
Ein SKF-Mitarbeiter begutachtet ein Blech. Das Unternehmen SKF landete weit oben auf der Rangliste des „Sustainability Yearbook“ von 2010.
Foto: Sandvik
Das Wort „Unternehmensverantwortung“ bezeichnet die von Firmen freiwillig unternommenen Anstrengungen, die eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft, die Umwelt oder die Wirtschaft haben. Die Europäische Kommission verwendet stattdessen den Terminus „Corporate Social Responsibility“ (CSR), den sie definiert als „ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, um auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Beziehungen zu den Stakeholdern zu integrieren“. Bemühungen zur Senkung der Kohlendioxid- Emissionen, die Förderung der Chancengleichheit beim beruflichen Aufstieg und die Unterstützung des Gemeinwesens sind Beispiele für CSR-Initiativen.
Schweden leistet in Sachen CSR mehr als die meisten anderen Länder – und das schon seit geraumer Zeit! Beim Abschlussbericht „The State of Responsible Competitiveness“ der internationalen Nonprofit-Organisation AccountAbility aus dem Jahr 2007 rangierte Schweden beim Responsible Competitiveness Index an erster Stelle. Der Index basierte auf einer Reihe von Kenngrößen, die die unternehmerische Verantwortung in puncto Klima, Arbeitsumfeld, Korruption und Soziales von Firmen in 108 Ländern beschreiben. Der Bericht hob besonders die Geschlechtergleichstellung in Schweden hervor.
Führend im Bereich Umwelttechnologie
Die Tatsache, dass das Bewusstsein für Unternehmensverantwortung gewachsen ist, erfordert eine Neufestlegung des Dokumentationsspektrums. Die Organisation AccountAbility konstatiert, dass ein einzelner Index dem Thema nicht mehr gerecht werde, und hat ihre Analysen neu ausgerichtet. Im Rahmen des Responsible Competitiveness Index von 2010 bescheinigte AccountAbility den nordischen Ländern Spitzenpositionen bei der Bekämpfung des Klimawandels und bei der Förderung der Weiterentwicklung der Umwelttechnologie („Umwelttechnologie“ ist ein Sammelname für Innovationen, die die Emissionen oder den Energieverbrauch reduzieren).
Gleichstellung der Geschlechter
Das Weltwirtschaftsforum bezeichnete Schweden und seine nordischen Nachbarn im „Global Gender Gap Report“ aus dem Jahr 2010 im Hinblick auf die Geschlechtergleichstellung als „Leistungsträger und wahrhafte Führer“, die „demnach als Modell und Maßstab bei internationalen Vergleichen dienen“. Der Bericht bewertet die Geschlechterkluft auf der Basis von Wirtschafts-, Politik-, Bildungs- und Gesundheitskriterien.
Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein wichtiger Aspekt dessen, wie sich Firmen ihrer unternehmerischen Verantwortung stellen. Unternehmen können die Geschlechtergleichstellung zum Beispiel voranbringen, indem sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, indem sie eine ausgewogene Aufteilung der Kinderbetreuung fördern und indem sie Frauen und Männern beim Aufstieg in Führungspositionen gleiche Chancen geben.

Die Gleichstellung am Arbeitsplatz ist ein Ansatzpunkt für unternehmerisches Engagement in Sachen Corporate Social Responsibility.
Foto: Bildarkivet.se
Weltweite Spitzenreiter im Bereich Nachhaltigkeit
Schwedische Firmen werden oft für ihr umfangreiches Engagement in Sachen Unternehmensverantwortung gerühmt, so auch in mehreren kürzlich veröffentlichten Studien:
• Das Magazin „Corporate Knights“ analysiert Unternehmen hinsichtlich ihrer Umwelt-, Sozial- und Governance-Performance. In der 2010-Global-100-Liste wurden die schwedischen Unternehmen H&M (Platz 4), Atlas Copco (34) und SCA (63) in die 100 sozial- und umweltverantwortlichsten Unternehmen der Welt eingereiht. Zu den Parametern gehörten Kohlendioxid-Ausstoß, Führungsvielfalt und geleistete Steuerzahlungen.
