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Raoul Wallenberg:
Ein Einzelner kann etwas bewirken

Mut und Zivilcourage waren die einzigen Waffen, die Raoul Wallenberg einsetzte, als er Zehntausende Juden vor dem Holocaust rettete. Seine Geschichte bewegte die Welt. Und seine Verdienste erinnern bis heute an die Notwendigkeit, den Rassismus zu bekämpfen.

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Charlotte Gyllenhammar’s creation in Göteborg is one of many Raoul Wallenberg monuments around the world.
Charlotte Gyllenhammars Kunstwerk in Göteborg ist eines von vielen Wallenberg-Denkmälern weltweit. Foto: Per Wissing/GT/Scanpix

In Jerusalem erinnert Yad Vashem an die sechs Millionen Juden, die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordet wurden. Die Allee der Gerechten unter den Völkern, die Teil dieser Gedenkstätte ist, wird von sechshundert Bäumen gesäumt. Sie wurden zu Ehren nichtjüdischer Menschen gepflanzt, die ihr Leben riskierten, um Juden vor den Nazischergen zu retten. Einer der Bäume trägt Raoul Wallenbergs Namen.

Ist einer von sieben Ehrenbürgern der USA

Nur wenige Schweden haben so viel internationale Anerkennung und Aufmerksamkeit erlangt wie Raoul Wallenberg. Wallenberg war 1981 der zweite Mensch, der zum Ehrenbürger der Vereinigten Staaten ernannt wurde. Zu den anderen sechs Ehrenbürgern gehören Winston Churchill und Mutter Teresa. Im Jahr 1985 wurde Wallenberg Ehrenbürger Kanadas und 1986 Ehrenbürger Israels.

Wäre 2012 hundert geworden

Auf der ganzen Welt gibt es Denkmäler, Statuen und andere Kunstwerke zu Ehren von Raoul Wallenberg. Sein Andenken wird durch Bücher, Musik und Filme gewahrt, und etliche Gebäude, Plätze, Straßen, Schulen und andere Institutionen tragen Wallenbergs Namen.

Im Jahr 2012 jährt sich Wallenbergs Geburtstag bereits zum hundertsten Mal, Wallenbergs humanitäre Leistungen haben aber Fortbestand bis in unsere Zeit. Sie erinnern daran, dass im Kampf gegen den Rassismus jeder gefordert ist. Und sie zeigen auf, wie wichtig es ist, Mut zu beweisen und Stellung zu beziehen. Denn ein Einzelner kann etwas bewirken!

Bot Schutz in „Schwedischen Häusern“

Diplomat und Geschäftsmann Raoul Wallenberg wurde im Juni 1944 zum Sekretär der schwedischen Auslandsvertretung in Budapest ernannt. Sein Auftrag bestand darin, eine Rettungsaktion für Juden auf den Weg zu bringen, und er wurde Chef einer Sonderabteilung. Wallenberg stellte schwedische Schutzpässe aus und mietete Gebäude („Schwedische Häuser“), in denen Juden Zuflucht suchen konnten. So rettete er Zehntausende Leben.

Im Januar 1945 wurde Raoul Wallenberg von sowjetischen Streitkräften verhaftet. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Von russischer Seite wird angegeben, dass Wallenberg am 17. Juli 1947 in einem sowjetischen Gefängnis verstorben sei. Allerdings deuten etliche Zeugenberichte darauf hin, dass er lange Zeit über dieses Datum hinaus gelebt haben könnte.

Raoul Wallenberg (right) surrounded by colleagues in Budapest, 1944.
Raoul Wallenberg (re.) mit Arbeitskollegen, Budapest, 1944.
Bildquele: Karl Gabor

Schutzpässe retteten Juden

Indem Raoul Wallenberg Schutzpässe ausstellte und sichere Gebäude mietete, rettete er in Budapest Zehntausende Juden.

Im Jahr 1944 richteten die USA den War Refugee Board (WRB) ein, eine Organisation, die Juden vor der Verfolgung durch die Nazis retten sollte. Als der WRB begriff, dass Schweden ernsthafte Bemühungen unternahm, in Ungarn Juden in Sicherheit zu bringen, suchte er nach jemandem, der in Budapest eine groß angelegte Rettungsaktion auf den Weg bringen konnte. Diese Aufgabe wurde Raoul Wallenberg angetragen, der sie auch annahm.

