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5. Mai. 2008

Treibende Kraft für die Wellenenergie

von: David Wiles
Hallo Wellenenergie, tschüss Emissionen: Im rauen Wasser vor der schwedischen Küstenstadt Lysekil bergen gigantische gelbe Schwimmkörper vielleicht eine Antwort auf die Frage, wie das Problem der Energieversorgung nachhaltig gelöst werden kann.

Die See um Schweden ist so rau, dass die Nutzung der Wellenenergie effizienter ist als die Nutzung von Solar- oder Windenergie.
Die See um Schweden ist so rau, dass die Nutzung der Wellenenergie effizienter ist als die Nutzung von Solar- oder Windenergie. Foto: Benny Ottoson / Maskot

Entwickler und Forscher auf der ganzen Welt grübeln über Möglichkeiten der Energiegewinnung ohne Treibhausgasemissionen. Im Schwedischen Zentrum für die Umwandlung erneuerbarer elektrischer Energie im Ångström-Laboratorium der Universität Uppsala arbeiten Forscher seit sechs Jahren an einer einzigartigen Wellenenergietechnologie. Jetzt kann sie in Produktion gehen.

Vertreter von Energiekonzernen, Akademiker und Beamte aus der ganzen Welt strömen zur Universität Uppsala, um zu erfahren, wie die schwedische Wissenschaftlergruppe sich die Energie der Meereswellen zu Nutze macht.

Meer und mehr Energie

Leiter der Forschungsabteilung ist Professor Mats Leijon, der als weltweit führende Autorität in Sachen Umwandlung erneuerbarer elektrischer Energie gilt. Leijon machte sich einen Namen, als er Forschungsleiter beim schwedisch-schweizerischen Industriegiganten ABB war. Seine bahnbrechende Arbeit bei der Generatorenentwicklung wurde in der Expertenwelt als Jahrhundertereignis gefeiert.

Leijon erklärt die Überlegenheit der Wellenkraft gegenüber anderen erneuerbaren Energiequellen mit fundamentalen physikalischen Prinzipien, von denen wir wohl alle schon einmal in der Schule gehört haben: „Energie ist das Integral der Leistung über die Zeit. Leistung ist also wichtig; wichtiger ist aber, lange Zeit über Leistung zu verfügen.“

Mats Leijon ist verrückt nach Leistung. Der schwedische Forscher fördert die Nutzung von Wellenenergie.
Mats Leijon ist verrückt nach Leistung. Der schwedische Forscher fördert die Nutzung von Wellenenergie. Foto: Anette Andersson

Während Solarenergie in Schweden jährlich etwa 1 000 und Windenergie rund 2 200 Stunden genutzt werden kann, ist Wellenkraft bis zu 4 000 Stunden pro Jahr nutzbar. An den exponierten Küsten Großbritanniens und Norwegens kann Wellenenergie sogar bis zu 6 000 Stunden jährlich genutzt werden.

Bei der Technologie der Forschungsgruppe aus Uppsala wird die Wellenkraft direkt in Elektroenergie umgewandelt. Sie verursacht keine Emissionen und hinterlässt keine schädlichen Abfallprodukte. Sie macht sich einzig durch riesigen Eidottern ähnelnde Körper bemerkbar, die sich auf dem Wasser auf- und abbewegen.

Energie-Reich

Das Wellenkraftwerk aus Uppsala ist einfacher als andere Systeme. Das ist insofern wichtig, als bei der Energiegewinnung „einfach“ synonym mit „günstig“ und „günstig“ gleichbedeutend mit „zugkräftig“ ist. Die Anlage besteht aus kolbengetriebenen Generatoren auf dem Meeresgrund, die über Leinen mit Bojen verbunden sind, die auf der Wasseroberfläche driften. Die Auf- und Abbewegungen der Schwimmkörper treiben die Generatoren an. Die so gewonnene Energie wird in ein Kabelnetz auf dem Meeresboden eingespeist.

Als Nebeneffekt von Leijons Forschung wurde ein halbes Dutzend Unternehmen gegründet. „Seabased“ zum Beispiel ist eine Firma, die die Wellenenergietechnologie kommerzialisiert. Zu Leijons Energie-Reich gehören auch Unternehmen, die sich die Prinzipien des Wellenkraftwerks bei der Gewinnung von Wind- und Meeresströmungsenergie zu Nutze machen.

Eine glänzende Idee? Vielleicht können die Häuser der Küstenstadt Göteborg dereinst mit Wellenenergie erhellt werden.
Eine glänzende Idee? Vielleicht können die Häuser der Küstenstadt Göteborg dereinst mit Wellenenergie erhellt werden. Foto: Yvonne Isaksson / Image Bank Sweden

Leijons Technik sorgt für Wogen der Begeisterung …

Leijons Technik weckte riesiges Interesse. Anfang 2008 besuchten in einem Zeitraum von nur einem Monat mehr als 1 000 Menschen aus der ganzen Welt Leijons Forschungsabteilung, um mehr über das Wellenenergieprojekt zu erfahren. Zwei der größten skandinavischen Energiekonzerne gaben bei der Firma „Seabased“, die von zwei schwedischen Zeitschriften im März 2008 als „eines der heißesten Technologieunternehmen des Landes“ bezeichnet wurde, Bestellungen in Auftrag. „Seabased“ figuriert auch auf der Liste des US-Botschafters in Schweden mit vielversprechenden schwedischen Unternehmen im Bereich alternative Energien (s. Link unten).

Leijon meint, dass die Wellenenergie die europäischen Länder jährlich mit 2 000 Terawattstunden sauberen Stroms versorgen kann. Das entspricht rund der Hälfte der Energie, die jedes Jahr in Westeuropa oder den USA verbraucht wird. Schweden hat weniger exponierte Küsten, weshalb die Wellenkraft hier rund 10 Prozent des Energiebedarfs sichern könnte.

… aber auch für ein paar Wellen der Skepsis

Leijon gesteht ein, dass die Nutzung der Wellenenergie auch Nachteile birgt. Aber die Schattenseiten dieser Technologie dürften wohl kaum solchen Widerstand erregen, wie er beim Bau eines Atomkraftwerkes zu erwarten wäre.

„Das größte Manko besteht darin, dass man bei Wellenkraftwerken Bereiche nutzt, die auch für andere Zwecke genutzt werden, so zum Beispiel im Rahmen des Fischereiwesens“, sagt Leijon. Es wurde auch unterstellt, dass das von den Wellenkraftwerken erzeugte Geräusch die Fortpflanzung der Meereslebewesen beeinträchtigen könnte. Diese Hypothese konnte allerdings nicht bestätigt werden.

Leijon träumte schon immer davon, erneuerbare Technologien im industriellen Maßstab zu erzeugen. Mit der Niederlassung von „Seabased“ an der schwedischen Westküste nähert sich diese Vision der Realität nun ein gutes Stück an. Leijon ist zuversichtlich, dass die Wellenenergie ihrem Potenzial gerecht werden wird. „Allerdings“, so Leijon, „fehlt der Wellenenergie die Lobby, die die Wind-, Solar- und Bioenergie hat. Wir sind nicht viele. Aber andererseits haben wir die Physik auf unserer Seite.“

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Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Autor verantwortlich.

Übersetzung: Stefanie Busam Golay

Klassifizierung: A243TY

David Wiles

David Wiles ist Redakteur des Magazins Sweden Today. Wellen- und Windenergie sind ihm verdächtig, versagte er als Jugendlicher doch kläglich sowohl beim Wellenreiten als auch beim Windsurfen.


 

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