
Die Nobelpreisgewinner empfangen während einer festlichen Zeremonie ein Diplom aus der Hand König Carl XVI. Gustavs.
Foto: Dan Hansson/SvD/Scanpix
Jedes Jahr Anfang Oktober blickt die Welt auf Schweden und Norwegen: Dann werden in Stockholm und Oslo die Nobelpreisträger bekanntgegeben. In dieser Zeit besuchen Millionen von Menschen die Website der Nobelstiftung.
Seit 1901 wird (mit Ausnahme von drei Jahren während des Zweiten Weltkriegs) der Nobelpreis Personen und Organisationen für bedeutende Leistungen auf den Gebieten der Physik, Chemie, Physiologie/Medizin, Literatur und Friedensarbeit vergeben.
Der 10. Dezember ist der so genannte Nobeltag – für die Preisträger der Höhepunkt einer Woche voller Ansprachen, Konferenzen und Empfänge.
Bei der Preisverleihung in Stockholm erhalten die Gewinner des Nobelpreises für Physik, Chemie, Physiologie/Medizin und Literatur aus der Hand des Königs von Schweden eine Urkunde, eine goldene Medaille und einen Geldbetrag. An die Zeremonie schließt sich das Nobelbankett an. Der Friedensnobelpreis wird am gleichen Tag in Oslo vergeben.
Preis für Wirtschaftswissenschaften
Im Jahr 1968 schuf die Schwedische Nationalbank (Sveriges Riksbank) den Preis für Wirtschaftswissenschaften der Schwedischen Nationalbank in Gedenken an Alfred Nobel. Der Preis wird finanziert aus einer Spende, die die Schwedische Nationalbank 1968 anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens der Nobelstiftung zukommen ließ. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften, der denselben Vergabekriterien unterliegt wie die Nobelpreise, wird von der Kgl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften verliehen.
Das Vermächtnis Alfred Nobels
Der Nobelpreis ist das Vermächtnis des Schweden Alfred Nobel (1833–1896) und wird „denen zugeteilt, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. In seinem Testament legte Nobel 1895 fest, dass die Hauptmasse seines Vermögens einen Fonds bilden und in sicheren Wertpapieren angelegt werden solle.
Die vier zur Preisverleihung berechtigten Institutionen in Schweden und Norwegen (die beiden Länder waren zwischen 1814 und 1905 vereint) sollten „die Kgl. Schwedische Akademie der Wissenschaften, das Karolinska Institutet, die Akademie in Stockholm“ und „ein Komitee aus fünf Personen, gewählt vom Storting“ (Norwegisches Parlament) sein.
Die Nobelstiftung
Im Jahr 1900 gründeten die vier zur Preisverleihung berechtigten Institutionen die Nobelstiftung, eine private Stiftung nach dem Willen Alfred Nobels. Die Nobelstiftung ist insbesondere zuständig für die Verwaltung der von Nobel verfügten 31 Mio. SEK (4,4 Mio. USD, 3,4 Mio. EUR), die Bekanntgabe der Preisträger und die Ausrichtung der Festlichkeiten. Das Preisgeld wird jährlich nach den letzten Kapitalerträgen errechnet. Das Vermögen der Stiftung beläuft sich derzeit auf 3 Mrd. SEK (443 Mio. USD, 349 Mio. EUR). Damit ist es unter Berücksichtigung der Inflation etwa doppelt so hoch wie das Anfangskapital.
Derzeit beträgt das Preisgeld auch dann 8 Mio. SEK (1,2 Mio. USD, 0,9 Mio. EUR) je Kategorie, wenn der Preis an mehrere (maximal drei) Preisträger verliehen wird.
Angeschlossene Organisationen
Eine Reihe von Organisationen und Institutionen sind mit verschiedenen Aufgaben betraut, die mit dem Nobelpreis in Verbindung stehen. Die Nobel Foundation Rights Association wurde 1999 ins Leben gerufen, um das weltweit wachsende Interesse an qualitativ hochwertigen Informationen im Hinblick auf die Nobelpreisträger und deren hervorragende Leistungen über verschiedene Platt-formen zu befriedigen. Dieser gemeinnützige Verein fungiert als Schirmorganisation für die folgenden drei Körperschaften:
- Die Nobel Media AB, die im Hinblick auf den Nobelpreis mit der Verwaltung und Entwicklung von Medienrechten für die Bereiche Fernseh- und Internetproduktionen, Distribution, Publishing und Events befasst ist.
