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August Strindberg:
„Ich bin ein Teufelskerl – und das auf vielen Gebieten“

Hundert Jahre nach seinem Tod geht von August Strindberg (1849–1912) noch immer eine große Faszination aus. Dem literarischen Wegbereiter und Neuerer von damals gelingt es auch heute noch, das internationale Theaterpublikum zu provozieren.

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August Strindberg: self-portrait from Gersau, Switzerland, 1886/Jealousy Night, painted by Strindberg in Berlin, Germany, 1893.
1) Selbstporträt, 1886 im schweizerischen Gersau aufgenommen.
Foto: Nordiska museet. 2) Die Nacht der Eifersucht, 1893 von Strindberg in Berlin gemalt. Foto: Strindbergsmuseet

Hitziger soziopolitischer Polemiker und introspektiver Schriftsteller – ein Aspekt von August Strindbergs Persönlichkeit passt immer zum jeweils vorherrschenden Zeitgeist und intellektuellen Klima. Strindbergs Gedanken zur Moral, zu den Machtstrukturen sowie zu Klassen- und Familienfragen sind auch in der Gegenwart noch relevant. Der unermüdliche Kampf für das Freidenkertum und die Redefreiheit, wie Strindberg ihn lebenslang führte, ist heute, da Zensur in vielen Ländern noch immer Normalität ist, wichtiger denn je.

Ein anderer Grund für Strindbergs Popularität ist seine Zugänglichkeit. Während ältere Literatur oft antiquiert erscheint, wirken Strindbergs in Alltagssprache abgefasste Texte bemerkenswert modern.

Mann mit vielen Talenten

August Strindbergs Vielseitigkeit verblüfft. Der Künstler bewegte sich in einer Vielzahl von Genres. Strindberg war nicht nur Erneuerer der Drama- und Prosakunst, er war auch Poet, Maler und Fotograf, ja sogar Sinologe.

Auch Strindbergs stürmisches Privatleben erklärt seine ungebrochene Anziehungskraft, besonders weil es so bedeutsam für sein Schaffen war.

Strindbergs Leben und Schaffen können eigentlich nicht isoliert betrachtet werden. Strindberg war der Auffassung, dass das Schaffen eines Schriftstellers dessen Leben reflektiere. Seine literarische Entwicklung folgte weitgehend den Drehungen und Wendungen seines Privatlebens inklusive der Krisen, die durch seine gescheiterten Ehen und politische Kontroversen entstanden.

Erziehung und Ausbildung

Johan August Strindberg wurde am 22. Januar 1849 geboren. Er sollte später sagen, dass seine Kindheit von Armut und Vernachlässigung geprägt gewesen sei, aber Familie Strindberg war wirtschaftlich nicht schlecht gestellt. Strindbergs Vater war Dampfschiffskommissionär.

Aus dessen Ehe mit seiner Haushälterin gingen acht Kinder hervor. Strindbergs Mutter starb jung. Die Beziehung zum Vater war angespannt, nach einem heftigen Streit im Jahr 1876 sahen sich Vater und Sohn nie mehr wieder.

Nach dem Abitur im Jahr 1867 führte Strindberg ein Nomadenleben. Er war als Lehrer und Tutor tätig, studierte Medizin und versuchte sich an einer Karriere als Schauspieler – alles ohne großen Erfolg. An der Universität Uppsala, an der er mit Unterbrechungen studierte, fand man ihn wegen seiner ständigen Querelen mit den Professoren unerträglich. Allerdings wurden Erwartungen als Schriftsteller in ihn gesetzt.

Strindberg arbeitete eine Weile als Journalist für Dagens Nyheter, die größte schwedische Tageszeitung, und als Amanuensis an der Königlichen Bibliothek in Stockholm. In dieser Zeit lernte er Siri von Essen kennen, die seine erste Frau werden sollte. Von Essen war eine verheiratete Oberklassen-Finnlandschwedin mit Schauspielambitionen. Strindberg und von Essen verband eine stürmische Liebe, die zwischen Lust und Hass schwankte. Nach vielen Hochs und Tiefs vermählte sich das Paar 1877.

