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Okt 7, 2005

Der bekannteste Preis der Welt:
Der Nobelpreis

von: Ingmarie Froman, freischaffende Journalistin
Möchten Sie weltberühmt werden? Dann sollten Sie versuchen, den Nobelpreis zu gewinnen! Dies ist der sicherste – wenn auch nicht gerade der einfachste – Weg zum schnellen Berühmtwerden. Danach werden alle auf Sie hören und sich in Ihrem Glanz sonnen wollen. Zudem wird man reich dabei.

Chemie-Nobelpreisträger Roderick MacKinnon verbeugt sich nach der Überreichung des Nobelpreises durch König Carl XVI. Gustaf im Rahmen der Preisverleihung am 10. Dezember 2003. Foto: www.imagebank.sweden.se, Henrik Montgomery / Pressens Bild
Chemie-Nobelpreisträger Roderick MacKinnon verbeugt sich nach der Überreichung des Nobelpreises durch König Carl XVI. Gustaf im Rahmen der Preisverleihung am 10. Dezember 2003. Foto: www.imagebank.sweden.se, Henrik Montgomery / Pressens Bild

Dem bekanntesten Preis der Welt wohnt mittlerweile ein Zauber inne, von dem der Stifter, der schwedische Erfinder Alfred Nobel (1833–1896), nichts ahnen konnte, als er 1895 sein Testament verfasste.

Vielleicht würde Nobel ja mit Schrecken auf den Wirbel und den globalen Medienzirkus blicken, den der von ihm gestiftete Preis jeden Herbst verursacht. Selbst war er nämlich ein rastlos arbeitender und zurückhaltender Mann. Mit seiner Stiftung sollten an erster Stelle Leistungen, „die von größtem Nutzen für die Menschheit sind“, belohnt werden.

Alfred Nobel wurde 1833 in Stockholm geboren. Im Alter von neun Jahren zog er mit seiner Familie nach Sankt Petersburg. Der Vater, Erfinder von Beruf, hatte dort ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut.

Die Söhne folgten dem Vorbild des Vaters. Alfreds Brüder machten in Baku (Aserbaidschan) Ölquellen nutzbar und dominierten nach einer Weile die europäische Ölindustrie, während Alfred einer der einfallsreichsten Erfinder und Industriellen der Welt wurde.

Nach 1860 kehrte Alfred Nobel nach Schweden zurück, wo er mit dem Experimentieren fortfuhr – einige Male zu einem hohen Preis, wie etwa 1864, als anlässlich einer Explosion in Stockholm sein Bruder und mehrere Mitarbeiter ums Leben kamen. 1866 gelang es Nobel schließlich, einen Sprengstoff zu entwickeln, der ohne allzu große Risiken gehandhabt werden konnte. Er taufte die neue Erfindung Dynamit.

Das Dynamit machte ihn sowohl berühmt als auch wohlhabend. Doch damit begnügte sich Alfred Nobel noch nicht. Er gründete ein Imperium mit Unternehmen in Schweden und in über einem Dutzend anderer Länder und setzte seine Laborversuche fort. Bei seinem Tod 1896 war er im Besitz von 355 unterschiedlichen Patenten, unter anderem für die Herstellung von Kunstseide.

„Europas reichster Vagabund“

Alfred Nobel war ein typischer und gleichzeitig auch ein untypischer Vertreter seiner Zeit. Er war ein „Wissenschaftsoptimist“, der an der technischen Revolution des 19. Jahrhunderts mitwirkte, und bekannte sich zum Internationalismus in einer Epoche, da der Nationalismus und der Patriotismus in Europa zunahmen. Nobel sah sich selbst als Weltenbürger, und der französische Schriftsteller Victor Hugo nannte ihn „Europas reichsten Vagabunden“. Er beherrschte fünf Sprachen: Schwedisch, Russisch, Französisch, Deutsch und Englisch, liebte Literatur und schrieb selbst „für die Schublade“.

Alfred Nobel (1833-1896), der Erfinder des Dynamits, setzte sein Vermögen zur Finanzierung des Nobelpreises ein. Mit seiner Stiftung wollte er vor allem Leistungen belohnen, „die der Menschheit von größtem Nutzen sind". Foto: www.imagebank.sweden.se, Gösta Florman / The Royal Library
Alfred Nobel (1833-1896), der Erfinder des Dynamits, setzte sein Vermögen zur Finanzierung des Nobelpreises ein. Mit seiner Stiftung wollte er vor allem Leistungen belohnen, „die der Menschheit von größtem Nutzen sind". Foto: www.imagebank.sweden.se, Gösta Florman / The Royal Library

Kinderloser Millionär

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Alfred Nobel in Frankreich und Italien. Er starb am 10. Dezember 1896 unverheiratet und kinderlos in der italienischen Stadt San Remo. Die Verwandtschaft erwartete nun natürlich, das grosse Erbe untereinander aufteilen zu dürfen.

