21. Sep. 2007
Mit dem Beginn des neuen Schuljahres haben im Herbst viele Schüler die Wahl zwischen einer öffentlichen und einer privaten Bildungsstätte. Als Folge der Schulreform von 1992 steigt die Zahl der freien Schulen in Schweden — wie auch deren Beliebtheit.
In Schweden besuchen immer mehr Kinder eine freie Schule (friskola). Die Zahl der unabhängigen Schulen wächst sogar noch schneller als die Nachfrage.
Seit der Schulreform von 1992 können Eltern ihre Kinder in jede öffentliche oder private Schule schicken — und zwar, ohne Schulgebühren bezahlen zu müssen. Es ist gesetzlich festgelegt, dass Kinder unabhängig vom Geschlecht, vom ethnischen oder politischen Hintergrund und vom ökonomischen Status ihrer Familie das gleiche Recht auf Ausbildung haben. Über verschiedene Kontrollmechanismen wird dafür gesorgt, dass alle privaten und öffentlichen Bildungsstätten im Land dieselben Voraussetzungen haben.
Schulgebühren verboten
Freischulen — oft mit einem thematischen Fokus wie Religion, Kunst oder Sport — werden in Schweden zugelassen, sofern sie den nationalen Bildungsanforderungen entsprechen. Sobald sie vom Zentralamt für Kinderbetreuung, Schule und Erwachsenenbildung anerkannt sind, werden die Schulen staatlich finanziert. Die Bildungsstätten ist es nicht gestattet, Schulgebühren zu erheben, sie dürfen aber private Schenkungen annehmen.
Das wachsende Interesse an freien Schulen hat Konsequenzen, die ständig untersucht werden. Kritiker geben die Gefahr des unlauteren Wettbewerbs zwischen freien und traditionelleren kommunalen Schulen und der Schließung einiger kommunaler Bildungsstätten in der Folge zu bedenken. Aber zweifellos sorgt die Reform für eine schrittweise Übernahme alternativer Unterrichtsmethoden in das traditionelle schwedische Schulmodell.

Ausbildungsminister Jan Björklund will Vielfalt und gleichberechtigten Wettbewerb zwischen freien und öffentlichen Schulen. Foto: Kristian Pohl
Vielfalt bei gleichen Bedingungen
Ausbildungsminister Jan Björklund sagt: „Vielfalt und Wettbewerb in der Bildung sind gut, aber wir brauchen strenge Richtlinien, die die Qualität der Bildung für alle Kinder sicherstellen. Kürzlich wurde eine Kommission einberufen, die sich einzig der Schaffung gleicher Bedingungen für öffentliche und unabhängige Schulen widmet.“
Maj Dellström, Rektorin des Tibble Fristående Gymnasium in Täby nördlich von Stockholm, ist sich bewusst, dass die Anschauungen genauso vielfältig sind wie die Bildungsansätze. Tibble wurde kürzlich auf eine Gemeindeinitiative hin zu einer unabhängigen Schule. Die Beteiligung an der zuweilen hitzigen Debatte über die Privatisierung war rege, allerdings verlor die Bildungsstätte beim Übergang keinen einzigen ihrer 1 150 Schüler.
Dellström sagt: „Natürlich hatten wir Auseinandersetzungen, aber jetzt sind alle zufrieden, und auch die Zweifler geben der Schule eine Chance. Die Lehrer und die anderen Mitarbeiter bemühen sich, dass wir die Unabhängigkeit bestmöglich nutzen können.“
Dellström meint, der Wandel habe die Ausrichtung der Bildungsstätte kaum beeinflusst. Tibble Fristående Gymnasium, das sich als freie Schule mit internationalem Profil vermarktet, hat ein breites Fächerangebot.
Hauptsache Wissen
Nach dem schwedischen Schulgesetz müssen alle Schulen — kommunale ebenso wie freie — Gleichberechtigung, demokratische Werte sowie Respekt vor der Integrität des Individuums und der gemeinsamen Umwelt lehren und Stellung beziehen gegen Mobbing und Rassismus. Mit dem obersten Ziel des Wissensgewinnes und der Fähigkeit, das Wissen in die Praxis umzusetzen, werden Team- und Selbstführungsfertigkeiten gefördert.
Schweden ist ein Land, das bei der Verteidigung der Chancengleichheit schon immer eine Führungsrolle eingenommen hat. Aber wie können die Schüler bei der Vielfalt der pädagogischen Programme gleich ausgebildet werden? Ist nicht zu befürchten, dass das gute alte „Lesen, Schreiben, Rechnen“ bei Lerninhalten wie „Weltreligionen“ und „Architekturdesign“ in den Hintergrund rückt?
Magnus Johansson, Öffentlichkeitsreferent des Verbandes schwedischer Freischulen, glaubt das nicht: „Das Wichtigste ist nicht, allen Schülern das exakt selbe Wissen zu vermitteln, sondern vielmehr, die national definierten Ziele eines ‚Allgemeingutes‘ zu erreichen und gleichzeitig eine breite Ausbildungspalette zu bieten.“
Buntes Ausbildungsspektrum
Die Kernfächer und wichtigsten Bildungsziele sind in der Tat in nationalen Lenkungsdokumenten geregelt. Johansson sagt, dies sei „eine Chance für jeden Schüler, eine auf die eigenen Interessen zugeschnittene Ausbildung zu finden, die für eine bestimmte Hochschulbildung oder Arbeit qualifiziert“.
Ein Ende der Debatte „kommunale versus freie Schule“ ist noch lange nicht in Sicht. In der Zwischenzeit haben sich die Kinder mit dem Schulanfang schon einmal auf den Bildungs-Weg gemacht, der gepflastert ist mit Hoffnungen, Entdeckungen und vielen Wahlmöglichkeiten.
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Die Autorin und Journalistin Karyn McGettigan lehrte in Schweden, Frankreich und Kanada und machte innovative Unterrichts- und Lernmethoden zu ihrer Tradition.
Für den Inhalt dieses Artikels ist allein die Autorin verantwortlich.
Übersetzung: Stefanie Busam Golay
Klassifizierung: A212TY
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