben das Bekleidungsunternehmen Weekday und die Modeboutique Grandpa neben ihren neuen Kleidern auch Vintage-Stücke. Die erste Vintage-Mode-Messe Vintagemässan wurde erstmals 2008 abgehalten; inzwischen lockt sie jedes Jahr über 6 000 Besucher an.
Recycling-Rekordhalter
Im Jahr 2010 recycelten die Schweden Getränkeverpackungen gewissenhafter als je zuvor. Mit einer aktuellen Quote von rund 88 Prozent ist das Ziel, 90 Prozent aller Aluminiumdosen und PET-Flaschen in das Recycling-System einzubinden, fast erreicht.
Nach jüngsten Statistiken der schwedischen Recyclingfirma Returpack gaben die Schweden durchschnittlich 146 Pfanddosen und -flaschen pro Person zurück. In den vergangenen Jahren ergriff Returpack etliche Maßnahmen, um die Recyclingquote zu steigern. So wurden unter anderem die Höhe des Pfands auf Verpackungen verdoppelt und innovative Werbekampagnen wie zum Beispiel Pantamera durchgeführt.
hit.pantamera.nu
Investitionen in grüne Technologie
Im Jahr 2011 präsentierte die schwedische Regierung eine neue Strategie, mit der günstige Bedingungen für das Wachstum und die Entwicklung von Umwelttechnologieunternehmen geschaffen werden sollen. Die drei Hauptziele bestehen darin,
- den Export schwedischer Umwelttechnologie zu fördern und so zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum in Schweden und auf der Welt beizutragen;
- Forschung und Innovation im Bereich der Umwelttechnologie zu fördern und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche geschäftliche Tätigkeit von Umwelttechnologieunternehmen in Schweden zu schaffen;
- die Kommerzialisierung von Innovationen zu vereinfachen.

Fortschrittliche Technologie kann die Nutzung erneuerbarer Energien im Verkehrsbereich steigern. Foto: Melker Dahlstrand/Imagebank.sweden.se
Die finanzielle Ausstattung beträgt insgesamt 400 Millionen SEK (46 Millionen EUR), wobei von 2011 bis 2014 jedes Jahr 100 Millionen SEK (11, 5 Millionen EUR) zugewiesen werden. Nach Angaben des Statistischen Zentralamts und des Schwedischen Rats für Umwelttechnik beschäftigt der schwedische Umwelttechnologiesektor circa 40 000 Menschen und setzt 120 Milliarden SEK (13,8 Milliarden EUR) um.
Nachhaltigkeitsforschung
Technische Hochschule Chalmers
Mehrere Fakultäten widmen sich spezifisch den Umweltwissenschaften, aber letztlich sind fast alle Chalmers-Abteilungen umweltrelevanten Fragen verpflichtet. Im Rahmen der Alliance for Global Sustainability (AGS) ging die Hochschule eine internationale Partnerschaft mit dem Massachusetts Institute of Technology, der Universität Tokio und der ETH Zürich ein. Ziel der AGS ist es, Forschung und Entwicklung zu komplexen globalen Fragen im Bereich Umweltwissenschaften und nachhaltige Entwicklung zu fördern.
www.chalmers.se
Kgl. Techn. Hochschule (KTH)
Die KTH ist eines der führenden europäischen Technologieinstitute für Bildung und Forschung im Bereich Umwelt und nachhaltige Entwicklung. Die Universität benannte einen Vizepräsidenten für nachhaltige Entwicklung und einen neuen Umweltdirektor.
Mit einem Budget von 8 Millionen SEK (920 000 EUR), etlichen strategischen Rekrutierungen und dem neuen KTH-Nachhaltigkeitsrat stellt dies die größte Investition zugunsten der Umweltwissenschaften in der Geschichte der Universität dar.
www.kth.se
Nachhaltige Zukunftsstädte
Schwedische Architekten, Baubetriebe, Energieversorgungsunternehmen, Städteplaner, Firmen und Politiker arbeiten heute an der Erschaffung der nachhaltigen Städte von morgen. Hier einige Beispiele:
Energieverbrauch
Es gibt viele private Energiesparinitiativen. Die Mitglieder der Familie Lindell zum Beispiel waren Testpersonen beim One-Tonne-Life-Projekt. Dabei ging es darum, die Kohlendioxid- Emissionen auf 1 metrische Tonne pro Person und Jahr zu reduzieren. Mit einem umweltgerecht entworfenen Holzhaus, einem Elektroauto und mehreren Experten an ihrer Seite gelang es der Familie fast, ihr Ziel zu erreichen: Die Lindells erzielten einen Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen von 7,3 auf 1,5 metrische Tonnen pro Person.
onetonnelife.com
Vertical greenhouses
Die preisgekrönte schwedische Firma Plantagon arbeitet mit urbaner Landwirtschaft und ist auf den so genannten vertikalen Anbau spezialisiert. Bei den vertikalen Gewächshäusern von Plantagon kann der Energieund Wasserverbrauch sowie der Pestizideinsatz minimiert werden. Derzeit ist der Bau von vertikalen Gewächshäusern in Linköping und Botkyrka südlich von Stockholm geplant. Die Gebäude sollen dazu beitragen, den künftigen Bedarf an Nahrungsmitteln auf klimafreundliche Weise decken zu können.

