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Ausbildung
 
Jan 9, 2009

Ist Schwedisch cool?

von: Madeleine Berggren, Lucas Ersson, Viktor Granström, Linda Nilsson and Emelie Sun
Schwedisch ist eine relativ kleine Sprache. Aber Schwedisch ist angesagt, und immer mehr Nicht-Schweden wollen die Sprache lernen. Wie denken junge Schweden über ihre Muttersprache? Sweden.se beauftragte Jungjournalisten damit, das herauszufinden.
Madeleine Berggren, Lucas Ersson und Emelie Sun sind drei der Reporter, die der Frage nachgingen, welches Verhältnis junge Schweden zu ihrer Sprache haben. Madeleine Berggren, Lucas Ersson und Emelie Sun sind drei der Reporter, die der Frage nachgingen, welches Verhältnis junge Schweden zu ihrer Sprache haben. Madeleine Berggren, Lucas Ersson und Emelie Sun sind drei der Reporter, die der Frage nachgingen, welches Verhältnis junge Schweden zu ihrer Sprache haben.

Madeleine Berggren, Lucas Ersson und Emelie Sun sind drei der Reporter, die der Frage nachgingen, welches Verhältnis junge Schweden zu ihrer Sprache haben. Foto: Cumulus

Wie die meisten anderen Sprachen entwickelt sich auch Schwedisch ständig weiter. In den letzten Jahren hat sich der Sprachgebrauch als Folge neuer Kommunikationsformen wie SMS und Chat verändert. Aber natürlich wird das Schwedische auch stark von der „Weltsprache“ Englisch beeinflusst.

Die meisten schwedischen Jugendlichen mögen ihre Muttersprache und betrachten sie als Teil ihrer Identität. Trotzdem greift „Schwenglisch“ bei der jüngeren Generation immer mehr um sich. Viele junge Leute finden, dass ihnen das Englische eine größere Bandbreite an Wörtern liefert als das Schwedische, und übernehmen deshalb gern englische Wörter und Ausdrücke.

In diesem Zusammenhang spielt die Allgegenwart der angelsächsischen Kultur eine wichtige Rolle. Viele junge Schweden hören lieber englische als schwedische Musik. Außerdem sind die Schweden ständig in Kontakt mit der englischen Sprache, weil Filme und Fernsehserien in Schweden nicht synchronisiert werden.

„Ich glaube, dass Englisch in der gesprochenen Sprache immer normaler wird. Aber das schwedische Sprachfundament wird deshalb wohl nicht untergraben, vor allem nicht in der Schriftsprache“, sagt der 17-jährige Per stellvertretend für viele junge Leute.

Die ebenfalls 17 Jahre alte Sofia ergänzt: „Schwedisch ist auf die nordischen Länder begrenzt. Und sehr wahrscheinlich wird Schweden zukünftig noch stärker internationalisiert.“

Schwenglisch

Der Sprachprofessor Sture Allén teilt Sofias Meinung. Er unterstreicht, wie wichtig Englischkenntnisse für die Schweden sind, um mit dem Rest der Welt zum Beispiel in geschäftlichen Zusammenhängen kommunizieren zu können. Allén hatte das Amt des Ständigen Sekretärs der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften inne, die durch die regelmäßige Herausgabe eines Wörterbuchs darüber entscheidet, welche Wörter zum offiziellen schwedischen Wortschatz gehören. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften bestimmt auch jährlich den Träger des Literaturnobelpreises.

Was Sprachprofessor Sture Allén nicht über das Schwedische weiß, ist nicht wert, gewusst zu werden. Foto: Mark Earthy/Scanpix
Was Sprachprofessor Sture Allén nicht über das Schwedische weiß, ist nicht wert, gewusst zu werden. Foto: Mark Earthy/Scanpix

Allén betont, dass es keinerlei Belege dafür gebe, dass das Englische das Schwedische verdrängt. In der Vergangenheit wurde das Schwedische zum Beispiel von verschiedenen Varianten des Deutschen beeinflusst. Gleichwohl sei die schwedische Sprache erhalten geblieben, weil die Schweden ihren überlieferten Wortschatz bewahrten und die neuen Wörter im Hinblick auf die Grammatik und die Aussprache assimilierten.

Obwohl die schwedische Sprache also ganz natürliche Veränderungen durchmachte, wurden die Lehnwörter angepasst und „verschwedet“. So wird „Email“ auf Schwedisch oft „mejl“ geschrieben oder in „E-Post“ verwandelt, und „bug“ wurde zu „bugg“. Aber auch ganz neue Mischformen nisteten sich in der gesprochenen Sprache ein, so zum Beispiel „deleata“ (deleaten), „scrolla“ (scrollen) und „peaka“ (peaken) für das englische „to deleat“, „to scroll“ und „to peak“. 

Chatslang und Netzjargon

Beim Simsen und Chatten ist Zeit ein wichtiger Faktor, weshalb dort viele Abkürzungen verwendet werden. Auch das Bloggen beeinflusst die Sprache.

Viele finden das positiv und passend für die junge Generation. „Die SMS-Sprache ist ziemlich hip“, sagt der 17-jährige Moses. Aber so bequem und praktisch sie auch sein mag — einige Jugendliche befürchten, dass die SMS-Sprache sich doch negativ auf das Schwedische auswirken könnte.

