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8. Aug. 2006

Flexible Arbeitszeiten sorgen für Ausgewogenheit von Berufs- und Privatleben in Schweden

von: David Wiles, freier Journalist
Überdruss an immergleicher Arbeitsroutine? Von 9 bis 5 Uhr zu arbeiten ist in Schweden nicht mehr die übliche Art sein Geld zu verdienen. Einer Erhebung der Europäischen Union zufolge gehört Schweden zu den Ländern Europas mit den flexibelsten Arbeitszeitregelungen, was für die Arbeitnehmer eine bessere Ausgewogenheit des Berufs- und Privatlebens bedeutet.

Frühaufsteher können in Schweden bereits um 6 Uhr morgens anfangen und ihren Arbeitstag um 15 Uhr beenden. Foto: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se
Frühaufsteher können in Schweden bereits um 6 Uhr morgens anfangen und ihren Arbeitstag um 15 Uhr beenden. Foto: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se

Über die Hälfte der schwedischen Arbeitgeber im öffentlichen und privaten Sektor gestatten ihren Beschäftigten, die Zeiten des Arbeitsbeginns und Arbeitsendes in gewissem Grade flexibel zu gestalten. Die Arbeitnehmer können so mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, früher Schluss machen, um ins Fitnesscenter zu gehen oder einfach länger im Bett bleiben.

Flexible Arbeitszeiten wurden in Schweden zuerst in den 1960er Jahren durch Druck von Seiten der Gewerkschaften eingeführt, aber die Arbeitgeber merkten bald, welche Vorzüge sie dadurch hatten – höhere Produktivität, geringere Fehlzeiten und zufriedenere Mitarbeiter.

Kreativitätsschub

Anna-Karin Nilsson ist Grafikerin in Göteborg; sie meint, flexible Arbeitszeiten verbessern die Qualität ihrer Arbeit. „In meinem Job muss ich meiner Fantasie freien Lauf lassen und ich bin abends am kreativsten,“ sagt sie. „Wenn möglich fange ich nachmittags an zu arbeiten und komme dann so richtig in Schwung, wenn alle anderen nach Hause gehen. Ich glaube, wenn ich von neun bis fünf arbeiten müsste, wäre das Endergebnis nicht so gut.“

Ebenfalls in Göteborg kann Per Österström, der für ein Telekommunikationsunternehmen arbeitet, seine Arbeitszeit zwischen 8 und 20 Uhr wählen, wenn er mindestens 7,75 Stunden pro Tag arbeitet. Arbeitet er weit mehr, kann er Stunden auf einem „Arbeitszeitkonto“ ansammeln und diese dann „abheben“ und verwenden, wenn er zusätzliche Freizeit braucht. „Es ist einfach, sich bei der Zeiterfassung abzumelden und ein oder zwei Stunden früher zu gehen. Das kann man dann durch zusätzliche Arbeit an einem anderen Tag ausgleichen“, sagt er. Flexible Arbeitszeiten sind wirklich eine gute Sache. Sie machen das Leben leichter, nicht nur weil man sie anwenden kann, sondern auch weil einem die Arbeit flexibler vorkommt.“

Weniger Druck auf die Belegschaft

Auch in der schwedischsten aller Institutionen des öffentlichen Sektors – Skatteverket (die Schwedische Finanzbehörde) – können die meisten Mitarbeiter ihre Arbeitszeit wählen. Die Beschäftigten können zwischen 7 und 9 Uhr anfangen und ihre Schreibtische zwischen 15 und 19 Uhr verlassen. Diese Arbeitszeiten sind sehr beliebt wie Anders Andersson meint: „Es gibt viele Vorteile für die Mitarbeiter, u.a. kann man den Arbeitstag an die Tagesbetreuung der Kinder anpassen.“

Schwedische Eltern können dank flexibler Arbeitszeiten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Foto:Maskot
Schwedische Eltern können dank flexibler Arbeitszeiten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Foto:Maskot

Schwedische Führungskräfte sind im allgemeinen auch für flexible Arbeitszeiten  - wenn sie nicht mit ihren Interessen kollidieren. Karin Ekenger vom Verband Schwedischer Unternehmer sagt: „Man kann versuchen, die Arbeitszeiten für die Beschäftigten so flexibel wie möglich zu gestalten, aber man muss ihre Wünsche mit den Anforderungen des Unternehmens abstimmen.“ Sie fügt hinzu, dass flexible Arbeitszeiten nicht in allen Sektoren funktionieren, wie beispielsweise in der Produktion bei Schichtarbeit oder im Gesundheitswesen, wo immer eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern anwesend sein muss.

Guter Geschäftssinn

In einem Bericht der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen nimmt Schweden bei flexiblen Arbeitszeitregelungen nach Lettland den zweiten Platz ein.

Erland Olauson vom LO (Schwedischer Gewerkschaftsbund) erklärt, das schwedische System flexibler Arbeitszeiten sei das Ergebnis von Druck von beiden Seiten, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, aber aus unterschiedlichen Beweggründen. Für Unternehmen können zufriedenere Mitarbeiter geschäftlich gesehen sinnvoll sein. „Aber ich glaube nicht, dass es bedeutet, dass wir in Schweden vernünftigere Arbeitgeber haben als anderswo“, meint er.

Flexible Arbeitszeiten nutzen sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern in Schweden. Foto: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se
Flexible Arbeitszeiten nutzen sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern in Schweden. Foto: Hans Bjurling / www.imagebank.sweden.se

Flexible Schulstunden

Wenn also flexible Arbeitszeiten zu höherer Produktivität und zufriedeneren Mitarbeitern führen, könnten sie nicht auch eine Lösung für müde Teenager sein, denen in der Schule die Motivation fehlt? Schwedische Forscher halten das für eine Möglichkeit, denn sie haben herausgefunden, dass sich fast die Hälfte der 16-jährigen als „Nachtmenschen“ ansieht, die morgens in der Schule zu kämpfen haben, weil sie müde sind.

Etwa 20 Schulen in Schweden haben ein flexibles Zeitsystem eingeführt, das Schülern einen gewissen Grad an Flexibilität bei den Anfangszeiten ihres Schultags erlaubt. Die Ergebnisse waren positiv und weitere Schulen erwägen eine Einführung. Der uralte Ruf: „Steh auf – du kommst zu spät zur Schule!“ könnte eines Tages der Vergangenheit angehören.

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David Wiles arbeitet als Redakteur des Magazins Sweden Today nach flexiblen Arbeitszeiten, wodurch er mehr Zeit für seine kleinen Töchter hat.

Übersetzung: Margaretha Tidén

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Autor verantwortlich.

Klassifikation: A155TY

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