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Hochschulbildung und Forschung:
Bildungshunger in Schweden

Immer mehr Menschen wollen in Schweden eine Hochschuleinrichtung besuchen. Die Zahl der Bewerber für ein Vollzeitstudium ist innerhalb der letzten fünf Jahre um fast 85 000 gestiegen. Im Bereich Forschung und Entwicklung will Schweden weltweit in der ersten Liga spielen.

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Physics research at Lund University in Sweden.
Forschung im Bereich der Physik an der schwedischen Universität Lund
Foto: Mikael Risedal/Lunds Universitet

Im Herbst des Jahres 2010 bewarben sich insgesamt 374 000 Menschen um einen Studienplatz an einer schwedischen Hochschuleinrichtung. Das waren 4 Prozent mehr als im Jahr 2009. 240 000 Bewerber wurden letztlich zugelassen. Die Hochschulbildung in Schweden wird weitgehend über das Steueraufkommen finanziert. Bisher profitierten hiervon Studierende aller Nationalitäten. Ab 2011 jedoch werden Studienbeiträge erhoben von Studenten aus Ländern, die nicht der EU/dem Europäischen Wirtschaftsraum angehören oder nicht aus der Schweiz stammen. Die Regierung ist der Ansicht, dass die schwedische Hochschulbildung sich im internationalen Wettbewerb insbesondere durch hohe Qualität und gute Studienbedingungen auszeichnen soll und nicht dadurch, dass sie kostenlos ist.

Ausbildungsförderung soll Studenten locken

Um Studenten, die die Studiengebühren nicht aufbringen können, trotzdem ein Studium in Schweden zu ermöglichen, hat die Regierung Geldmittel für zwei neue Stipendienprogramme bereitgestellt. Das Schwedische Institut ist für die Zuteilung der Gelder des einen Programms in einer Gesamthöhe von 30 Millionen SEK zuständig. Hochqualifizierte Studenten aus Ländern, mit denen Schweden langfristige Entwicklungsprojekte durchführt, können damit sowohl ihre Lebenshaltungskosten als auch ihre Studiengebühren abdecken. Das andere Programm ist gedacht für hochqualifizierte Studierende aus Ländern, die nicht der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum angehören.

Hochschuleinrichtungen, die ihren Studenten bereits Förderungen gewähren, erhalten vom Internationalen Programmbüro für Bildung und Ausbildung aus dem zweiten Programm Zuwendungen zur Deckung der Studiengebühren.

Verantwortung und Ziele

In Schweden sind das Parlament (Riksdag) und die Regierung für die Hochschulbildung und die Forschung zuständig, was auch bedeutet, dass sie die Entscheidungen im Hinblick auf Ziele, Richtlinien und Mittelverwendung treffen. Bildung und Forschung fallen entsprechend in den Aufgabenbereich des Ministeriums für Bildung und Forschung.

Das Schwedische Zentralamt für Höhere Bildung ist zwar die wichtigste staatliche Stelle für Hochschulbildungsangelegenheiten, doch die Hochschuleinrichtungen sind regierungsunabhängige Institutionen und entscheiden selbst über die Inhalte ihrer Seminare, die Zulassungen, die Zensuren sowie andere relevante Themen. Die Forschung wird in Schweden primär durch den Schwedischen Forschungsrat finanziert und gefördert.

Ziele der Hochschulbildung

Die Ziele der Hochschulbildung sind maßgeblich im Schwedischen Hochschulgesetz und in der Schwedischen Hochschulverordnung festgeschrieben. Diese besagen, dass die Hochschulbildung auf wissenschaftlichen Prinzipien zu basieren hat. Die Hochschulbildung soll demnach Folgendes vermitteln:

  • Wissen und Fähigkeiten in den relevanten Bereichen.
  • Die Fähigkeit zu unabhängigen und kritischen Bewertungen und Beurteilungen.
  • Die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu formulieren und zu lösen.
  • Anpassungsbereitschaft im Hinblick auf neue Bedingungen im Berufsleben.

Die Hochschuleinrichtungen haben sicherzustellen, dass Studenten mit Behinderung beim Studium die gleichen Chancen haben wie andere Studenten.

Größere Freiheiten

Am 1. Januar 2011 ist eine Reform in Kraft getreten, die den Hochschuleinrichtungen größere Autonomie zugesteht, um sie besonders gut für den intensiven internationalen Wettbewerb zu rüsten. So werden unter anderem die Rechte der Hochschuleinrichtungen gestärkt, ihre internen Strukturen selbst festzulegen. Dabei müssen zwei Prinzipien unbedingt beachtet werden: Entscheidungen, die Fachwissen erfordern, müssen von zwei Experten mit wissenschaftlicher oder künstlerischer Fachkompetenz getroffen werden. Die Studenten wiederum sind berechtigt, ihre Interessen darzustellen und zu vertreten, wenn Entscheidungen im Hinblick auf Bildungsangelegenheiten oder studentische Fragen getroffen werden.