Doch zum Erstaunen aller vermachte Nobel seine ganze Hinterlassenschaft einer Stiftung, die noch heute seinen Namen trägt: der Nobelstiftung. Die Schenkung belief sich zum damaligen Geldwert auf knapp 32 Millionen schwedische Kronen (ca. 3,5 Millionen Euro). Gemäss Alfred Nobel sollten die Zinsen in Form eines jährlichen Preises an Personen verteilt werden, welche mit Erfindungen im Bereich der Physik, der Chemie, der Medizin, der Literatur und der Friedensarbeit „der Menschheit grössten Nutzen gebracht“ hätten.

Im Prinzip kann der Nobelpreis an jedermann vergeben werden – ein sensationeller Gedanke am Ende des 19. Jahrhunderts. Nobels Verwandtschaft protestierte und versuchte, das Testament für ungültig erklären zu lassen. Doch genau fünf Jahre nach seinem Tod, am 10. Dezember 1901, fand die erste Nobelpreisvergabe in Stockholm und Oslo statt. Alfred Nobel hatte festgelegt, dass der Friedenspreis jeweils in Oslo und die übrigen vier Preise in Stockholm zu verleihen seien, da Schweden und Norwegen zum Zeitpunkt der Testamentsverfassung noch in der Schwedisch-Norwegischen Union vereint waren, welche erst 1905 aufgelöst wurde.

Nach Schwierigkeiten in den Anfangsjahren wuchs das Ansehen des Nobelpreises rasch. Heute werden die Namen sämtlicher sogenannten Laureaten jeweils im Oktober, also etwa zwei Monate vor der Preiszeremonie am 10. Dezember, bekannt gegeben. Die Empfänger des Physik- und Chemiepreises werden von der Königl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften und der Preisträger im Bereich der Medizin vom Karolinska Institutet in Stockholm ausersehen. Die Schwedische Akademie ist für die Wahl des Literaturpreisträgers verantwortlich, während der Friedensnobelpreis vom Nobelkomitee des norwegischen Parlamentes in Oslo vergeben wird. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist eigentlich kein „richtiger“ Nobelpreis, sondern wurde erst 1968 von der Schwed. Nationalbank zum Andenken an Alfred Nobel gestiftet. Dieser sechste Preis wird zusammen mit den übrigen Preisen verliehen.

Globaler Medienzirkus

Wenn sich im Oktober eine auserwählte Schar über die zugesprochenen Auszeichnungen freut, hat einen Monat zuvor bereits die Nominierung der möglichen Preisträger für das folgende Jahr begonnen. Akademien und Universitäten in Schweden und im Ausland sowie ehemalige Nobelpreisträger dürfen Vorschläge einreichen. Wer sich selbst vorschlägt, wird disqualifiziert. Es werden in der Regel zwischen 200 und 350 Kandidaten per Preis nominiert, die Anzahl Nominierungen für den Friedensnobelpreis liegt meistens unter 200.

Die Bekanntmachung der Preisträger im Oktober erregt in den weltweiten Medien grösseres Aufsehen als das eigentliche Fest am 10. Dezember. Redaktionen in der ganzen Welt präsentieren ausführlich die Nobelpreisträger und ihre Einsätze.

„Nobel ist der stärkste Name, den wir in Schweden haben“, meint ein vielgereister schwedischer Diplomat. Das Interesse für Alfred Nobel und seine Schenkung ist heutzutage bedeutend grösser als im Jahr 1901. Die Homepage der Nobelstiftung, wo unter anderem Dokumentationen über die Preisträger und sämtliche Nobelvorlesungen seit 1901 zu finden sind, wird jedes Jahr von etwa 18 Millionen Lesern besucht. Die Weltpresse steht Schlange für Interviews, sobald die Laureaten bekannt gegeben worden sind, und der britische Fernsehkanal BBC zeichnet jeweils während der Nobelwoche im Dezember eine Diskussionsrunde auf, an der alle Preisträger teilnehmen und dringliche, fächerübergreifende Fragen behandeln. 

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Ingmarie Froman ist freiberufliche Journalistin und war früher für das schwedische Radio und Fernsehen Auslandskorrespondentin in Brüssel und Paris.

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein die Autorin verantwortlich.

Übersetzung: Eva Maria Hux

Klassifizierung: A116TYa

© Fotos:
Foto 1: www.imagebank.sweden.se, Henrik Montgomery / Pressens Bild
Foto 2: www.imagebank.sweden.se, Gösta Florman / The Royal Library


 

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