- Das Nobelmuseum (Nobelmuseet AB), das im so genannten Börsenhaus (Börshuset) in Stockholms Altstadt ein Jahrhundert der Kreativität greifbar macht, indem es den Nobelpreis und die Errungenschaften der Nobelpreisträger thematisiert.
- Das Nobel-Friedenszentrum, das sich um die Darstellung des Friedensnobelpreises und der Arbeit der Friedensnobelpreisträger in der Öffentlichkeit bemüht. Das Zentrum befindet sich am Rådhusplassen in Oslo, Norwegen.
Der Erfinder des Dynamits
Alfred Nobel war Chemiker, Ingenieur, Erfinder und Unternehmer. Er wurde am 21. O ktober 1833 in Stockholm geboren und starb am 10. Dezember 1896 im italienischen Sanremo. Nobels besonderes Interesse galt der Erforschung von Sprengstoffen. Zu seinen Erfindungen zählen die Sprengkapsel, das Dynamit und das Ballistit. Weltweite Berühmtheit erlangte Nobel, als 1882 der St.-Gotthard-Tunnel gebaut und Dynamit erstmalig in großem Umfang eingesetzt wurde.
Zum Zeitpunkt seines Todes besaß Nobel 355 internationale Patente und Muttergesellschaften in gut zwanzig Ländern. Sprengstoffe aller Art wurden nach seinen Patenten in einigen hundert Fabriken in der ganzen Welt hergestellt.
Nobel lebte und arbeitete in vielen Ländern, so in Schweden, Russland, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien. Er beherrschte fünf Sprachen, interessierte sich leidenschaftlich für Literatur und schrieb Gedichte und Dramen. Er hätte sich wohl nicht träumen lassen, welches Ansehen sein Preis erlangen und wie viel Medieninteresse den Nobelpreisträgern zuteil würde.

Alfred Nobel. Foto: Nobelmuset
112 Jahre Nobelpreis
Seit der ersten Nobelpreisverleihung 1901 wurden bis heute insgesamt 863 Preise an Einzelpersonen und Organisationen vergeben. Sie tragen wesentlich zur Geschichte der Kultur und Wissenschaft in der ganzen Welt bei.
Zwischen 1901 und 2012 wurde der Nobelpreis 839-mal einer Einzelperson und 24-mal einer Organisation zuerkannt – ein wesentlicher Beitrag zur Geschichte der Kultur und Wissenschaft in der ganzen Welt. Da einige wenige Einzelpersonen und Organisationen mehrfach geehrt wurden, erhielten insgesamt 835 Einzelpersonen und 21 Organisationen den Nobelpreis.
Der erste Nobelpreis für Physik ging 1901 an Wilhelm Conrad Röntgen, der die nach ihm benannte Strahlung entdeckte. Die Röntgenstrahlung wird weltweit täglich in der Gesundheitsvorsorge genutzt. Als erste Frau wurde die österreichische Baronin Bertha von Suttner mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Sie erhielt 1905 den Friedensnobelpreis als Anerkennung ihrer Arbeit für die Friedensbewegung in Deutschland und Österreich.
Marie Skłodowska Curie erhielt im Jahr 1911 bereits ihren zweiten Nobelpreis – dieses Mal für Chemie, und zwar für die Isolierung und Erforschung des neuen Elements Radium. Diese Entdeckung und die Forschungen auf dem Gebiet der Radioaktivität, für die Curie 1903 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet worden war, leisteten einen wesentlichen Beitrag für die medizinischen Wissenschaften.