Vor Wallenbergs Ankunft in Budapest assistierte Valdemar Langlet, ein Delegierter des Schwedischen Roten Kreuzes, der schwedischen Gesandtschaft. Langlet mietete im Namen des Roten Kreuzes Gebäude, die er zum Beispiel mit „Schwedische Bibliothek“ und „Schwedisches Forschungsinstitut“ anschrieb. Diese Häuser wurden als Zufluchtsstätten für Juden genutzt.

Tausende von Pässen

Als erstes veranlasste Raoul Wallenberg den Entwurf eines schwedischen Schutzpasses.

Weil deutsche und ungarische Bürokraten eine Schwäche für Symbolik hatten, ließ Wallenberg die Pässe in Blau-Gelb drucken und in der Mitte mit dem schwedischen Wappen prägen. Er versah die Ausweise mit passenden Stempelabdrucken und Unterschriften. Wallenberg konnte das ungarische Außenministerium davon überzeugen, 4 500 Schutzpässe zu bewilligen; tatsächlich fertigte er aber dreimal so viele Ausweise aus.

Gegen Kriegsende, als die Bedingungen immer prekärer wurden, stellte Wallenberg eine Schutzpassversion aus, die nur seine Unterschrift trug. Im herrschenden Chaos genügte sogar dieser vereinfachte Ausweis.

Bei der Verfolgung seiner Ziele bediente sich Wallenberg der Bestechung ebenso wie der Androhung von Erpressung. Die anderen Diplomaten der schwedischen Gesandtschaft standen Wallenbergs unkonventionellen Methoden zunächst skeptisch gegenüber. Aber als er mit seinen Bemühungen Erfolg hatte, erhielt Wallenberg schnell Rückenstärkung. Seine Abteilung wurde vergrößert und umfasste zeitweise mehrere hundert Mitarbeiter.

Am 20. November 1944 leitete Adolf Eichmann eine Serie von Todesmärschen ein, bei denen Tausende Juden Ungarn unter härtesten Bedingungen zu Fuß verlassen mussten. Wallenberg half den Menschen, indem er Pässe, Nahrung und Medikamente verteilte. Im Januar 1945 erreichten die sowjetischen Truppen Budapest, am 17. Januar wurde Wallenberg von sowjetischen Streitkräften gefangen genommen

Die Suche nach Wallenberg

Raoul Wallenbergs Schicksal bleibt so faszinierend wie mysteriös. Bis heute ist nicht genau geklärt, was nach seiner Festnahme mit Wallenberg geschah. Im April 1945 wurde deutlich, dass Wallenberg verschollen war. Gemäß Informationen von russischer Seite hielt er sich nicht in der Sowjetunion auf.

Anfang der 1950er Jahre sagten heimkehrende Kriegsgefangene aus, dass sie Wallenberg in einem Moskauer Gefängnis begegnet seien. Dies führte zu erneuten schwedischen Bemühungen. Im Jahr 1957 lieferte die sowjetische Regierung eine neue Antwort. Man habe ein handgeschriebenes Dokument vom 17. Juli 1947 gefunden, das bekundete, dass „der Häftling Walenberg [sic] ... vergangene Nacht in seiner Zelle verstarb“.

Wallenberg’s personal effects were handed over by Russia in 1989.

Im Jahr 1989 übergab die damalige Sowjetunion Raoul Wallenbergs persönliche Gegenstände.
Foto: Arthur Max/Scanpix


Schweden war skeptisch, aber die Sowjetunion hielt über dreißig Jahre an dieser Version fest. Im Oktober 1989 führten Nachfragen von Seiten der schwedischen Regierung und der Familie Wallenberg zu einem Erfolg. Vertreter der Familie wurden zu einer Erörterung nach Moskau eingeladen. Anlässlich dieses Treffens wurden der Familie unter anderem Wallenbergs Pass und Taschenkalender überreicht. Die Dinge waren anscheinend bei Reparaturarbeiten im KGB-Archiv gefunden worden.

Zwei Jahre später vereinbarten die schwedische und die sowjetische Regierung die Benennung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Aufklärung von Raoul Wallenbergs Schicksal. Die Bemühungen der Arbeitsgruppe, deren Berichte im Januar 2001 veröffentlicht wurden, brachten keine abschließenden Antworten; man kam zum Schluss, dass noch viele Fragen offen seien und dass das Wallenberg-Dossier deshalb nicht geschlossen werden könne.