• Der Dow Jones Sustainability World Index erhebt auch die unternehmerische Performance. Aufgenommen werden nur Unternehmen, die die höchsten Anforderungen im Hinblick auf den Umweltschutz, die Rechte der Beschäftigten und die Menschenrechte erfüllen. Im Jahr 2010 wurden 392 Unternehmen aus 29 Ländern aufgeführt. Die ausgewählten schwedischen Firmen waren Atlas Copco, Electrolux, Sandvik, SKF, SCA, Swedbank, Telia-Sonera und Volvo. Grundlage für die Dow Jones Sustainability Indexes ist das „Sustainability Yearbook 2010“. Es verzeichnete drei schwedische Unternehmen als führend in der Gold Class beziehungsweise Silver Class: Electrolux (Gold), SKF und SCA (Silver).
• Das Investment-Banking- und Wertpapierhandelsunternehmen Goldman Sachs und die Großbank UBS bewerten schwedische Firmen unter dem Gesichtspunkt des nachhaltigen Wirtschaftens generell hoch. Das Sustain Research Team von Goldman Sachs rechnet ABB und Atlas Copco zu seinen absoluten Favoriten weltweit, aber Volvo und SKF gehören im industriellen Sektor ebenfalls zu den Top Ten. Goldman Sachs legt dar, dass sich die Führungspositionen der schwedischen Unternehmen weitgehend durch ihre Transparenz und ihre umfassende Information der Öffentlichkeit in Bezug auf Umwelt- und Sozialfragen erklärten. Die UBS zeigt sich ebenfalls beeindruckt vom industriellen Sektor Schwedens und preist Assa Abloy, Atlas Copco, Sandvik und SKF als ihre Nachhaltigkeitsfavoriten an.
Die Regierung treibt schwedische Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit an
Die schwedische Regierung nimmt die Staatsunternehmen in die Pflicht und fördert Nachhaltigkeitsinitiativen. So will sie auch privatrechtliche Unternehmen dazu inspirieren, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu verstärken.
Die schwedische Regierung ermutigt den Privatsektor, den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen zu folgen und die zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen im Hinblick auf die Menschenrechte, die Rechte der Beschäftigten, die Umweltverantwortung und die Korruptionsbekämpfung umzusetzen.
Schweden geht mit gutem Beispiel voran: Als das Außenministerium im Jahr 2002 sein Referat für globale Verantwortung ins Leben rief, war Schweden das erste Land, das das Thema Unternehmensverantwortung zur Regierungsaufgabe machte.
Obligatorische Berichte
Schweden war auch das erste Land, das von Staatsunternehmen Nachhaltigkeitsberichte nach den Vorgaben der Global Reporting Initiative (GRI) verlangte. Die GRI unterstützt die Entwicklung weltweiter Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und will es Außenstehenden leichter machen, Unternehmen aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Perspektive zu vergleichen und zu bewerten.
Eine Untersuchung zeigte, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung die Unternehmer sensibilisiert und größere Nachhaltigkeitsbemühungen mit sich gebracht hat.
Vier Fonds des schwedischen Rentensystems (AP1–AP4) werden vom Ethikrat koordiniert. Der Rat setzt sich für eine positive Veränderung bei ausländischen Unternehmen ein, die mit Verletzungen internationaler Umwelt- und Menschenrechtskonventionen in Zusammenhang gebracht werden.
Initiativen zugunsten der Umwelt
Eine strenge Umweltgesetzgebung sowie ein großes Umweltbewusstsein und -wissen haben dazu geführt, dass schwedische Unternehmen bei ihren Aktivitäten im Hinblick auf Umweltaspekte innovativ und effizient sind. Umweltfreundliche Produktionstechniken, insbesondere im Bereich der industriellen Produktion, werden inzwischen häufig exportiert.