Literarischer Durchbruch und Exil

Im Jahr 1879 wurde Das rote Zimmer veröffentlicht. Mit diesem satirischen Roman gelang August Strindberg der literarische Durchbruch. Durch den Erfolg beflügelt, betätigte sich Strindberg weiter schriftstellerisch, wobei er in seinen Werken oft die schwedische Obrigkeit angriff.

Nach dem Erscheinen seiner beißenden Satire Das neue Reich (1882) waren die Reaktionen so feindlich, dass Strindberg Schweden verlassen musste. Für Familie Strindberg begann eine unstete Exilperiode in Europa. Strindberg sorgte in seinem Heimatland auch weiterhin für Skandale. Nach der Veröffentlichung der Novellensammlung Heiraten (1884–1886) musste er sich sogar wegen Gotteslästerung vor Gericht verantworten. Strindberg wurde freigesprochen, aber die mit der Anklage verbundene Erfahrung trug dazu bei, dass er zunehmend psychisch labil und paranoid wurde.

Strindbergs Verfolgungswahn wirkte sich auch negativ auf seine zunehmend spannungsreichere Ehe aus. Dass die Ehekrise mit dem Erstarken der Frauenbewegung zusammenfiel, erklärt wahrscheinlich teilweise Strindbergs despektierliches Frauenbild.

Die Inferno-Krise

Nachdem sich August und Siri Strindberg 1891 hatten scheiden lassen, ging Strindberg nach Berlin. Dort lernte er die österreichische Journalistin Frida Uhl kennen und heiratete sie kurz darauf. Das Paar bekam eine Tochter, trennte sich aber schon bald wieder. Strindberg zog nach Paris. Dort begann für ihn ein Lebensabschnitt, in dem er sich von unsichtbaren Feinden verfolgt fühlte und von Halluzinationen geplagt wurde: die so genannte Inferno-Krise. In dieser Zeit erwachte auch Strindbergs Interesse für Naturwissenschaften und Alchemie.

The women in Strindberg’s life, Siri von Essen, Frida Uhl and Harriet Bosse.
Die Frauen in Strindbergs Leben (v. li.): Die finnlandschwedische Schauspielerin Siri von Essen, Strindbergs erste Gattin, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hatte (Ehejahre 1877–1891); die österreichische Journalistin Frida Uhl, Strindbergs zweite Ehefrau, mit der er Tochter Karin bekam (1893–1897); und die schwedische Schauspielerin Harriet Bosse, Strindbergs dritte und letzte Gattin, hier mit der gemeinsamen Tochter Anne-Marie fotografiert (1901–1904). Fotos: Strindbergsmuseet

Rückkehr nach Schweden

Nach der Inferno-Krise erlangte Augus Strindberg einen ausgeglicheneren Gemütszustand. Nach Schweden zurückgekehrt, heiratete er zum dritten Mal. Die Ehe mit der Schauspielerin Harriet Bosse war von kurzer Dauer, das Paar trennte sich bald nach der Geburt von Tochter Anne-Marie 1902. Im Jahr 1907 gründete August Strindberg mit dem Schauspieler August Falck in Stockholm das Intime Theater. Strindberg verfasste wieder sozialkritische Werke und wurde in die so genannte Strindberg-Fehde verwickelt.

Krankheit und Tod

Während seiner letzten Lebensjahre hatte August Strindberg eine Wohnung im Stockholmer Zentrum, in der heute auch das Strindberg-Museum untergebracht ist. Die Schauspielerin Fanny Falkner, August Strindbergs letzte große Liebe, lebte im selben Haus. Strindberg starb am 14. Mai 1912, wahrscheinlich an Magenkrebs. Strindbergs Trauerzug umfasste etwa 60 000 Personen. Die Zeitungen, die Strindberg einst heftig kritisiert hatten, schrieben nun glühende Nachrufe – Ironie des Schicksals für einen Schriftsteller, der zeitlebens gegen das Establishment opponiert hatte.

Strindbergs literarisches Erbe

In vier Jahrzehnten schuf August Strindberg etwa 120 literarische Werke, rund die Hälfte davon sind Dramen. Strindberg verfasste auch viele Zeitungsartikel und wissenschaftliche Abhandlungen sowie Tausende von Briefen.

