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31. Jan. 2007

Ausländisches Risikokapital fließt nach Schweden

von: Charlotte Celsing, freie Autorin
Schweden ist zurzeit eine der beliebtesten Zieladressen für ausländische Investoren. Das hohe Ausbildungsniveau der schwedischen Bevölkerung und die Fähigkeit der schwedischen Unternehmer, vom ersten Tag an global zu denken, scheinen für die Investoren besonders attraktiv zu sein.

Die gut ausgebildete Bevölkerung ist einer der Schlüssel zum Erfolg.
Die gut ausgebildete Bevölkerung ist einer der Schlüssel zum Erfolg. Foto: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se

Nach Angaben der European Venture Capital Association lockten schwedische Unternehmen im vergangenen Jahr rund 825 Millionen Euro an Start- und Wachstumskapital an. Investoren aus der ganzen Welt – vor allem aber aus den USA, aus dem übrigen Europa und aus den anderen nordischen Ländern – werden von den hohen Jahreserträgen angezogen, die während der letzten zehn Jahre beständig bei 20 Prozent lagen. Zum Vergleich: In Europa und in den USA liegt die durchschnittliche Rendite p. a. bei etwa 12 Prozent.

Die nordischen Länder sind vielleicht am bekanntesten für ihre innovativen und erfolgreichen Informations- und Kommunikationsunternehmen. Aber tatsächlich ist die Biotechnologie die führende Branche, sowohl was die Zahl der Investitionen als auch, was die Höhe des angelegten Kapitals betrifft. Die Investitionen im Bereich Lebenswissenschaften sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Dauerhaft hohe Erträge
Warum landet so viel ausländisches Anlagekapital in Schweden? Jan Segerfeldt, Informationsbeauftragter bei der Swedish Private Equity & Venture Capital Association (SVCA, Svenska Riskkapitalföreningen), erklärt: „Das schwedische private Beteiligungskapital hat Jahr für Jahr hohe Erträge erzielt. Das zieht natürlich ausländische Investoren an: Siebzig Prozent des Kapitals in den schwedischen Venture-Capital-Unternehmen stammen aus dem Ausland. Die Investoren berücksichtigen insbesondere den hohen Standard der schwedischen Technologie, Forschung, Bildung und Weiterbildung.“

Jan Segerfeldt, Informationsbeauftragter bei der SVCA, ist überzeugt davon, dass unter anderem die globale Ausrichtung der schwedischen Unternehmer ausländische Investoren anzieht.
Jan Segerfeldt, Informationsbeauftragter bei der SVCA, ist überzeugt davon, dass unter anderem die globale Ausrichtung der schwedischen Unternehmer ausländische Investoren anzieht. Foto: SVCA

Aber natürlich hat jede Medaille auch eine Kehrseite. Schwachpunkte seien in Schweden, so Segerfeldt, vor allem im unternehmerischen Bereich zu finden.

„Unser Land wurde von einem starken öffentlichen Sektor und vielen großen Unternehmen dominiert. Deshalb gab es nicht genügend Vorbilder für kleine Firmen“, meint Segerfeldt. „Die neue Regierung sagt, sie sehe hier Verbesserungspotential und wolle sich in dieser Hinsicht einsetzen. Da wird sich also hoffentlich etwas ändern.“

Gleichzeitig bemerkt Segerfeldt, dass große Firmen wie Ericsson und ABB eine gute Pflanzstätte kleiner Unternehmen dargestellt hätten. Außerdem zwinge die relativ geringe Bevölkerungszahl Schwedens die hiesigen Unternehmer, sich schon früh mit Fragen des Exports und der Diversifikation auseinanderzusetzen.

Stark auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften
Ylva Williams von der Invest Sweden ist der Meinung, dass Schweden den großen, vor rund hundert Jahren gegründeten pharmazeutischen Unternehmen wie Astra (jetzt AstraZeneca) und Pharmacia (jetzt Pfizer) zu Dank verpflichtet sei. „Schweden hat eine lange Tradition auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften, und deshalb konnten wir viel Erfahrung im Management von Pharmaunternehmen sammeln“, sagt Williams. „Das Land hat Unternehmen, die sich mit jedem Glied der Wertschöpfungskette befassen – von der Innovation und Entwicklung über die Formulierung bis zur klinischen Prüfung und Produktion.“

Schweden hat einen guten Ruf im Bereich Lebenswissenschaften.
Schweden hat einen guten Ruf im Bereich Lebenswissenschaften. Foto: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se

Gereifte IT-Branche
Rebtel ist eine der schwedischen Firmen, die große Summen von Investoren im kalifornischen Silicon Valley erhielten. Das Unternehmen bietet kostenlose Mobiltelefonie – in amerikanischen Venture-Capital-Kreisen ein heißes Terrain. Rebtel-Geschäftsführer Hjalmar Winbladh ist der Meinung, dass Schweden im Internet- und Telekommunikationssektor gute, innovative und erfahrene Unternehmer aufzuweisen hat.

