
Noomi Rapace als Lisbeth Salander in Verdammnis, dem zweiten Film der hochgelobten Millennium-Trilogie Foto: Nordisk Film
Die Regisseure Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson debütierten 2010 mit ihrer außergewöhnlichen, skurrilen Musikkomödie „Sound of Noise“ (Sound of Noise). Der Film holte auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes zwei Preise: den Young Critics Award und den Golden Rail Award.
Josef Fares ist einer der angesagtesten und vielfältigsten Künstler des schwedischen Films. Sein jüngster Streifen „Der Vater“ (Farsan, 2010) ist ein heiteres Drama über die Liebe, die Freundschaft und die Kunst, ein Mann zu sein. Der Durchbruch gelang Fares 2000 mit Jalla! Jalla!, einer Komödie über die Liebe, die keine kulturellen Grenzen kennt. 2003 folgte die Polizeikomödie Kops. Im teilweise autobiographischen Film „Zozo“ (Zozo, 2005) findet ein libanesisches Waisenkind in Schweden Asyl. 2007 schuf Fares mit „Leo“ (Leo) ein Drama über Straßengewalt.
Johan Brisingers Debütfilm Mit offenen Armen (Underbara älskade, 2006) wurde von den schwedischen Kritikern bejubelt. In seinem jüngsten Werk „Schutzengelschutz“ (Änglavakt, 2010) schildert Brisinger, wie schnell das Dasein auf den Kopf gestellt werden kann.
Ulf Malmros schrieb das Drehbuch zur Tragikomödie „Der Hochzeitsfotograf“ (Bröllopsfotografen, 2009), bei der er auch Regie führte. Der Film gewann bei der Guldbagge-Verleihung 2010 in der Kategorie Bestes Drehbuch. Zuvor hatte Malmros bereits mit „Dünne Sussie“ (Smala Sussie, 2003) und „Hallo König“ (Tjenare Kungen, 2005) Hits gelandet.
Ruben Östlunds „Zwischenfall vor einer Bank“ (Händelse vid bank) wurde 2010 auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin von der Internationalen Kurzfilm-Jury mit dem Goldenen Berliner Bären geehrt. Der Film ist die Rekonstruktion eines versuchten Raubüberfalls, bei dem der Regisseur Zeuge wurde. Östlund ist auch bekannt für seine Tragikomödie „Die Unfreiwilligen“ (De ofrivilliga, 2008) zum Thema Gruppenzwang.
Tarik Salehs Trickfilm „Metropia“ (Metropia, 2009) ist eine düstere Vision von Europa im Jahr 2024. Saleh war bereits bei „Sacrificio“ (Sacrificio, 2001) und „Gitmo“ (Gitmo, 2006) Koregisseur, doch „Metropia“ war sein erster animierter Spielfilm.
Regisseur, Drehbuchautor und Tontechniker Babak Najafis Film „Sebbe“ (Sebbe, 2010) über einen isolierten Jungen und seine Mutter errang bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2010 den Preis für den Besten Erstlingsfilm. Auch Najafis Filme „Pablos Geburtstag“ (Pablos födelsedag, 2001), „Gösta und Lennart“ (Gösta och Lennart, 2001), „Die Schule“ (Skolan, 2003) und „Elixier“ (Elixir, 2004) waren bei der Kritik sehr gut angekommen.
Berühmte Schweden in Hollywood
Schweden hat viele talentierte Schauspieler und Regisseure, die an kleinen nationalen Filmen gleichermaßen beteiligt sind wie an großen Hollywood-Produktionen.
Stellan Skarsgård gelang der Durchbruch als Schauspieler 1968 in der Fernsehserie „Bombi Bitt und ich“ (Bombi Bitt och jag). Seitdem wurde er für zahlreiche Rollen bejubelt. Viele internationale Zuschauer begeisterte Skarsgård in Lars von Triers Breaking the Waves (1996). Der Schauspieler wirkte auch in Filmen wie Good Will Hunting (1997), King Arthur (2004), Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 (2006), Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt (2007), Mamma Mia! (2008) und Illuminati (2009) mit.
Alexander Skarsgård trat in die Fußspuren seines Vaters Stellan Skarsgård und wurde ebenfalls Schauspieler. Im Alter von gerade mal acht Jahren war er in Åke und seine Welt (1984) erstmals an einem Film beteiligt. Als Derek Zoolanders einfältiger Freund Meekus gelang Skarsgård neben Hauptdarsteller Ben Stiller in Zoolander (2001) der Sprung nach Hollywood. Besonders vielen dürfte Skarsgård als Vampir Eric Northman aus der TV-Serie True Blood bekannt sein.

Alexander Skarsgård als Vampir Eric Northman in True Blood Foto: HBO
Izabella Scorupco mimte 1995 mit großem Erfolg in James Bond 007 – Goldeneye die russische Computer-Expertin Natalya Simonova, das Bond-Girl an der Seite von Pierce Brosnan. Sie wirkte auch in Blockbustern wie Vertical Limit (2000) und Exorzist: Der Anfang (2004) mit. Zuletzt spielte sie im schwedischen Drama „Schutzengelschutz“ (Änglavakt, 2010).
Peter Stormare wurde international besonders bekannt durch seine Rolle als Bösewicht im Film Fargo (1996), bei dem die Cohen-Brüder Regie führten. Seither war Stormare in zahlreichen großen Filmproduktionen zu sehen. Viele erinnern sich sicher an seine Rollen als Jäger Dieter Stark in Vergessene Welt: Jurassic Park (1997) und als zerfahrener Kosmonaut Lev Andropov im Erfolgsstreifen Armageddon – Das Jüngste Gericht (1998). Stormare war auch in Filmen wie Bad Company – Die Welt ist in guten Händen (2002), Minority Report (2002) und Constantine (2005) zu sehen. Zuletzt übernahm er die Rolle des Mr. President in Das Kabinett des Dr. Parnassus (2009).