1912 wurde der schwedische Erfinder und Industrielle Gustaf Dalén für seinen Beitrag in der Leuchtturm- und Leuchtbojentechnik mit dem Nobelpreis in Physik geehrt. Dalén erfand in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts das AGALeuchtfeuer, eine Art automatisches, über Ethin betriebenes Leuchtsystem, das über ein Sonnenventil gesteuert wurde: Bei Tageslicht wurde die Ethinzufuhr gestoppt, und über ein rotierendes Beleuchtungssystem wurde das Blinklicht bei Einbruch der Dunkelheit automatisch in kurzen, regelmäßigen Intervallen entzündet. Diese beiden Technologien ermöglichten gegenüber früheren Konstruktionen Gaseinsparungen von 90 Prozent.

Preisgekrönte Entdeckungen (im Uhrzeigersinn v. li. n. re.): Röntgenstrahlung; AGA-Leuchtfeuer, eine Art automatisches, über Ethin betriebenes Leuchtsystem; Molekulare Struktur der DNA – Doppelhelix; Penizillin. Fotos: Shutterstock, Imagebank.sweden.se and Gettyimages
Im Herbst 1945 kamen die Professoren der Nobelvereinigung im Karolinska Institutet zusammen, um einen Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin zu benennen. Sie ehrten drei Preisträger – darunter Alexander Fleming – für ihre Entdeckung des Penizillins, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Millionen Menschenleben retteten sollte.
Im Jahr 2007 ging der Friedensnobelpreis an das Intergovernmental Panel on Climate Change, den so genannten Weltklimarat, und an Al Gore. Gore trug mit seinem Buch und seinem Film Eine unbequeme Wahrheit maßgeblich dazu bei, dass das Thema Klimawandel ganz oben auf der internationalen politischen Agenda steht. Andere Friedensnobelpreisträger, die die Welt prägten, sind Martin Luther King (1964), Nelson Mandela (1993) und Barack H. Obama (2009).
Zu den Literaturnobelpreisträgern gehören Ernest Hemingway (1945), Toni Morrison (1993), Dario Fo (1997) und Harold Pinter (2005). Doris Lessing, die den Literaturnobelpreis mit 87 Jahren erhielt, führt diese Kategorie altersmäßig an.
Die Nobelpreistermine
Die Nobelpreisverleihung findet am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm statt. Am selben Tag wird der Friedensnobelpreis in der norwegischen Hauptstadt Oslo verliehen.
In der Nobelwoche gibt es weitere Ereignisse wie Empfänge und Dinner bei den mit der Nobelpreisverleihung befassten Institutionen sowie bei der schwedischen Königsfamilie. Die Preisträger halten Reden und Vorträge über ihre Arbeit, auch Podiumsdiskussionen und andere öffentliche Ereignisse stehen auf der Tagesordnung. Traditionsgemäß sitzen die Preisträger und ihre Gatten beim Nobelbankett am Tisch der königlichen Familie. Sie werden außerdem zu einem Abendessen in kleinerer Runde in das Stockholmer Schloss geladen, bei dem die Königsfamilie ebenfalls anwesend ist. Der Besuch der Nobelstiftung ist ein Ereignis mit großem Symbolcharakter.
Die Preisträger erhalten ein Dokument, das die Höhe des Preisgeldes bestätigt, und tragen sich wie Hunderte berühmte Vorgänger namentlich in ein Gästebuch ein.

© ® Nobelstiftung
Die Nobel-woche in Stockholm
5. Dezember
Die Preisträger (außer den Friedensnobelpreisträgern) treffen in Stockholm ein.
6.–8. Dezember
Die Preisträger halten ihre Vorträge. Die preisverleihenden Institutionen richten Pressekonferenzen, Empfänge und Dinner aus.
9. Dezember
Die Nobelstiftung veranstaltet einen Empfang für alle Preisträger.
10. Dezember
Die Nobelpreisverleihung findet im Stockholmer Konzerthaus statt, wo der König von Schweden jeden Preisträger mit einer Medaille und einer Urkunde auszeichnet. Im Anschluss daran findet im Stockholmer Rathaus ein Bankett statt, das auch im Fernsehen gezeigt wird.
11. Dezember
Die Festlichkeiten enden mit einem Dinner im Stockholmer Schloss.
Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
November 2012
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