
Schwedens Abschussbasis für Weltraumraketen befindet sich im lappländischen Kiruna – der nördlichen Position und der guten Erreichbarkeit wegen. Foto: Bengt af Geijerstam/Scanpix
Millionen Herzen auf dem Globus schlagen mit Hilfe eines Herzschrittmachers. Kerzen werden mit Sicherheitsstreichhölzern angezündet. Unzählige Leben wurden bisher durch den Dreipunktgurt gerettet. Und das sind nur einige wenige Beispiele für wegweisende schwedische Innovation. Der von der Europäischen Union veröffentlichte Leistungsanzeiger Innovation Union Scoreboard 2010 stufte Schweden als führendes Innovationsland innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten ein – nicht zuletzt wegen seiner langen Tradition als Land der Erfinder, seinem Bekenntnis zur Gleichberechtigung und seinem starken Glauben an das Individuum.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstituten und dem privaten sowie dem öffentlichen Sektor ist ein weiterer Schlüsselfaktor für den Erfolg global agierender schwedischer Unternehmen wie AstraZeneca, Ericsson und Volvo. Innovation ist verzahnt mit Forschung und Entwicklung. Mit F & E-Investitionen von 3,6 Prozent des BIPs (Stand 2009) steht Schweden mit zwei anderen Ländern an der europäischen Spitze. Der Vergleich mit dem EU-weiten Ziel von 3 BIP Prozenten macht deutlich, dass Schweden auch hier der Spielmacher ist.
Innovationskapazitätsindex
Jedes Jahr erstellt die Harvard Business School den National Innovation Capacity Index, eine Studie über das Innovationspotenzial etlicher Länder. Von 173 Staaten rangierte Schweden 2010 an achter Stelle. Im Hinblick auf die Anzahl ausgebildeter Ingenieure pro Kopf der Bevölkerung schaffte es Schweden hinter Japan auf Platz 2. Nach dieser Studie ist die Anzahl der Patente pro Kopf der Bevölkerung in den vergangenen 15 Jahren in Schweden am zweitschnellsten gewachsen.
Lesen Sie die ganze Studie unter:
www.isc.hbs.edu/Innov_9211.pdf
Globaler Innovationsindex
Der von der INSEAD Business School erstellte Global Innovation Index 2011 setzte Schweden erneut auf Platz zwei. Der Index bewertet, inwieweit die Infrastruktur eines Landes ein kreatives Umfeld für Innovationen fördert, wobei er auch den Innovationsoutput berücksichtigt.
Schweden ist sowohl beim Output als auch beim Input stark. Die Stärke des Outputs zeigt sich an einer großen Zahl veröffentlichter Forschungsarbeiten und Fachbeiträge sowie an vielen eingetragenen Patenten. Das stabile politische Klima und die hervorragende Bildungsqualität werden als gute Inputbasis gewertet.
Die schwedische Regierung konzentriert sich bei den strategischen Investitionen auf drei Schlüsselbereiche: Medizin und Biowissenschaft, Technologie und Klima.
Schweden tut sich besonders in der Biotechnologie hervor. Arzneimittel zählen zu den wichtigsten Exportgütern des Landes, und zu den medizinischen Innovationen aus Schweden gehören die Asthmamedikamente Bricanyl und Pulmicort, das Wachstumshormon Genotropin sowie das Magengeschwürmittel Losec, eine der meistverkauften Arzneien der Welt.
Geforscht wird nicht nur bei den Pharmariesen AstraZeneca und Pharmacia/Pfizer, auch viele kleinere Biotechnologieunternehmen führen Forschungsprogramme durch. Eines der wichtigsten Interessensgebiete ist die Gesundheit. Hier steigt unter anderem die Nachfrage nach medizinischen Produkten und Instrumenten wie Geräte für bildgebende Verfahren, orthopädische Implantate, Dialysegeräte, Herz-Lungen-Maschinen und EKG-Geräte sowie der Bedarf an Laboranalysen für Arzneimittel besonders rasant.
Auch die Mikroelektronik stellt einen Wachstumsmarkt dar. Schweden ist führend in den Forschungsbereichen silikonbasierte Komponenten, Hochgeschwindigkeits- und organische Elektronik, Photonik und Systemdesign.

Das Thoraxkompressionssystem Lucas ist ein schwedisches Medizinprodukt. Foto: Jolife AB
Die Genies von morgen
Um das Interesse der jungen Leute für Technologie und unternehmerisches Denken zu fördern, arbeiten schwedische Schulen mit einer Reihe von Organisationen zusammen. Hier drei Beispiele:
Finn upp
Finn upp kombiniert eine pädagogische Methode, die das Entdecker- und Forscherinteresse fördert, mit Schwedens größtem Forscherwettbewerb für Jugendliche der Klassen 6 bis 9. Der alle drei Jahre stattfindende Wettbewerb zielt darauf ab, junge Ideen voranzutreiben und die neue Generation der Erfinder, Neuerer und Unternehmer zu inspirieren. Finn upp wurde 1979 von der Berufsorganisation der Ingenieure Ingenjörsamfundet gegründet.
www.finnupp.se
Ung Företagsamhet
Die gemeinnützige Organisation Ung Företagsamhet („Junger Unternehmergeist“) kooperiert mit schwedischen Schulen. Schüler im Alter zwischen 16 und 20 haben im Rahmen des Unterrichts Gelegenheit, während des Schuljahrs ihr eigenes Unternehmen zu leiten. Eine Studie zeigt, dass 8 von 10 Teilnehmern glauben, etwas über Geschäftsführung gelernt zu haben. Außerdem geben sie an, dass sie selbstbewusster geworden sind und besser Entscheidungen treffen, Probleme lösen und mit anderen Menschen zusammenarbeiten können.