An outdoor production of The People of Hemsö, Strindberg’s own adaptation of one of his most widely read books.
Eine Freilichtproduktion von Die Leute auf Hemsö, Strindbergs eigene Adaption eines seiner meistgelesenen Bücher. Foto: Gomer Swahn

August Strindberg hat sich vor allem als Dramatiker einen Namen gemacht; seine Stücke werden bis heute auf den Bühnen der Welt gespielt. So fand zum Beispiel im Jahr 2005 in China ein großes Strindberg-Festival statt, und im Sommer 2011 wurde in Peking Der Pelikan aufgeführt.

Strindbergs Dramen beeinflussten Schriftsteller und Regisseure wie Edward Albee, Tennessee Williams, Franz Kafka, Eugene O’Neill und Ingmar Bergman.

Etliche Strindberg-Stücke wurden in Dänemark, Deutschland und Österreich uraufgeführt. Erst als Strindberg in den deutschsprachigen Ländern Anklang gefunden hatte, begannen sich auch die Schweden für ihn zu interessieren.

Strindberg war ein Kosmopolit. Ein Drittel seines Lebens verbrachte er in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Dänemark und Österreich, wo er intellektuelle Trends aufnehmen konnte. Mehrere Werke schrieb Strindberg ursprünglich auf Französisch. Strindberg meinte einmal, er müsse erst Europäer werden, bevor sein Wort etwas in Schweden gelte.

Für Strindberg waren seine Dramen sein wichtigstes Ausdrucksmittel. Er schrieb rund 60 Stücke unterschiedlicher literarischer Gattungen und Stile. Kein anderer Dramatiker der letzten hundert Jahre war in so vielen verschiedenen Gattungen so innovativ.

Historiendramen

Die meisten frühen Werke August Strindbergs waren historische Dramen. Strindberg wendete sich dieser im späten 19. Jahrhundert beliebten Gattung im Verlauf seines literarischen Schaffens aber immer wieder zu. Inspirationsquelle waren William Shakespeares Werke und darin vor allem die psychologisch nuancierten Figurenzeichnungen.

Nach einigen Theaterstücken, die wenig Anklang fanden, darunter Der Freidenker (1869) und In Rom (1870), gelang Strindberg 1881 mit der ersten Aufführung von Meister Olof der Durchbruch als Dramatiker. Strindberg hatte dieses 1872 geschriebene Stück etliche Male überarbeitet. Von Künstlern wie Johann Wolfgang von Goethe beeinflusst, entschied sich August Strindberg, mit dramatischen Konventionen zu brechen. Er verzichtete auf Verse und eine deklamatorische Sprache; stattdessen bediente er sich mehrerer Handlungsorte und Alltagsdialogen. Das Stück über den protestantischen Reformator Olaus Petri wurde für seinen psychologischen Realismus gerühmt. Dieser stellte gegenüber der idealistischen Figurenzeichnung, die die damaligen Dramen dominierte, ein Novum dar. Strindbergs Schaffen in dieser Gattung umfasst acht Stücke über schwedische Monarchen.

Naturalistische Dramen

Der Naturalismus setzte sich bei der Dramakunst erst in den späten 1880er Jahren durch – eine Entwicklung, bei der August Strindberg eine wichtige Rolle spielte. Der internationale Durchbruch gelang Strindberg mit seinen Trauerspielen Der Vater (1887), Fräulein Julie (1888) und Gläubiger (1889).

Strindberg with Karin, Greta and Hans, three of his children from his first marriage, in 1886.
Strindberg 1886 mit Karin, Greta und Hans, seinen drei Kindern aus erster Ehe. Foto: Strindbergsmuseet

Strindberg war ein Pionier auf dem Gebiet des ernsten Einakters. Mit seinem ersten naturalistischen Drama Fräulein Julie schockte er seine Zeitgenossen. Im Vorwort legte Strindberg die Kriterien für ein naturalistisches Trauerspiel dar: keine Beschönigungen, Realitätsnähe, kein fingierter Handlungsablauf, keine Einteilung in Akte, keine gemalte Kulisse sowie Mehrdimensionalität der Charaktere.

