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8. Feb. 2008

Junge Schweden kämpfen gegen Straßengewalt

von: Cari Simmons
Für seinen Einsatz gegen die Gewalt auf der Straße erhielt der fünfzehnjährige Anton Abele auf der MTV-Europe-Gala den Preis in der Kategorie „Free Your Mind“. Aber der junge Schwede hat noch viel vor.

Nach dem Besuch einer Party war der sechzehnjährige Riccardo Campogiani auf den Straßen Stockholms von einer Gruppe Teenager zu Tode geprügelt worden. Der Vorfall, der für Erwachsene und Jugendliche viele Fragen zum Thema Straßengewalt aufwarf, löste in Schweden große Betroffenheit aus.

Schon ein Einziger kann etwas erreichen

Anton Abele, der auf der gleichen Party gewesen war wie das Gewaltopfer, machte seiner Betroffenheit über den sinnlosen Tod auf der Internetplattform „Facebook“ Luft. Und stieß in ganz Schweden schnell auf reges Interesse: Die Gruppe, die er über seine Site „Bevara oss från gatuvåldet“ (Verschone uns mit Straßengewalt) gründete, hatte schon nach wenigen Tagen über 60 000 Mitglieder.

Zusammen mit seinem Vater Gunnar Abele organisierte Anton im Zentrum Stockholms auch eine Demonstration gegen Gewalt. An der Kundgebung nahmen 12 000 Menschen teil.

„Es war meine Art, mit der Trauer umzugehen“, sagt Abele. „Ich musste einfach etwas tun, hätte aber nie damit gerechnet, dass daraus etwas so Großes werden würde.“

MTV Award

Im November 2007 bekam Abele im Rahmen der Verleihung der „MTV Europe Music Awards“ den Preis in der Kategorie „Free Your Mind“. Snoop Dogg ehrte den jungen Schweden mit der Auszeichnung, die zuvor Leuten und Organisationen wie Bono, Bob Geldof, Amnesty International und Greenpeace zuteil geworden war.

„Ich habe erlebt, welchen Schaden Gewalt anrichten kann, und am eigenen Leib erfahren, dass Gewalt nie eine Lösung ist“, sagte der Rapper zu Abele. „Ich bin stolz, einen jungen Mann ehren zu dürfen, der das Risiko eingeht, diese Botschaft zu verbreiten.“

Derzeit gehören 30 Leute zum harten Kern der von Abele gegründeten Organisation „Stoppa gatuvåldet nu“ (Stoppt Straßengewalt jetzt). Und seine Facebook-Gruppe hat inzwischen über 120 000 Mitglieder.

„Stoppa gatuvåldet nu“ will unter anderem erreichen, dass Jugendliche es „cool“ finden, der Gewalt abzuschwören. Am 10. Februar soll die Botschaft über Tanz, Musik, Theater und Diskussionen verbreitet werden. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit Beckmans Designhochschule und dem Stockholmer Stadttheater durchgeführt und ist der Auftakt für mehrere nationale Jugendprojekte zur Gewaltlosigkeit.

„Mit dieser Veranstaltung soll die Gründung neuer Netzwerke erleichtert und Menschen und Organisationen in ihrer gemeinsamen Arbeit gegen Straßengewalt unterstützt werden. Es finden unter anderem Seminare zu den Themen Alkohol und Drogen, Aggressionsbewältigung und Kommunikation statt“, erklärt Abele.

Den Schwung ausnutzen

Für den 2. Oktober, dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Tag der Gewaltlosigkeit“, ist wieder eine Demonstration geplant. Und Abele trägt mit seiner Bewegung die Botschaft der Gewaltlosigkeit auch in die Schulen.


„Wir wollen nicht an Schwung verlieren“, sagt Abele. Er hofft, dass „Stoppa gatuvåldet nu“ auch eine ethische Debatte auslöst sowie Eltern und ihre Kinder dazu anregt, mehr Zeit miteinander zu verbringen. „Natürlich wäre es uns peinlich, wenn unsere Eltern auf Partys mitkämen. Aber das Engagement der Eltern ist wichtig. Eltern müssen sich beteiligen und zum Beispiel einmal im Jahr an einem Abend in den Straßen patrouillieren. Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen“, meint Abele.

Abele findet, dass Eltern, Polizei und Jugendliche zusammenarbeiten sollten, um die Straßengewalt zu besiegen. „Wenn wir ein Leben retten, war unsere Bewegung erfolgreich“, sagt er.

Kriminalstatistik

Obwohl der Tod von Campogiani die Aufmerksamkeit der schwedischen Medien und der Öffentlichkeit erregte, zeigt die Statistik des Schwedischen Beirates für Kriminalitätsverhütung (BRÅ), dass die Zahl der Jugendlichen, die bei Gewalttaten ums Leben kamen, in den vergangenen 30 Jahren mit ein bis zwei Opfern jährlich praktisch unverändert geblieben ist.

Felipe Estrada, Forschungsleiter bei BRÅ, weist darauf hin, dass unter Jugendlichen in Schweden pro Kopf relativ wenige Gewaltverbrechen verübt werden. Deshalb findet jede Tragödie auch besonders viel Beachtung. „Gewalt unter Jugendlichen ist ein Thema, das unsere Gesellschaft berührt und bewegt“, sagt Estrada.

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Cari Simmons ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin aus Kanada. Sie lebt seit 15 Jahren in Stockholm.

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein die Autorin verantwortlich.

Übersetzung: Stefanie Busam Golay

Klassifizierung: A231TY


 

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