„Lagom“ ist ein typisch schwedisches Wort. Kaum in andere Sprachen übertragbar, bedeutet es soviel wie „genau richtig“ oder „nicht zu groß und nicht zu klein“ bzw. „nicht zu viel und nicht zu wenig“.
„Lagom“ ist ein typisch schwedisches Wort. Kaum in andere Sprachen übertragbar, bedeutet es soviel wie „genau richtig“ oder „nicht zu groß und nicht zu klein“ bzw. „nicht zu viel und nicht zu wenig“. Illustration: Ana Esteban

Die ausgeprägte Saloppheit bei der neuen elektronischen Kommunikation beeinflusst auch den mündlichen Sprachgebrauch der Jugendlichen: „Ich flechte beim Reden automatisch englische Wörter und Slang-Ausdrücke ein, aber eigentlich sind die ziemlich unschön“, findet Per.

Jugendliche verwenden Slang-Ausdrücke zwar vor allem untereinander und selten gegenüber Erwachsenen. „Aber wer außerhalb Schwedens Schwedisch lernt, dürfte es trotzdem manchmal ziemlich schwer haben, bei der Ausdrucksweise vieler Jugendlicher mitzukommen“, meint die 16-jährige Victoria.

„Nicht die sprachliche Qualität von Büchern und Zeitungen“

So mancher Lehrer befürchtet, dass die Schriftsprache seiner Schüler negativ vom Slang und von der SMS- und Chat-Sprache beeinflusst wird. Die meisten Jugendlichen sind da allerdings anderer Meinung.

Die Schwedischlehrerin Åsa Sundin will nicht unbedingt behaupten, dass die SMS- und Chat-Sprache die Sprache an sich verändert: „Solange wir den Schülern beibringen, was richtig und falsch ist, werden die Jugendlichen sich wohl anpassen können und wissen, wann sie eine formellere Schriftsprache als beim Schreiben an Freunde verwenden müssen. Aber manchmal schleichen sich in der Tat bestimmte SMS- und Chat-Kurzformen in die Schüleraufsätze ein.“

„Die neuen Medien beinhalten ein großes Risiko“, sagt Professor Allén. „Die Bedeutung von Büchern und gedruckten Zeitungen schwindet. Und die Sprache, in der die Jugendlichen mehrheitlich lesen — die SMS-, Chat- und Blog-Sprache —, hat keinesfalls die Qualität der in Büchern und Zeitungen verwendeten Sprache.“ Allén befürchtet, dass dies langfristig zu einer sprachlichen Verarmung führt.

Viktor Granström und Linda Nilsson gehören zur redaktionellen Gruppe, die hinter diesem Artikel steht. Viktor Granström und Linda Nilsson gehören zur redaktionellen Gruppe, die hinter diesem Artikel steht.

Viktor Granström und Linda Nilsson gehören zur redaktionellen Gruppe, die hinter diesem Artikel steht. Foto: Cumulus 

Bewahren oder nicht bewahren, das ist hier die Frage

Ist die schwedische Sprache, wie wir sie heute kennen, überhaupt eine Sprache, die es zu erhalten lohnt? Immerhin soll in naher Zukunft ein neues Sprachgesetz in Kraft treten. Damit soll Schwedisch zur offiziellen Sprache Schwedens erklärt werden — interessanterweise war dies bisher so noch nicht festgeschrieben. Das Gesetz hat außerdem den Zweck, den Stellenwert der schwedischen Sprache aufrechtzuerhalten. Viele Jugendliche finden die Idee eines neuen Sprachgesetzes übrigens gut.

Allén zufolge macht das Schwedische einen wichtigen Teil der schwedischen Kultur und des schwedischen kulturellen Erbes aus. Deshalb sei es außerordentlich wichtig, die schwedische Sprache zu schützen.

Ganz anderer Meinung ist der bekannte schwedische Sprachwissenschaftler Fredrik Lindström. Er sagt: „Viele meinen, wir hätten die Verantwortung, die Sprache zu erhalten. Richtigerweise sollte man aber sagen, wir haben die Pflicht, sie zu verändern.“ Schließlich und endlich hängt also alles davon ab, mit wem man spricht …

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Madeleine Berggren, Lucas Ersson, Viktor Granström, Linda Nilsson and Emelie Sun

Die Verfasserinnen und Verfasser besuchen alle das Åva-Gymnasium bei Stockholm und schreiben für die Schülerzeitung „Cumulus“, die 2008 als beste schwedische Schülerzeitung die Auszeichnung „Lilla Journalistpriset“ gewann.

Madeleine Berggren lebte schon in aller Herren Länder, wohnt aber erst seit fünf Jahren in Schweden.

Lucas Ersson findet Gestaltung und Formgebung spannend. Das hässlichste schwedische Wort ist für ihn „korv“ (Wurst).

Viktor Granström verfasst gern Fantasy-Novellen, beherrscht aber auch die Kunst, für „Cumulus“ zum Thema Sprache zu schreiben.

Linda Nilsson fotografiert und schreibt für „Cumulus“. Sie malt und zeichnet mit Leidenschaft, lernt gern neue Menschen kennen und engagiert sich für gesellschaftliche Veränderungen.

Emelie Sun interessiert sich für Sprachen. Sie spricht Schwedisch, Chinesisch und Englisch. Ihr schwedisches Lieblingswort ist „horisont“ (Horizont).

www.cumulusweb.com

Für den Inhalt dieses Artikels sind allein die Autoren verantwortlich.

Klassifizierung: A274TY


 

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