August Strindbergs naturalistische Dramen sind von den Ideen Charles Darwins und Friedrich Nietzsches durchdrungen; sie präsentieren einen Kampf zwischen dem Starken und dem Schwachen und oft zwischen den Geschlechtern. In Der Vater versucht eine Frau ihren Mann glauben zu machen, er sei verrückt. In Fräulein Julie, Strindbergs am häufigsten aufgeführtes Stück, spielt sich der Machtkampf auf mehreren Ebenen ab: zwischen verschiedenen sozialen Klassen und zwischen einem Mann und einer Frau. In diesem Kammerspiel wird das hochadelige Fräulein Julie von Jean, einem aufstrebenden Diener, verführt und durch Manipulation zum Selbstmord getrieben. Andere naturalistische Dramen Strindbergs sind zum Beispiel Die Stärkere (1888–1889) und Paria (1888–1889), die beide den Kampf zwischen zwei Männern und zwei Frauen darstellen. Der Totentanz (1900) ist eine der dunkelsten Eheschilderungen Strindbergs; hier wird der Naturalismus mit traumartigen Sequenzen durchsetzt.

Märchenspiele

In starkem Kontrast zu August Strindbergs realistischen Dramen stehen seine Märchen- und Traumspiele – allegorische Dramen mit Fantasieelementen. Strindbergs erstes Drama dieser Gattung war Glückspeters Reise (1882), das vermutlich von Henrik Ibsens Peer Gynt inspiriert ist. Andere Stücke mit Märchenqualitäten sind Samum (1889) und Die Schlüssel des Himmelreiches (1892).

A scene from Miss Julie, Strindberg’s most performed play.
Szene aus Fräulein Julie, das am häufigsten aufgeführte Stück Strindbergs. Foto: Håkan Larsson

Die Trilogie Nach Damaskus (1898–1904) schrieb Strindberg gegen Ende der Inferno-Krise; in ihr schildert er seinen Weg zur Versöhnung und die Bekehrung zum Christentum. In formeller Hinsicht war das Stück bahnbrechend: Realität und Traum sind verflochten mit einem Doppelgängermotiv und surrealen Traumszenen.

In Ein Traumspiel (1901) führt Strindberg die experimentellen Elemente von Nach Damaskus weiter. Das Schauspiel handelt von der Tochter des Gottes Indra, die auf die Erde herabsteigt. Der bekannte Strindbergsche Satz „Es ist schade um die Menschen“ stammt aus diesem Stück. Im Vorwort schrieb Strindberg über die ungewöhnliche Struktur:

„Zeit und Raum existieren nicht; auf einem unbedeutenden wirklichen Grunde spinnt die Einbildung weiter und webt neue Muster: eine Mischung von Erinnerungen, Erlebnissen, freien Einfällen, Ungereimtheiten und Improvisationen.

Die Personen teilen sich, verdoppeln sich, dublieren sich, verdunsten, verdichten sich, zerfließen, sammeln sich. Aber ein Bewusstsein steht über allen, das ist das des Träumers; für das gibt es keine Geheimnisse, keine Inkonsequenz, keine Skrupel, kein Gesetz.“

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Satirische Romane

Der Durchbruch als Romancier gelang August Strindberg 1879 mit seinem Debüt Das rote Zimmer. Der Roman war nicht nur Strindbergs erster literarischer Erfolg, er markierte auch den Beginn einer neuen Ära der schwedischen Literatur. Die Handlung mit dem jungen Idealisten Arvid Falk als Hauptperson, der ein Künstlerleben in den Stockholmer Kultur- und Journalismuskreisen führt, gründet sich auf Strindbergs eigenen Erfahrungen. Die alltägliche und urwüchsige Sprache der realistischen zeitgenössischen Satire waren für damalige Romane ungewöhnlich. Strindberg übernahm die beißende Sozialkritik aus Das rote Zimmer in zahlreichen weiteren Werken. Bücher wie Das schwedische Volk (1881–1882) und August Strindbergs kleiner Katechismus für die Unterschicht (1884) beinhalten ebenso scharfe Angriffe auf den Staat, die Schulen und die Kirche wie die Satire Das neue Reich (1882).