The Hall of Names at the Yad Vashem Holocaust memorial in Jerusalem.
Die Halle der Namen der Yad-Vashem-Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Foto: Sebastian Scheiner/Scanpix

Ein diplomatisches Scheitern

Im Oktober 2001 bildete die schwedische Regierung mit der Eliasson-Kommission ein offizielles Gremium, das prüfen sollte, was die Akteure der schwedischen Außenpolitik im Fall Wallenberg unternommen hatten. In seinem 2003 erschienenen Bericht fasst der Untersuchungsausschuss die politischen Schritte von schwedischer Seite unter dem Titel „Ein diplomatisches Scheitern“ zusammen.

Der geeignete Mann für den Auftrag

Wie konnte ein Einzelner so viele Leben retten? Raoul Wallenberg war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Raoul Wallenberg war kein Held im klassischen Sinne, aber er war furchtlos und verfügte über Verhandlungs- und Organisationsgeschick. So beschrieb ihn der schwedische Diplomat Per Anger (1913–2002), der während des Kriegs als Sekretär der schwedischen Gesandtschaft in Budapest stationiert war. Auch sein sozialer Hintergrund und seine Erziehung verliehen Wallenberg einzigartige Fähigkeiten.

Studierte Architektur im Ausland

Die Wallenbergs sind eine der bedeutendsten schwedischen Familien und brachten über Generationen hinweg einflussreiche Bankiers, Diplomaten und Staatsmänner hervor. Raouls Vater war ein Cousin von Jacob und Marcus Wallenberg, zwei der bekanntesten schwedischen Finanzmänner und Industriellen des 20. Jahrhunderts. Eigentlich hätte auch Raoul eine Bankierslaufbahn einschlagen sollen, aber er interessierte sich mehr für Architektur und Handel. Im Jahr 1931 ging er in die USA, um an der Universität von Michigan Architektur sowie Englisch, Deutsch und Französisch zu studieren.

In 1931, Raoul Wallenberg went to the US to study architecture, English, German and French.
Im Jahr 1931 ging Raoul Wallenberg in die USA, um Architektur, Englisch, Deutsch und Französisch zu studieren. Bildquele: Karl Gabor

Bei seiner Rückkehr in die Heimat im Jahr 1935 stellte Raoul Wallenberg fest, dass er mit seinem US-Abschluss in Schweden nicht als Architekt tätig sein durfte. Zwischen 1935 und 1936 arbeitete er in einer Niederlassung der Holland Bank im damals palästinensischen Haifa. Zu jener Zeit kam Wallenberg erstmals mit Juden in Kontakt, die aus Hitler-Deutschland geflohen waren. Ihre Geschichte berührte ihn zutiefst.

Arbeitete sich an die Spitze

Wieder zurück in Stockholm arbeitete Raoul Wallenberg bei der Mellaneuropeiska Handels AB, einem in Stockholm und Mitteleuropa tätigen Import- Export Unternehmen im Eigentum von Kálmán Lauer, einem ungarischen Juden. Seine Fremdsprachenkenntnisse und die Tatsache, dass er ungehindert in Europa herumreisen konnte, machten Wallenberg zum perfekten Geschäftspartner für Lauer. Schnell wurde Wallenberg Großaktionär und internationaler Manager des Unternehmens. Bei seinen Reisen nach Deutschland und in das von den Nazis besetzte Frankreich lernte er schnell, wie die deutsche Bürokratie funktionierte – Kenntnisse, die sich als höchst wertvoll erweisen sollten.

