5. Jun. 2008
Einem Bericht der gemeinnützigen Organisation AccountAbility zufolge ist Schweden in Sachen Corporate Social Responsibility (CSR) weltweit führend. AccountAbility-Geschäftsführer Dr. Simon Zadek erklärt, warum.
Simon Zadek, Geschäftsführer von AccountAbility, ist beeindruckt von der Art und Weise, wie schwedische Unternehmen das CSR-Prinzip umsetzen — Bekleidungsfirmen glänzen ebenso wie Betriebe im Bereich Schwerindustrie. Fotos: Frida Hedberg / Scanpix und Carl Erik Andersson / Image Bank Sweden
Im Responsible Competitiveness Index (RCI) der Organisation AccountAbility wird Schweden als das Land klassifiziert, das am meisten dafür tut, seine Wettbewerbsfähigkeit durch verantwortungsvolle Geschäftspraktiken zu verbessern. Hinter Schweden liegen Dänemark, Finnland, Island und das Vereinigte Königreich (für die RCI-Top-20 siehe Faktenkasten rechts). Die Schweden kennen sich in Sachen sozialer Verantwortung von Unternehmen also aus und wissen, wie man Geschäfte macht, ohne Aspekte wie Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit, Menschenrechte und Anti-Korruption zu vernachlässigen.
Geschäfte mit gutem Gewissen
Zadek ruft andere Länder dazu auf, dem schwedischen CSR-Vorbild zu folgen: „Schweden ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass soziales Gewissen und Wettbewerbsfähigkeit kein Widerspruch sein müssen“, sagt Zadek, der als eine der Leitfiguren der CSR-Bewegung gilt. Zadek meint, dass den Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit eine Schlüsselrolle zukomme, was die verantwortungsvolle Geschäftsführung schwedischer Unternehmen betrifft.
„In Schweden wurde in den vergangenen fünfzig Jahren eine Gesellschaft hervorgebracht, die sich durch soziale Kohäsion auszeichnet. Die Geschäftswelt wird von Normen bestimmt, die das Land nun auch exportiert, wenn es international Geschäfte macht. Viele Aspekte des verantwortungsbewussten Geschäftsstils stehen in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung der schwedischen Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg.“
Reaktionsfreudiges Schweden
Ebenso wichtig, so Zadek, sei die Schnelligkeit, mit der die schwedischen Firmen auf die CSR-Forderungen reagiert hätten, die seit den 1970er Jahren immer lauter wurden. Zadek erwähnt den Möbelhändler Ikea als erstklassiges Beispiel und sagt: „Ich glaube, vor zehn oder fünfzehn Jahren war die Firma Ikea genauso unempfänglich für Fragen der Arbeitsstandards in ihren weltweiten Zuliefererketten wie alle anderen Unternehmen auch. Aber heute kann das Unternehmen im Hinblick auf die Berücksichtigung von Umwelt- und Arbeitsfragen zu den Spitzenreitern gezählt werden.“

Schweden geht Umweltthemen bereits seit langer Zeit erfolgreich an. Dies begünstigte die Entwicklung umfassenderer CSR-Strategien. Foto: Martin Bogren / Linkimage
Zadek meint, dass aus dem Beispiel Ikea zwei wichtige Schlüsse gezogen werden könnten. „Erstens: Schwedische Unternehmen sind oft nicht besser platziert als andere Firmen, wenn neue Problemstellungen auftauchen. Zweitens: Schwedische Firmen scheinen sich dieser Fragen aber sehr schnell anzunehmen, wenn ihnen zentrale geschäftliche Bedeutung beigemessen wird.“
Zu solchen Unternehmen gehören viele der größten und bekanntesten Firmen des Landes wie Electrolux, H&M und Husqvarna, die in den letzten Jahren erhebliche Bemühungen unternommen haben, das Geschäft in ihrer jeweiligen Branche zur Gewissensfrage zu machen.
Ein weiterer Beweis für den hohen schwedischen Standard liefern die Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindizes, die im Jahr 2007 die schwedischen Unternehmen Atlas Copco, Castellum, Electrolux, SKF, TeliaSonera und Volvo aufführten.
Schweden leistet sich keinen Schnitzer
Im AccountAbility-Bericht werden die Länder gemäß 21 Faktoren klassifiziert. Zu den Indikatoren gehören zum Beispiel die Häufigkeit der Verwendung betrieblicher Umweltmanagementsysteme, der Grad der wahrgenommenen Korruption in der Geschäftswelt und das Engagement der Zivilgesellschaft.
Zadek hat die Daten des Berichtes im Hinblick darauf durchgesehen, ob ein Bereich auszumachen ist, in dem Schweden schlechte Resultate erzielt. „Ich habe nach so vielen Schwächen wie möglich gesucht. Aber Schweden schlägt sich wirklich ausgesprochen gut — nicht nur insgesamt, sondern in Bezug auf jeden der 21 Indikatoren. Es ist mir nicht gelungen, einen Bereich zu entdecken, der das Land schlecht aussehen lässt. Schweden schneidet tatsächlich überall hervorragend ab.“
Zadek betont, dass der CSR-Erfolg eines Landes nicht allein den Bemühungen seiner Geschäftswelt zu verdanken ist, sondern auch den Anstrengungen der Regierung und der Gesellschaft insgesamt.
„Verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln steht in Zusammenhang mit einer kohärenten Außenpolitik, den Handels- und Investitionsstrategien und der Förderung des sozialen Zusammenhaltes auf nationaler Ebene“, sagt Zadek. „Meiner Meinung nach erfasst die schwedische Regierung diese Verflechtungen erstaunlich gut und auf jeden Fall bedeutend besser als die Regierungen vieler Länder. Die anderen Nationen sollten sich wirklich ein Beispiel daran nehmen.“
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Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Autor verantwortlich.
Übersetzung: Stefanie Busam Golay
Klassifizierung: A246TY
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David Wiles
Der in Schweden lebende britische Journalist David Wiles ist Redakteur des englischsprachigen Wirtschaftsmagazins Sweden Today.
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