Ein gegabelter Strohhalm – einer von vielen „Geistesblitzen“ von Snilleblixtarna. Illustration: Sanna Rosén
Snilleblixtarna
Der gemeinnützige Verein Snilleblixtarna („Geistesblitze“) wendet sich an Kinder von der Vorschule an bis zur 5. Klasse mit dem Ziel, das Interesse der Kinder für Technologie, Naturwissenschaften und Unternehmensführung zu stärken. Snilleblixtarna stattet Lehrer und Erzieher mit Unterrichtsmaterial aus und vermittelt ihnen didaktische und methodische Ansätze, mit deren Hilfe sie die Neugier der Kinder, ihren Spaß am Lernen und ihre Fähigkeit zu kritischem Denken stimulieren können.
Langfristiges Netzwerken
Schweden verfügt über ein großes Netzwerk öffentlicher und privater Organisationen bzw. Unternehmen und Institutionen der akademischen Welt.
Die Netzwerkpartner wollen neue Produkte, Dienste und Prozesse entwickeln, die langfristig zum nachhaltigen Wachstum beitragen. Einige Beispiele:
• Die Stiftung für Wissens- und Kompetenzentwicklung (KK-stiftelsen) will die Wettbewerbsfähigkeit stimulieren, indem sie gute Voraussetzungen für Innovation und Kreativität fördert und die Verbindung zwischen der akademischen Welt und der gewerblichen Wirtschaft stärkt.
• Die Schwedische Stiftung für strategische Forschung (SSF) ist eine unabhängige Organisation, die Forschung in den Bereichen Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin unterstützt.
• Das Schwedische Zentralamt für Innovationssysteme (Vinnova) fokussiert auf Innovationen in direktem Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung und hier besonders auf die Gebiete Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), Biotechnologie, Arbeitsweltentwicklung, Materialien, Transport und Produktrealisierung.
• Das Schwedische Amt für wirtschaftliches und regionales Wachstum (Tillväxtverket) ist eine Regierungsbehörde, deren Ziel es ist, in Schweden das Unternehmenswachstum und nachhaltige, konkurrenzfähige Unternehmen und Branchen zu fördern.

Seit seiner Markteinführung im Jahr 1959 hat der von Nils Bohlin erfundene Dreipunktgurt weltweit schätzungsweise alle sechs Minuten ein Menschenleben gerettet. Der Dreipunktgurt gilt als eine der wichtigsten Innovationen in Sachen Autosicherheit überhaupt.
Foto: Johan Willner/Johnér
Andere schwedische Innovationen
Ein Solarsystem der besonderen Art
Weltweit stirbt alle 15 Sekunden ein Kind wegen kontaminierten Wassers. Solvatten ist eine Wasseraufbereitungsanlage für Zuhause, die kontaminiertes Wasser biologisch mit Hilfe der Sonne reinigt. Der tragbare 10-Liter-Behälter ist eine patentierte Erfindung, die Wirksamkeit der Anlage ist wissenschaftlich nachgewiesen. Nach 2 bis 6 Stunden an einem sonnigen Ort kann das Solvatten-Wasser getrunken werden; ein Indikator zeigt an, wenn das Wasser genießbar ist. Solvatten kann außerdem als solar betriebener Wasserkocher benutzt werden, der Wasser zum Kochen oder Putzen erhitzt.
www.solvatten.se
Ocean Search
Das auf Segler ausgerichtete Projekt Ocean Search verbindet anspruchsvolle Technologie mit sozialen Netzwerken. Die Idee ist, eine Flotte von Booten mit Sensoren zur Messung der Wasserqualität auszurüsten. Über die gemeinschaftlich gesammelten Kohlendioxid- und pH-Werte kann der Zustand unserer Ozeane besser ermittelt werden. Der erste Prototyp für private Boote wurde im Sommer 2011 auf dem Boot Journeyman angebracht.
www.oceansearch.org
Globaler Standard bei der Beförderung
Global Positioning & Communication nutzt eine Kombination von GPS und VHFDatenfunk, um die jeweils eigene GPS-Position, Geschwindigkeit und Richtung eines Flugzeugs oder Schiffs sowie diejenigen benachbarter Fahrzeuge anzuzeigen. Das System ist eine Erfindung von Hakan Lans, der auch den Farb-Grafik-Prozessor und das Vorläufergerät der Computermaus schuf.
www.gpc.se
Sichere Hygienelösung
Mehr als 2,6 Milliarden Menschen, also rund 40 Prozent der Weltbevölkerung, haben keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung. Das Unternehmen Peepoople AB wurde gegründet, um die Peepoo-Hygienelösung (Patenterteilung noch ausstehend) zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben. Peepoople hat es sich auf die Fahnen geschrieben, mit hygienischen, sicheren und menschenwürdigen Lösungen die Gesundheit und Lebensqualität der Unterprivilegierten zu verbessern.
www.peepoople.com
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Foto: Peepoople |
Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
Dezember 2011
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