Geschützt durch den Diplomatenstatus

Raoul Wallenberg war auch ein begabter Schauspieler, was ihm bei seinen Konflikten mit den Nazis zugutekam. Er konnte ruhig, humorvoll und warmherzig sein oder aggressiv und furchterregend. Er hatte die Fähigkeit, bei einer Gelegenheit zu schmeicheln und zu schmieren, bei einer anderen zu donnern und zu drohen. Die Nazis waren von Wallenberg beeindruckt und kamen seinen Forderungen gewöhnlich nach. Als förderlich erwies sich auch der schwedische Diplomatenstatus, den die Nazis nicht zu verletzen wagten. Bei ihrem letzten Zusammentreffen am 10. Januar 1945 richtete Per Anger die dringende Bitte an Raoul Wallenberg, sich in Sicherheit zu bringen. Wallenberg antwortete: „Für mich gibt es keine andere Wahl. Ich habe diese Aufgabe übernommen, und ich könnte nie nach Stockholm zurückkehren, wenn ich nicht die Gewissheit hätte, dass ich alles in menschlicher Macht Stehende getan habe, um so viele Juden wie möglich zu retten.“

Internationales Gedenken an Wallenberg

In vielen Ländern der Welt wurden zum Gedenken an Raoul Wallenberg Ehren- und Denkmäler errichtet. Hier eine Auswahl:

A briefcase in bronze by Ulla and Gustav Kraitz marks Wallenberg’s birthplace in Stockholm; Raoul Wallenberg’s sister, Nina Lagergren, visits her brother’s monument in Budapest; Five black diabase columns, mined from Swedish bedrock, were erected in New York as a tribute to Raoul Wallenberg.
Im Uhrzeigersinn v. li.: Eine Aktentasche aus Bronze, geschaffen von Ulla und Gustav Kraitz, markiert den Standort von Raoul Wallenbergs Geburtshaus in Stockholm. Nina Lagergren, Raoul Wallenbergs Schwester, besucht das Budapester Wallenberg-Denkmal. In New York wurden fünf aus schwedischem Grundgestein geschaffene Diabas-Säulen errichtet.
Fotos: Jack Mikrut/Scanpix, Szilard Koszticsak/Scanpix, Timothy A. Clary/Scanpix

Persönliche Zeugenaussagen

Raoul Wallenbergs Wirken in Budapest hatte Einfluss auf unzählige Lebensgeschichten. Lesen Sie zwei von vielen Zeugenaussagen:

Joni Moser

„Ich war Wallenbergs Bote. Weil ich Deutsch und Ungarisch sprach, konnte ich Sperren passieren und war als Botengänger gut gerüstet.“

Moser berichtet von dem Tag, an dem Wallenberg erfuhr, dass rund 800 jüdische Arbeiter nach Mauthausen marschieren mussten. Moser fuhr mit Wallenberg zu diesem Marsch. Wallenberg bat diejenigen mit schwedischem Pass um ein Handzeichen. „Auf seine Anordnung rannte ich zwischen den Reihen hin und her und sagte den Männern, sie sollten die Hand heben, ob sie nun einen Pass hatten oder nicht. Er forderte dann, alle, die die Hand gehoben hatten, in seine Obhut zu stellen, und sein Verhalten war von einer Art, dass sich ihm keine ungarische Wache entgegenstellte. Das Außergewöhnliche war die absolut überzeugende Kraft seines Auftretens.“

Tibor und Agnes Vandor

Tibor Vandor und seine Frau Agnes waren Mitarbeiter von Raoul Wallenberg. Agnes stand kurz vor der Entbindung. Alle Krankenhäuser waren für Juden gesperrt, und die „Schwedischen Häuser“ waren überfüllt. Wallenberg fand einen Arzt und brachte die Vandors in seine Wohnung an der Ostrom-Straße. Er überließ der jungen Agnes sein Bett und zog sich zum Schlafen in die Diele zurück. Am frühen Morgen verkündete der Arzt, dass Yvonne Maria Eva nun da sei. Der Bitte der Vandors, die Patenschaft für das Mädchen zu übernehmen, kam Wallenberg gütig nach.

Weitere Zeugenaussagen über Raoul Wallenberg:

www.raoulwallenberg.org

Mutige Menschen bewirken etwas

Viele andere heldenhafte Menschen kämpften und kämpfen wie Raoul Wallenberg – auf der Seite der Schwachen sowie gegen Unterdrückung, Gewalt und Verfolgung. Anton Abele, Stig Wallin, Stieg Larsson und Ingrid Segerstedt-Wiberg sind vier von ihnen.

