
Schwedisches Design ist ebenso von der Verwendung traditioneller kunsthandwerklicher Techniken gekennzeichnet wie durch wie durch den Einsatz moderner Verfahren. Der einem Wasserfall nachempfundene Sessel Kaskad des Designers Björn Dahlström gewann 2012 den schwedischen Preis Design S. Foto: Björn Dahlström
Schweden hat international den Ruf, alle guten Eigenschaften des skandinavischen Designs zu repräsentieren. Dieser – oft als minimalistisch bezeichnete – Stil mit klaren, einfachen Linien und ausgeprägt funktionalistischen Zügen entstand in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Zu den Pionieren des schwedischen Designs gehören der Produktdesigner Sixten Sason und die Textildesignerin Märta Måås-Fjetterström, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts einem technikorientierten Designansatz verschrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das schwedische Design besonders einflussreich. Große Namen waren Bruno Mathsson, Möbeldesign, Astrid Sampe, Textildesign, und Anders Beckman, Grafikdesign.
Im Laufe der Jahre erwarb sich das schwedische Design auch den Ruf, für einen sozial orientierten Stil zu stehen, der die menschlichen Lebensbedingungen reflektiert.
Besonders erfolgreich ist das schwedische Möbeldesign. Es brachte sowohl bodenständige Objekte wie die immer noch sehr beliebten Holzstühle im Windsor- Stil als auch raffinierte, aber gleichzeitig immer praktische Einrichtungsgegenstände hervor.
Das schwedische Kunstgewerbe ist heute lebendiger und ausdrucksstärker als je zuvor. Es bietet nicht nur traditionelles Kunsthandwerk wie die beliebten Glaserzeugnisse und die Produkte der Samen, sondern auch dem Zeitgeist entsprechende Arbeiten aus modernen Materialien. Diese Diversität erklärt sich unter anderem dadurch, dass seit einiger Zeit die konventionellen Ansätze im kunsthandwerklichen Bereich an den schwedischen Kunstgewerbehochschulen hinterfragt werden.
Die Gegenwart kommentieren
Vor rund zehn Jahren begannen immer mehr Studenten und Hochschulabgänger, sich vom traditionellen Technik-, Material- und Funktionsdenken abzuwenden. Stattdessen wollten sie durch ihre Werke kommunizieren und mit ihnen die Gegenwart und das eigene Schaffen kommentieren. Dabei konnten die kommerzielle Kultur und deren vielfältigen Erscheinungsformen den gleichen Stellenwert wie die traditionellere Ästhetik erlangen.
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Babuschka-Gefäße von Monica Förster. Foto: Monica Förster |
Berühmte Designer
Schweden hat viele talentierte Designer, die weltweit für schwedische Unternehmen wie Ikea und H&M tätig sind. Andere arbeiten unter ihrem eigenen Namen, darunter die Architekten und Designer Claesson Koivisto Rune und Thomas Sandell sowie die Glaskünstlerin und Designerin Ulrica Hydman-Vallien, die gleichermaßen Keramikwaren, Aquarelle und Textilien wie Glas- und Acrylmalereien schafft.
Die zeitgenössische schwedische Designszene kann viele Vertreter mit Weltruf vorweisen. Zu ihnen zählt auch Monica Förster, die einige der bekanntesten schwedischen Designobjekte der jüngeren Zeit entwarf und bereits für Auftraggeber wie Cappellini, Svenskt Tenn und Richard Lampert tätig war. Förster verbindet reine Form und neue Technologien; sie ist im Produktdesign gleichermaßen zu Hause wie im Möbeldesign.
Thomas Bernstrand ist der Designer hinter preisgekrönten Produkten wie der Garderobe Gobble und dem Sessel People. Er studierte an der Hochschule Konstfack und ist für sein Unternehmen Bernstrand Design Studio tätig, das er 1999 gründete.
Nachhaltige Entwicklung
Schwedische Designer beachten bei ihrer Arbeit den Aspekt der nachhaltigen Entwicklung immer stärker. Dadurch steigern sie nicht nur den Mehrwert ihrer Produkte, sondern auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der Designer wird zu einem logischen Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten. Gute Designlösungen können die nachhaltige Entwicklung somit langfristig begünstigen.
Die Ökodesign-Richtlinie der EU wirkte sich auch auf schwedische Designprodukte aus. Die Direktive war 2009 im Rahmen der Bemühungen erlassen worden, den Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken; sie legt Mindestnormen für die Energieeffizienz von Erzeugnissen fest, die in der EU verwendet werden.