Gedichte

August Strindbergs Gedichte waren sowohl inhaltlich als auch formell radikal. Wie in seiner Prosa bediente sich Strindberg auch bei seinen lyrischen Werken der Umgangssprache und schrieb in freien oder unregelmäßigen Versen. Thematisch bewegen sich seine Gedichte zwischen satirischen Werken und zartsinnigen Schöpfungen über die Liebe und die Schärenlandschaft. Der Zyklus Der Schlafwandler (1884), eine Folge fünf philosophischer Gedichte, gilt als eines der wichtigsten Werke Strindbergs.

Enthüllungsstücke

August Strindbergs Prosa ist oft autobiografisch. In Der Sohn einer Magd (1886) erzählt er seine Kindheit und Jugend sowie seine frühen Jahre als Schriftsteller nach. Es handelt sich aber nicht um eine Autobiografie – der Roman ist in der dritten Person gehalten. Außerdem ist Strindberg als Erzähler seines eigenen Lebens nicht ganz verlässlich. So war seine Erziehung weitaus weniger proletarisch als von ihm geschildert.

Die Beichte eines Thoren (1887–1888) entstand während der Turbulenzen in der Ehe mit Siri von Essen. Die Art und Weise, in der Strindberg die Ehefrau darstellte, sorgte für beträchtliche Diskussionen über das Werk. Zuvor hatte Strindberg den zeitgenössischen Feminismus und die Institution der Ehe in seiner zweibändigen Novellensammlung Heiraten (1884–1886) angegriffen.

In den Jahren 1894 bis 1896 erlebte Strindberg eine ernste religiöse und psychische Krise, die so genannte Inferno-Krise. Nach einer langen Schreibpause verfasste er den Roman Inferno (1897), in der er eine gequälte Seele schildert, die sich in Wahnvorstellungen von übernatürlichen Kräften verzehrt. Legenden (1898) und Jakob ringt (1898) führten Inferno fort. Der Inferno-Krise entsprang auch das vielleicht bissigste Werk Strindbergs: Okkultes Tagebuch (1896–1908).

Strindberg's plays are performed worldwide
Strindbergs Dramen werden auf der ganzen Welt aufgeführt.
Illustration: Teatro del Terror und Adam Hitt

Schärenschilderungen

Strindberg verbrachte viel Zeit in den Stockholmer Schären. Seine lebenslange Liebe zur Schärenlandschaft durchdringt seine Prosa und seine Malerei. Ein wiederkehrendes Thema in seinen Schärenbüchern ist der Konflikt zwischen Stadt und Land, zwischen Zivilisation und Natur. Die Leute auf Hemsö (1887) ist eine der am häufigsten gelesenen Schärennovellen Strindbergs; trotz ihres dunklen, bitteren Tons ist sie ungewöhnlich gefällig.

Am offenen Meer (1890) ist eine düsterere Schilderung des Schärenlebens; wie Die Leute auf Hemsö beschreibt sie die Konflikte zwischen Ansässigen und Außenstehenden.

A self-portrait taken in the Stockholm archipelago in 1891.
Selbstporträt, 1891 in den Stockholmer Schären entstanden.
Foto: Strindbergsmuseet

Strindberg und die Frauen

August Strindbergs Haltung zur Frauenemanzipation ist äußerst kontrovers. Schon in seiner Zeit wurde Strindberg von vielen als Frauenfeind betrachtet. Die Richtigkeit dieser Einschätzung dementierte Strindberg nachdrücklich. Er sei nicht gegen Frauen eingestellt, sondern vielmehr gegen die Frauenbewegung. Er fühlte sich von einer „internationalen Frauenliga“, wie er es ausdrückte, verfolgt und tat seine Meinung in Essays wie Die Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann (1890) international kund. Die negativen Beschreibungen von Frauen in Strindbergs Werken fielen meistens mit den Krisen in seinen Ehen zusammen.

Strindbergs Frauenbild wurde vielfach interpretiert. Kann man Strindberg lesen, ohne die bissigen Schilderungen von Frauen zu beachten? Inwieweit erklärt sich Strindbergs Frauenbild aus seiner labilen Psyche? Was bedeutet das für die Rezeption von Strindbergs Schaffen? Die Meinungen hierzu gehen – wie bei so vielen anderen Aspekten des Strindbergschen Schaffens – immer noch auseinander.


Herausgeber: Schwedisches Institut  Erscheinungsdatum: Februari 2012

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