Member of Parliament Anton Abele; 5-Minutes-to-12 leader Stig Wallin; journalist and author Stieg Larsson; journalist, author and politician Ingrid Segerstedt-Wiberg.
Von li. nach re.: Parlamentsmitglied Anton Abele; Leiter der 5-vor-12-Bewegung Stig Wallin; Journalist und Autor Stieg Larsson; Journalistin, Autorin und Politikerin Ingrid Segerstedt-Wiberg.
Foto, von li. nach re.: Claudio Bresciani/Scanpix, Gunnar Stattin, Jan Collsiöö/Scanpix, Anders Wiklund/Scanpix

Kampf gegen Straßengewalt

Nachdem der schwedische Teenager Riccardo Campogiani am 6. Oktober 2007 in Stockholm totgeschlagen worden war, beteiligte sich Anton Abele (* 1992) an einer Kampagne gegen Straßengewalt. Abele schuf die Facebook-Gruppe Bevara oss från gatuvåldet (Bewahrt uns vor Straßengewalt), die schnell auf über 100 000 Mitglieder anwuchs. Am 12. Oktober 2007 organisierte Abele eine Demonstration, an der mehr als 10 000 Menschen teilnahmen. Im Jahr 2007 gründete er auch die Organisation Stoppa gatuvåldet (Stoppt Straßengewalt).

Als Abele im Oktober 2010 für die Moderate Sammlungspartei in den Riksdag einzog, wurde er das zweitjüngste Mitglied des schwedischen Parlaments aller Zeiten.

5i12-rörelsen

Die 5vor12-Bewegung engagiert sich in der Bildung der öffentlichen Meinung über Xenophobie und Rassismus. Sie wurde 1988 in Härnösand von Jugendlichen gegründet und entstand als Reaktion auf Gewalt und Schikane gegenüber Flüchtlingen. Die Bewegung bekam ihren Namen von der Uhrzeit, zu der man sich jeden Sonntag zu Demonstrationen traf.

Kopf der Bewegung wurde Stig Wallin (1943–2009). Im Jahr 1989 wurden Wallins ebenfalls in der Bewegung aktive Tochter Sara und deren Freundin ermordet. Der Täter war ein junger Flüchtling. Wallin machte es zu seiner Lebensaufgabe, das Engagement seiner Tochter weiterzuführen. Er fand in der Tragödie seine Antriebskraft und setzte sich für Versöhnung ein, statt sich Hass und Rache hinzugeben.

Gab dem Antifaschismus eine Stimme

Der Journalist und Autor Stieg Larsson (1954–2004) ist berühmt für seine Millennium-Trilogie. Er ist aber auch bekannt für sein Engagement für Demokratie und Antifaschismus.

Mitte der 1980er Jahre wurde Larsson Mitinitiator des Projekts Stoppa rasism (Stoppt Rassismus). Im Jahr 1988 begann er gemeinsam mit der Journalistin und Autorin Anna-Lena Lodenius eine Kartografierung des organisierten Rassismus, die zu den größten schwedischen Studien dieser Art gehören sollte. Die Ergebnisse wurden im 1991 erschienenen Buch Extremhögern (Die extreme Rechte) veröffentlicht.

Larsson war auch Mitbegründer der Expo-Stiftung und des gleichnamigen Magazins. Die Stiftung kartografiert und überwacht rechtsextreme und rassistische Tendenzen in der Gesellschaft und informiert über solche Entwicklungen. Das Magazin wurde gegründet, um die Demokratie und die Freiheit der Meinungsäußerung zu verteidigen sowie rassistische, antisemitische und totalitäre Tendenzen in der Gesellschaft zu bekämpfen. Im Jahr 1999 wurde Larsson Chefredakteur, eine Position, die er bis zu seinem Tod innehatte. Larsson starb am 9. November 2004 an einem Herzinfarkt.

Pionierin für Menschenrechte

Die Journalistin, Autorin und Politikerin Ingrid Segerstedt-Wiberg (1911–2010) machte es sich zur Lebensaufgabe, für Menschenrechte, Freiheit, Frieden und Demokratie zu kämpfen. Als Tochter des Zeitungsredakteurs und Nazigegners Torgny Segerstedt beschäftigte sie sich schon früh mit der Flüchtlingsarbeit und antinationalsozialistischen Strömungen. Wegen ihres Engagements in internationalen Fragen wurde Segerstedt-Wiberg bei den Vereinten Nationen, dem Nordischen Rat und der UNICEF tätig.


Herausgeber: Schwedisches Institut  Erscheinungsdatum: Januar 2012

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