20. Sep. 2005
Keine andere nordische Sprache zählt im Ausland mehr Studenten als Schwedisch. Das Bild von Schweden lockt viele, mehr zu erfahren – sowohl im jeweiligen Heimatland als auch in Schweden selbst. Lernen Sie Danilo kennen, der in Zagreb Schwedisch studiert und lesen Sie mehr über die schwedische Sprache in der Welt.

Danilo Brozovic aus Zagreb ist einer von 40 000 Menschen in der Welt, die Schwedisch lernen.
Schwedische Krimis haben eine sehr menschliche Seite. Die Filme über Kurt Wallander und Martin Beck waren Danilo Brozovics erster Kontakt mit Schweden. Er mochte die Kommissare sehr. „Sie haben Angst, genau wie gewöhnliche Menschen; sie sind nicht wie die amerikanischen Polizei-Superhelden. Ich war fasziniert von ihnen und von Schweden, und schließlich fand ich ein Buch und begann, Schwedisch zu lernen“, erzählt er.
Neben seiner Arbeit im Marketingbereich studiert Danilo heute Schwedisch an der Universität in Zagreb, Kroatien.
Gebührenfreies Studium und Stipendien
Schweden ist ein kleines Land, und unter den Sprachen der Welt liegt Schwedisch von seiner Verbreitung her auf dem 90. Platz. Nicht weniger als 40 000 Studenten in 40 Ländern studieren Schwedisch auf Hochschulniveau. Seit der Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991 ist das Interesse für Schwedisch in Russland und den osteuropäischen Staaten förmlich explodiert. Für diese Studenten gibt es eine Vielzahl von Stipendien und Möglichkeiten finanzierter Teilstudien in Schweden. Die Hochburgen des Schwedischunterrichts im Ausland sind aber auch weiterhin Finnland, die USA und Deutschland.
Die freundliche, trällernde Sprache
Schwedisch klingt wie Gesang. Jedenfalls in den Ohren von Ausländern. Die Sprache wird oft als melodisch beschrieben; mit steigender und fallender Intonation, in Schwung gebracht durch die vielen Vokale.
Demjenigen, der Schwedisch liest, ohne es zu verstehen, fallen die Buchstaben å, ä und ö ins Auge. Diese teilweise speziellen Buchstaben, die zwar auch in anderen Sprachen existierenden Lauten entsprechen, können schwer zu lesen sein.

Das schwedische Alphabet hat 28 Buchstaben und endet mit Å, Ä und Ö.
„Einen interessanten Bestandteil der schwedischen Sprache bilden die Flüche. Sie sind extrem schwach und kraftlos. Wenn ich Schweden fluchen höre, klingt das in meinen Ohren wie eine Verniedlichung von Schimpfwörtern“, sagt Danilo Brozovic.
Die schwedische Sprache ist in der Europäischen Union für ihre kurzen und distinkten Sätze bekannt. In Schweden gibt es eine Tradition, die Ausdrucksweise von Behörden ständig in Frage zu stellen, und Bestrebungen, Texte auf einem verständlichen Niveau zu halten.
Aber es sind wohl kaum einfache Formulare und klare Informationen über die schwedische Gesellschaft, die ausländische Studenten zu den Schwedischkursen locken. Schweden vermittelt Sprachlehrer an ausländische Universitäten, und möglicherweise lässt sich die Tatsache, dass Schwedisch die meiststudierte nordische Sprache im Ausland ist, damit erklären, dass die Anstrengungen Schwedens breiter angelegt waren und mehr Universitäten und Hochschulen erreicht wurden.
Diejenigen, die im Ausland Schwedisch unterrichten, lehren nicht nur die Konjugation der Verben, sondern agieren in vielfacher Hinsicht als wichtige Vermittler alles Schwedischen. Sie werden von schwedischer Seite ermuntert, Filmfestivals, Lyriklesungen, Schwedenwochen und andere Veranstaltungen zu organisieren.
Schreibwettbewerb zum Thema Schwedenbild
„Als ich begann, Schwedisch zu lernen, hatte der Film Raus aus Åmål (Fucking Åmål) in Kroatien Kultstatus. Früh entdeckte ich Bergman, und schwedische Musik mag ich besonders. The Hives, The Hellacopters und ABBA sind heute Klassiker, und es gibt viele andere gute Bands“, sagt Danilo Brozovic.
Er gehörte zu den ausländischen Studenten, die sich am vom Schwedischen Institut veranstalteten Schreibwettbewerb beteiligten. Dabei bestand die Aufgabe darin, Schweden aus der Sicht eines Außenstehenden zu beschreiben, ohne in die am häufigsten benutzten Klischees zu verfallen. Danilo erreichte mit der Novelle Sandlek (‚Sandspiel‘), in der er seinen ersten Besuch in Schweden schildert, einen zweiten Platz.

Dunkle Wälder, rote Häuser, ABBA und IKEA? In der Anthologie „Ett land du aldrig sett“ (Ein Land, das du nie gesehen hast) beschreiben Schwedischlernende aus der ganzen Welt ihr Schwedenbild.
Im Ergebnis des Wettbewerbs wurde einer Auswahl der besten Beiträge unter dem Titel Ett land du aldrig sett (‚Ein Land, das du nie gesehen hast‘) als Buch herausgegeben. Es zu lesen ist interessant; viele kleine Beobachtungen bilden zusammen ein Puzzle dessen, was als typisch schwedisch bezeichnet werden könnte. So ist beispielsweise ein Teilnehmer davon fasziniert, dass die Fußgänger in der Verkehrshierarchie an erster Stelle stehen; in welchem anderen Land ist das schon so? Man kann in Schweden am Fußgängerüberweg einfach die Straße betreten und davon ausgehen, dass die Autos anhalten. Ein anderer ist begeistert von Begriffen wie „fredagsmys“ (‚gemütlicher Freitagabend zu Hause‘) und „människovänlig“ (menschenfreundlich), ein dritter hat festgestellt, dass sich viele im Alter von 50 Jahren scheiden lassen und ein vierter beschreibt die Unmengen Kaffee, die in Schweden getrunken werden. Kaffeepause alle zwei Stunden – wie soll man da etwas schaffen?
Schwedischkurse im Internet
Nunmehr kann man mit Hilfe eines Internetkurses in Regie des Schwedischen Instituts auch selbstständig Schwedisch lernen. Es handelt sich hierbei um den EU-Kurs Lingua2 Schwedisch für Anfänger, ausgehend von den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch oder Niederländisch. Der Webkurs Schwedisch ist von der Europäischen Kommission als „best project and best practice“ ausgezeichnet worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Josefin Olevik ist freischaffende Journalistin. Sie arbeitet zurzeit als Redakteurin bei der Zeitung Turist und kombiniert diese Arbeit mit Kulturreportagen unter anderem für die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter.
Für den Inhalt dieses Artikels ist allein die Autorin verantwortlich.
Übersetzung: Grit Thunemann
Klassifizierung: A111TYa
Weiterführende Links
Publikationen zum Thema
Copyright : © Dieser Text wurde vom Schwedischen Institut (SI) auf der Homepage
www.sweden.se veröffentlicht. Sämtliches Material auf dieser Seite unterliegt dem schwedischen Urheberrecht und darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung des
webmaster@sweden.se nicht vervielfältigt, übertragen, gezeigt, veröffentlicht oder ausgestrahlt werden. Die Verwendung von Fotos und Illustrationen in anderen Zusammenhängen ist nicht gestattet.
Weitere Informationen zu Urheberrecht und Genehmigungen.