Plantagon-Gewächshäuser sollen die Umweltauswirkungen bei der Lebensmittelerzeugung mindern. Illustration: SWECO
www.plantagon.com
Airport City Stockholm
Bis 2022 wird um den Flughafen Stockholm Arlanda eine ganz neue Stadt heranwachsen. Hier soll ein Umwelttechnologiezentrum entstehen, in dem Vertreter aus den Bereichen Forschung und Innovation sowie etablierte Firmen aus den Sparten Nachhaltigkeit und Umwelttechnologie zusammengebracht werden. Das Umweltprofil des neuen Stadtgebiets basiert auf der umfassenden Klimaarbeit, mit der auf Arlanda bereits begonnen wurde. Seit 2004 konnten die Treibhausgas-Emissionen des Flughafens mehr als halbiert werden. Dabei half unter anderem der weltgrößte Grundwasserspeicher, der beim Heizen und Kühlen des Flughafens genutzt wird.
www.arlandastad.se
Malmö
Malmö setzte im Bereich nachhaltiges Bauen bereits zwei vorbildliche Projekte mit weltweitem Renommee um. Bo01 ist ein Neubauviertel, das moderne Architektur und ökologische Nachhaltigkeit vereint; bei Ekostaden Augustenborg handelt es sich um eine der größten Investitionen zur ökologischen Erneuerung einer Wohnsiedlung europaweit. Die Gemeinde Malmö lanciert weitere umweltfreundliche Stadtgebiete. So wird Hyllie in das klimafreundlichste Stadtgebiet der Öresund-Region verwandelt, wobei die Energieversorgung ab 2020 vollständig aus erneuerbaren Quellen oder über rückgewonnene Energie gedeckt werden wird.
www.malmo.se
Hammarby Sjöstad, Stockholm
Hammarby Sjöstad ist das größte Stockholmer Stadtentwicklungsprojekt. Nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2017 wird das Stadtgebiet Wohnraum für 26 000 Menschen in 11 500 Apartments bieten. Bei der Planung wurde mit einem Ökokreislauf-Ansatz gearbeitet, der für ökologisches und umweltverträgliches Wohnen und Bauen bahnbrechend sein soll.

Hammarby Sjöstad dient weltweit bei der umweltfreundlichen Stadtentwicklung als Vorbild. Foto: Ola Ericson/Imagebank.sweden.se
www.hammarbysjostad.se
Norra Djurgårdsstaden
Nach dem Erfolg mit Hammarby Sjöstad wird in Stockholm jetzt Norra Djurgårdsstaden als neuer umweltgerechter Stadtbereich und als ökologisches Vorbild lanciert. Bis zum Jahr 2025 werden 10 000 Wohnungen und 30 000 Büros gebaut. Der Stadtbereich wird ab 2030 komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen sein und das Klima positiv beeinflussen.
www.stockholmroyalseaport.com
Menschlich beheizte Gebäude
In Nordeuropa stehen die Bereiche Wohnen und Dienstleistungen für 40 Prozent des gesamten Energiekonsums. Eine Möglichkeit, den Energieverbrauch zu senken, besteht darin, Häuser mit niedrigem Energiebedarf zu bauen. Bei den so genannten Passivhäusern wird die benötigte Heizwärme hauptsächlich über interne Gewinne – wie beispielsweise über die Wärmeabgabe der Bewohner, der elektrischen Geräte und der Beleuchtung – sowie über solare Gewinne gedeckt. Passivhäuser wurden in Schweden bereits in etlichen Gemeinden gebaut, darunter Stockholm, Göteborg, Västerås und Helsingborg.
Im Herbst 2011 wurde in Stockholm das erste Mehrfamilienhaus eingeweiht, das das nordische Öko-Label Svanen (Schwan) trägt. Das 36 Wohnungen umfassende Gebäude erzeugt nur halb so viele Kohlendioxid-Emissionen wie ein gewöhnliches Appartementhaus.
Nach einer Erhebung der Baufirma Veidekke würden 7 von 10 Schweden gern in einem ökozertifizierten Haus wohnen und könnten sich vorstellen, dafür Mehrausgaben hinzunehmen.
www.svanen.se/en
Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
April 2012
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