Schwedische Unternehmen entwickeln Umwelttechnologielösungen der Weltklasse, so auch photovoltaische Zellen. Foto: Scanpix
Schwedische Firmen nehmen auch im Bereich der Umwelttechnologie internationale Spitzenpositionen ein. Der Begriff Umwelttechnologie beschreibt Produkte oder Dienstleistungen, die die operationale Performance, die Produktivität oder die Effizienz steigern, während sie die Kosten, den Ressourceneinsatz, den Energieverbrauch, die Menge an Abfallstoffen und die Schadstoffbelastung mindern. Die Umwelttechnologie begünstigt auch die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum schwedischer Unternehmen.
Gute Beispiele für Unternehmensverantwortung bei schwedischen Firmen
Indiska
Indiska beeinflusst seit vielen Jahren die Arbeitsbedingungen und die Produktionsprozesse in den Fabriken, in denen die Mode- und Einrichtungskette fertigen lässt. In den vergangenen fünf Jahren statteten Indiska-Vertreter ihren Zulieferern über 400 Kontrollbesuche ab. Indiska bemüht sich darum, mit seinen Unterlieferanten langfristige Beziehungen aufzubauen und eng mit ihnen zu kooperieren. Auf diese Weise will das Unternehmen die Arbeitsbedingungen verbessern und durchsetzen, dass die Anforderungen des Indiska-Verhaltenskodex erfüllt werden.
www.indiska.com
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Einrichtungsdesign von Indiska. Foto: Indiska |
IKEA
Baumwolle ist für IKEA ein besonders wichtiger Rohstoff, und das Unternehmen zielt darauf ab, dass die gesamte Baumwolle, die für seine Produkte verwendet wird, aus nachhaltigerer Produktion stammt. Die Better Cotton Initiative (BCI) hilft IKEA dabei, beim konventionellen Baumwollanbau weitreichende und dauerhafte Verbesserungen durchzuführen. Die nach BCIStandards produzierte Baumwolle bringt eine Reduzierung von Umweltschädigungen und sozialen Belastungen mit sich; außerdem nehmen die Produktionskosten auf Seiten der Landwirte ab. Das kommt IKEA dabei zugute, wettbewerbsfähige Produkte anbieten zu können, die den Konsumenten zusagen und gleichzeitig den Bestrebungen des Unternehmens entsprechen, fair gehandelte Erzeugnisse zu liefern.
www.ikea.com
H&M
H&M hat weltweit rund 2 000 Läden. Mit der so genannten Conscious Collection verfügt das Textileinzelhandelsunternehmen über eine neue Öko-Modelinie. H&M hat rund 700 Unterlieferanten, von denen viele in Ländern ansässig sind, in denen Fragen wie Kinderarbeit und Sicherheit am Arbeitsplatz Probleme aufwerfen können. Die Firma H&M arbeitet aktiv mit ihren Zulieferern hinsichtlich Arbeitsrechte und Umweltschonung. Das Unternehmen verfügt über ein 70-köpfiges Audit-Team, das überprüft, ob die Zulieferer den H&M-Verhaltenskodex einhalten. Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bietet die Firma H&M ihren Zulieferbetrieben auch Schulungen an.
www.hm.com
Coop
Das Sortiment der Supermarktkette Coop umfasst über 1 700 Bioprodukte. Coop hat in Schweden einen Marktanteil von 21 Prozent, verkauft aber 30 Prozent aller Biolebensmittel (Stand 2009). Bioprodukte sind auf den Ladenregalen speziell gekennzeichnet und können so leicht von konventionell hergestellten Erzeugnissen unterschieden werden. Auf dem Kassenzettel ist deutlich erkennbar, wie hoch der Anteil der Bioprodukte am Einkauf war. Coop bemüht sich auch um den Ausbau des Angebots von Produkten aus dem Fairen Handel. Im Jahr 2011 wurde Coop zur nachhaltigsten schwedischen Marke ernannt.
www.coop.se
Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
Dezember 2011
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