Aber besteht nicht das Risiko, dass es sich hier um die nächste IT-Spekulationsblase handelt – ähnlich der vor fünf oder sechs Jahren? Winbladh glaubt das nicht:

„Sowohl Risikokapitalanleger als auch Unternehmer sind heute erfahrener – besonders diejenigen, die schon damals mit von der Partie waren und nun wieder eingestiegen sind“, sagt Winbladh. Segerfeldt stimmt ihm zu: „Bei der Übernahme von Risiken wird heute umsichtig und klug vorgegangen. Die Branche ist in den vergangenen Jahren gereift und agiert heute ganz anders als damals.“

Derzeit stehen Lebenswissenschaften und IT im Zentrum des Interesses. Doch was kommt dann?

Saubere Technologie im Aufwind
In Erhebungen der SVCA zu den Ansichten über künftige Entwicklungen erweist sich die Umwelttechnologie als einer von drei Favoriten.

Umwelttechnologie ist für Risikokapitalanleger ein höchst interessantes Gebiet. . Das schwedische Unternehmen Envac schafft energieeffiziente und saubere Müllsammelsysteme.
Umwelttechnologie ist für Risikokapitalanleger ein höchst interessantes Gebiet. Das schwedische Unternehmen Envac schafft energieeffiziente und saubere Müllsammelsysteme. Illustration: Envac

Der Amerikaner Andre Heinz gründete kürzlich das schwedische Unternehmen Sustainable Technology Partners. Er ist einer der Risikokapitalanleger, die in die schwedische Umwelttechnologie investieren. Heinz vertritt die Meinung, dass die Haltung und die Strategie der schwedischen Regierung und Wirtschaft auf diesem Gebiet weltweit zu den progressivsten gehören.

„Schweden ist bei etlichen Umwelttechnologien führend, zum Beispiel in den Bereichen Erdwärmepumpen, Fernwärme und Fernkühlung, rationelle Energieverwendung, Biotreibstoffe sowie Recycling- und Reinigungstechnologie“, so Heinz.

Er fügt hinzu, dass viele der von ihm untersuchten Umwelttechnologie-Unternehmen die Gründungs- und Startphase bereits hinter sich haben und rasch expandieren. „Diese Unternehmen nutzen modernste Technik und profitieren vom enormen Wachstum in ihren jeweiligen Sparten. Es liegt bei 25 bis 50 Prozent pro Jahr.“

Eine Erfolgsgeschichte
Aber warum wachsen die Investitionen in Schweden so schnell? Starkes Wirtschaftswachstum weltweit ist natürlich förderlich. Aber die Antwort gefunden hat wohl Danny Rimer, Gesellschafter bei Index Ventures (das auch Skype unterstützte), mit seiner Analyse, die in der Zeitschrift Business Week veröffentlicht wurde:

„Skandinavien hat Spitzenunternehmer hervorgebracht, die Spitzendienstleistungen schaffen. Dies hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Erfolg erzeugt Erfolg.“

Fakten

  • Die Private-Equity-Branche wurde in Schweden vor über dreißig Jahren etabliert.
  • In den Jahren 2000 bis 2005 wurden 60 Prozent der schwedischen Börsengänge von Private-Equity-Unternehmen finanziert.
  • Der schwedische Private-Equity-Markt macht über ein Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus und ist damit der zweitgrößte Private-Equity-Markt Europas.
  • Schwedische Unternehmen, die durch privates Beteiligungskapital finanziert wurden, generieren einen Umsatz von ungefähr 19 Milliarden Euro.
  • Rund 70 Prozent des Kapitals schwedischer Private-Equity-Unternehmen kommen von ausländischen Investoren.
  • Mit ungefähr 30 Prozent des Kapitals machen die Pensionsfonds den größten Private-Equity-Investor aus.

Erklärung der Fachbegriffe
Privates Beteiligungskapital oder Private Equity = Beteiligungen privater Investoren an nicht börsennotierten Unternehmen
Risikokapital oder Venture Capital = Seed-Capital-, Start-up- oder Expansion-Stage-Finanzierung innovativer, expansionsfähiger Unternehmen
Buyout Capital = Investitionen in etablierte Unternehmen mit stabilen Cash-Flows
Lebens- oder Biowissenschaften = Sammelbegriff für u. a. die Bio-, Medizin- und Pharmatechnologie

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Charlotte Celsing ist freie Journalistin, die bei ihrem eigenen, bescheidenen Kapital auf Nummer Sicher geht. Als leidenschaftliche Umweltschützerin ist sie aber Feuer und Flamme für saubere, grüne Technologie.

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein die Autorin verantwortlich.

Übersetzung: Stefanie Busam Golay

Klassifizierung: A177TY

© Fotos 1 und 3: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se
© Foto 2: SVCA
© Illustration: Envac


 

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