Im Zusammenhang mit den Reformen wurde auch ein neues Qualitätssicherungssystem zur Verbesserung der Studienabschlüsse eingeführt. Hochschuleinrichtungen mit besonders qualitätsvollen Studiengängen erhalten höhere finanzielle Zuschüsse. Die Evaluierung wird vom Schwedischen Zentralamt für Hochschulbildung durchgeführt.

Bereitstellung von Geldmitteln

80 Prozent der Geldmittel für die schwedischen Hochschuleinrichtungen werden von der Regierung bereitgestellt. 65 Prozent davon werden als direkte staatliche Zuschüsse gewährt. Weitere 7 Prozent stammen aus anderen öffentlichen Quellen: Nahezu 88 Prozent werden also über öffentliche Mittel finanziert. Die restlichen Gelder fließen aus privaten Quellen und Einnahmen. Im Jahr 2009 beliefen sich die Gesamtkosten für die Hochschuleinrichtungen auf 54,1 Milliarden SEK.

Students at the university library in Stockholm.
Studierende in der Stockholmer Universitätsbibliothek
Foto: Plattform/Johnér

Neue Zulassungsregelungen

Die Zulassung zu einer schwedischen Hochschuleinrichtung ist gebunden an bestimmte Qualifikationen. Wenn es mehr Studienbewerber als Plätze gibt, wird unter den Qualifizierten ausgewählt.

Für die Einschreibung an einer Hochschuleinrichtung müssen die Studienbewerber nachweisen, dass sie die Hochschulreife an einer weiterführenden Schule oder an einer Institution der kommunalen Erwachsenenbildung in Schweden erworben haben oder über einen vergleichbaren ausländischen Schulabschluss verfügen. Auch Ausbildungen an der Erwachsenenbildungseinrichtung „folkhögskola“ können für den Zugang zum Studium qualifizieren.

Seit Herbst 2010 gelten neue Zulassungsregelungen und ein neues Auswahlverfahren. Eine Änderung betrifft die „credit increments“ – Bildungsguthaben, die den Studienbewerbern angerechnet werden, wenn sie an der weiterführenden Schule zum Beispiel in Mathematik oder Fremdsprachen Kurse mit erhöhtem Niveau belegt hatten.

Gemeinsame europäische Ziele

Das schwedische Hochschulsystem hat sich in den letzten Jahren merklich verändert. Der Grund hierfür ist der so genannte Bologna-Prozess, dessen Ziel es ist, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum (EHEA) zu schaffen.

Students in a lecture hall at the University
Die Bologna-Erklärung macht es europäischen Studierenden leichter, im Ausland zu studieren Foto: Johan Jeppsson

Die Bologna-Erklärung leitet ihren Namen von einer Konferenz ab, die 1999 in Bologna stattfand. Die von 29 Staaten unterzeichnete Erklärung soll den Studierenden und Hochschulabsolventen die Arbeitssuche in anderen europäischen Ländern vereinfachen. Inzwischen haben mehr als 40 Länder die Erklärung unterschrieben. Ihre drei Kernziele lauten:

  • Förderung der studentischen Mobilität.
  • Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit.
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulraumes.

Der Bologna-Prozess hat den Riksdag dazu veranlasst, für die Ratifizierung der Lissabon-Konvention zu votieren, die die gegenseitige Anerkennung von ausländischen Studienabschlüssen vorsieht. Außerdem soll jeder Studierende mit Universitätsabschluss eine das Abschlusszeugnis ergänzende Erläuterung der Studieninhalte und-leistungen erhalten, die die Verwendung des Abschlusses im Zusammenhang mit weiteren Studien oder im Zusammenhang mit einer Anstellung im Ausland erleichtert.

Neue Struktur

Um sein Hochschulsystem an das europäische anzupassen, etablierte Schweden 2007 eine neue Struktur im Hinblick auf die Hochschulbildung und die Abschlüsse. Außerdem wurde mit den Bachelor-, Master- und Forschungszyklen ein System von drei aufeinander aufbauenden Hochschulbildungszyklen eingeführt. Das neue System ist kompatibel mit dem Europäischen System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS).

Auf der Website des Schwedischen Zentralamts für Höhere Bildung www.hsv.se finden Sie weitere Informationen über den Aufbau dieses Systems.