Gewebter Kautschukbodenbelag von Bolon. Foto: Bolon
Das 1993 von Nirvan Richter ins Leben gerufene Unternehmen Norrgavel wird nach humanistischen, ökologischen und existenziellen Gesichtspunkten geführt. Es verkauft von Richter designte Möbel und Einrichtungsdetails. Norrgavel ist der Nachhaltigkeit zutiefst verpflichtet und war das erste Unternehmen in Schweden, das das Schwanen-Label (Svanen) – die Öko-Kennzeichnung der nordischen Länder – für Wohnungsmöbel tragen durfte. Im Jahr 1999 wurde Norrgavel in Zusammenarbeit mit dem WWF Möbelbranschens Miljöpris zugesprochen, der Umweltpreis der schwedischen Möbelindustrie.
Bolon ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Seit 2003 leiten die Schwestern Marie und Annica Eklund die auf dem Gebiet der Teppichproduktion tätige Firma. Sie entwerfen gewebte Teppiche für Lebensräume, in denen Kreativität und Inspiration im Mittelpunkt stehen. Für die von schädlichen Zusatzstoffen freien Gewebe werden wiederverwertbare Rohmaterialien verwendet. Bolon ist auch für Top-Modehäuser tätig, so jüngst für Missoni.
Großes Studienangebot
In Schweden gibt es viele renommierte Design- und Kunsthochschulen, so zum Beispiel:
Konstfack
Eine der ältesten schwedischen Designund Kunsthochschulen ist Konstfack. Die bereits 1844 gegründete Hochschule im Süden von Stockholm bietet Bachelorund Master-Ausbildungen an. Sie hat rund 900 Studierende und 200 Angestellte.
Designhochschule Umeå
Diese in die nordschwedische Universität Umeå integrierte Designhochschule bietet vier Studiengänge mit dem Fokus auf Produktdesign und auf verwandte Spezialisierungen an. Sie wurde 1989 ins Leben gerufen.
Beckmans Designhochschule
Beckmans Designhögskola in Stockholm wurde 1939 vom Grafikdesigner Anders Beckman gegründet, einem Pionier der jungen schwedischen Werbeindustrie. Hier lernen die Studierenden, ihrer Fantasie und Kreativität zu vertrauen und in Zusammenarbeit mit Studierenden aus der eigenen Gruppe, aber auch aus anderen Disziplinen der Hochschule ihren höchsteigenen Stil zu entwickeln.

Der Konstfack-Ausstellungssaal Vita Havet. Foto: Konstfack
Hochschule für Design und Kunsthandwerk
Die Högskolan för Design och Konsthantverk gehört zur Göteborger Universität. Die Kunsthandwerksausbildungen haben unter anderem die Schmuck-, Textil- und Keramikkunst als Themenschwerpunkte.
Textilhochschule Borås
Die Textilhögskolan Borås kann in allen Textilbereichen – von Handwerk und Design bis Technologie, Produktion, Wirtschaft und Marketing – mit Kompetenz aufwarten.
Außerdem gibt es mehrere Ausbildungsstätten mit Schwerpunkt Grafikdesign und Kommunikation, darunter zum Beispiel Berghs, Forsbergs und Hyper Island. Bei den Studienprogrammen dieser Institutionen werden kommunikationswissenschaftliche Kurse mit Lehrveranstaltungen zu den Themen Grafikdesign und Kreativität verbunden.
Schwedische Designpreise
Design S – Die nationale Designauszeichnung Schwedens
Mit diesem Preis werden designinterdisziplinär kreative und innovative Problemlösungen in allen erdenklichen Produkt- und Dienstleistungsbereichen sowie Kontexten honoriert. Der Schwerpunkt liegt auf „Design für Nachhaltigkeitsbelange inklusive Klima, Umwelt, gesellschaftliche Wohlfahrt und langfristige Lebensqualität“. Der für professionelle Designer und Produzenten gedachte Design-S-Preis wird alle zwei Jahre von Svensk Form und SVID vergeben. Es wird kein Preisgeld gezahlt; stattdessen werden die Preisträger und Nominierten in einer internationalen Wanderausstellung präsentiert. Der Preis soll auch Wirtschaftsvertreter und öffentliche Entscheidungsträger dazu inspirieren, sich Design nutzbar zu machen, um Wertentwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlfahrt zu fördern.
Großer Designpreis
Eine weitere prestigeträchtige Ehrung ist Stora Designpriset, der jedes Jahr an erfolgreiche schwedische Unternehmen und deren Designer verliehen wird. Mit dieser Auszeichnung soll hervorgehoben, wie wichtig Industriedesign für die Produktentwicklung und die Wirtschaftlichkeit ist. Der Preis wird in Zusammenarbeit mit SVID und Svensk Form vom Maschinenindustrieverband Teknikföretagen zogesprochen.
Torsten-und-Wanja-Söderberg-Preis
Diese Auszeichnung wird jedes Jahr vom Göteborger Museum Röhsska museet für „innovative und bedeutende Leistungen im Bereich Kunsthandwerk und Design“ in den nordischen Ländern verliehen. Das Preisgeld beträgt 1 Million SEK.
Junges schwedisches Design
Bei Ung Svensk Form teilnehmen zu dürfen, ist eine Ehre! Ziel der von einer Jury konzipierten Wanderausstellung ist es, ein Schlaglicht auf junge Designer zu werfen und deren Schaffen zu honorieren. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass bei allen Prozessen der Projektrealisierung die Aspekte Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein berücksichtigt wurden.
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Im Jahr 2010 wurde Front der Torsten-und-Wanja Söderberg-Preis zugesprochen. Die multikompetente Designgruppe besteht aus Sofia Lagerkvist, Anna Lindgren und Charlotte von der Lancken, die alle auf Cross-over-Design spezialisiert sind. Bei der Produktgestaltung schöpfen die Designerinnen von Front aus ihren Erfahrungen und den Ergebnissen von Diskussionen und Experimenten.
Vase von Front. Foto: Front |

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Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
Februar 2013
Copyright :
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