Mehr finanzielle Mittel

Die finanziellen Mittel, die den schwedischen Hochschuleinrichtungen für Forschung und Lehre im Hinblick auf das Forschungsniveau zuflossen, beliefen sich 2009 auf fast 30 Milliarden SEK und lagen damit 1,9 Milliarden SEK bzw. 7 Prozent über den Zuwendungen des Vorjahres.

Diese Erhöhung erklärt sich vor allem dadurch, dass die Regierung im Verlauf der Vierjahresperiode 2009 bis 2012 erheblich mehr Forschungsgelder bereitstellte. Aber auch die Zuwendungen anderer Träger nahmen in ähnlichem Maß zu.

Die EU beteiligte sich ebenfalls mit höheren Beträgen als früher. Die Institutionen im Bereich der Hochschulbildung erhielten 2009 EU-Mittel in Höhe von ungefähr 1,3 Milliarden SEK.

Größere Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E)

Schweden hat nicht nur das Ziel, zu den führenden Nationen im Bereich der Forschung und zu den F&E-stärksten Ländern der Welt zu gehören, sondern will Forschung sowohl breit als auch spezialisiert anlegen.

Schweden steckt fast 4 Prozent (ungefähr 1 100 USD pro Kopf) seines BIPs in die Forschung und Entwicklung und hat damit die Nase in mehreren Bereichen ganz vorn. Einer dieser Bereiche ist die Umwelttechnologie und hier insbesondere spezielle Verfahren im Hinblick auf Emissionen und giftige Substanzen, die bei Produktionsprozessen anfallen. Schweden hat außerdem in der Nanotechnologieforschung Expertenwissen auf höchstem Niveau. In diesem Bereich sind bedeutende schwedische Unternehmen wie ABB, Sandvik und Höganäs inzwischen Marktführer.

Um Schwedens Position im Wettbewerb zu verbessern, tätigt die Regierung in den Jahren 2009 bis 2012 bedeutende Investitionen in die Bereiche Forschung und Innovation. Rund 110 Milliarden SEK sind für diesen Zweck bereitgestellt.

Mit 75 Prozent finanzieren Unternehmen den Löwenanteil im Hinblick auf die schwedische Forschung, während die Regierung die meisten Mittel für die Forschung an den Hochschuleinrichtungen bereitstellt. Neben direkten Zuschüssen stellen Gelder von Forschungsräten und anderen Ämtern die wichtigste staatliche Finanzierungsquelle für den Bereich Forschung dar.

Es gibt vier Regierungsbehörden, die vor allem Forschungsaktivitäten finanzieren:

Schwedischer Forschungsrat. Stellte 2009 ungefähr 4 Milliarden SEK für die Forschung im Bereich Naturwissenschaften, Technologie, Medizin, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften zur Verfügung.

www.vr.se

Formas, Schwedischer Forschungsrat für Umwelt, Agrarwissenschaften und Raumplanung. Stellte 2009 circa 850 Millionen SEK für die Forschung in eben diesen Bereichen bereit.

www.formas.se

FAS, Schwedischer Rat für Arbeits- und Sozialforschung. Stellte 2009 circa 400 Millionen SEK für die Forschung in den Bereichen Arbeitsmarkt, Arbeitsorganisation, Arbeit und Gesundheit, Gesundheitswesen und soziale Beziehungen bereit.

www.fas.se

VINNOVA, Schwedisches Zentralamt für Innovationssysteme. Stellte 2009 circa 1,4 Milliarden SEK vorwiegend für die Forschung in den Bereichen Technologie, Transport, Kommunikation und Arbeitsleben bereit.

www.vinnova.se

Außerdem gibt es eine Reihe von Stiftungen, die einen wichtigen ergänzenden Beitrag zu den staatlichen Zuwendungen leisten. 2009 stellten private Stiftungen circa 1,3 Milliarden SEK an Forschungsgeldern bereit. Die bedeutendsten sind:

www.stratresearch.se SSF, Stiftung für strategische Forschung

www.mistra.org Mistra, Stiftung für strategische Umweltforschung

www.kks.se Stiftung für Wissens- und Kompetenzentwicklung

www.ostersjostiftelsen.se Stiftung für baltische und osteuropäische Studien

www.vardal.se Vårdal-Stiftung

www.stint.se STINT, Stiftung zur Internationalisierung der Hochschulbildung und Forschung

1 SEK (Schwedische Krone) = 0,15 USD bzw. 0,11 EUR (Januar 2011)


Herausgeber: Schwedisches Institut

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