Lasse Hallström debütierte als Regisseur des schwedischen Fernsehfilms „Pop – ein Riesending zwischen den Ohren“ (Pop – en jättegrej mellan öronen, 1968). Seither ist viel passiert. 1993 zum Beispiel führte Hallström Regie beim bejubelten Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa mit Johnny Depp und Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen und 1995 bei Power of Love mit Julia Roberts und Dennis Quaid. Daraufhin war Hallström Regisseur von Kassenschlagern wie Schiffsmeldungen (2001), Chocolat – Ein kleiner Biss genügt (2002), Ein ungezähmtes Leben (2005) und Casanova (2005). Im Jahr 2010 führte er Regie bei Das Leuchten der Stille mit Channing Tatum und Amanda Seyfried in den Hauptrollen.
Schwedische Filmfinanzierung
Die schwedischen Filmfördermaßnahmen zielen darauf ab, die Produktion, Bewerbung und Distribution von Qualitätsfilmen zu unterstützen, das schwedische Filmerbe zu erhalten und zu pflegen und schwedische Filme im Ausland bekannt zu machen.
Andere Förderungsaufgaben liegen in der Unterstützung der regionalen und lokalen Filmkultur und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Filmemacherinnen.
Mit der damit verbundenen Mittelbeschaffung und anderen Unterstützungsmaßnahmen ist das 1963 gegründete Schwedische Filminstitut betraut.
Gemäß dem am 1. Januar 2006 in Kraft getretenen und bis 31. Dezember 2010 gültigen Filmabkommen wird der schwedische Film durch die Regierung, die Filmindustrie und Fernsehgesellschaften finanziert. Im Jahr 2009 beliefen sich die Beiträge auf eine Summe von ungefähr 386 Millionen SEK (41 Millionen EUR).
Talentierte Dokumentarfilmemacher
Schweden produziert seit Jahren preisgekrönte Kurz- und Dokumentarfilme.
Frida Kempffs und Camilla Skagerströms Film „Micky badet“ (Micky badar, 2010) wurde auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit dem Spezialpreis der Jury bedacht, der gleich hinter der Goldenen Palme rangiert. Der Film handelt von der hundertjährigen Micky, die leidenschaftlich gern im Meer badet. Die wunderbare Geschichte ist eine Reflexion über das Leben und die menschliche Existenz.

Der wunderbare preisgekrönte Kurzfilm „Micky badet“
Foto: Medima Film/C. Skagerström
Patrik Eklunds „Verschlissen“ (Slitage, 2009) gewann 2009 den Canal+ Award für den Besten Kurzfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes und eine Special Jury Mention beim Nordisk Panorama – 5 Cities Film Festival in Reykjavik. Eklund machte auch den Film „Statt Abrakadabra“ (Istället för Abrakadabra, 2008), der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte.
Gunilla Heilborns und Mårten Nilssons gefeierter Dokumentarfilm „Das ist Alaska“ (This is Alaska, 2009) handelt von ein paar Menschen, die in der Hoffnung auf mehr Freiraum nach Alaska ziehen. Der Streifen wurde am Kurzfilmfestival Uppsala Internationella Kortfilmfestival als Bester Schwedischer Kurzfilm ausgezeichnet. Auch auf den Filmfestivals von Rotterdam und Clermont-Ferrand machte er von sich reden.
In seinem Film „Videocracy“ (Videocracy, 2009) schildert der aus Italien stammende, aber in Schweden tätige Erik Gandini die Welt des italienischen Fernsehens, die fast komplett von Ministerpräsident Silvio Berlusconi kontrolliert wird. Der Dokumentarfilm sorgte für viel Aufsehen und erhielt begeisterte Rezensionen. Gandini ist auch bekannt für die packenden Dokumentarfilme „Surplus“ (Surplus, 2003) und „Gitmo“ (Gitmo, 2006), letzterer in Koregie mit Talek Saleh.
Nahid Persson Sarvestanis Farah Diba – Die Kaiserin und ich ist eine Dokumentation über Farah Pahlavi, die ehemalige Kaiserin des Iran. Die schwedisch-iranische Regisseurin nahm selbst an der Revolution teil, die vor dreißig Jahren zur Beendigung der Monarchie im Iran führte.
Die regionale Filmproduktion boomt
Die regionalen schwedischen Filmproduktionszentren erlebten im vergangenen Jahrzehnt einen regelrechten Boom. Nie zuvor wurden so viele schwedische Filme außerhalb Stockholms produziert.
Trollywood
Das regionale Produktionszentrum Film i Väst im Südwesten Schwedens ist besser unter der Bezeichnung Trollywood bekannt (abgeleitet vom Sitz des Filmproduktionszentrums, der Stadt Trollhättan). Hier wurden unter anderem „Balls“ (Balls, 2010), „An der Decke leuchten die Sterne“ (I taket lyser stjärnorna), „Mammut“ (Mammoth) und Verblendung eingespielt. Auch Lars von Triers Kassenschlager Antichrist wurde 2009 in Trollywood gedreht.
Film i Skåne
Das regionale Ressourcen- und Produktionszentrum Film i Skåne fördert Filmprojekte im südschwedischen Schonen. Das Unternehmen koproduzierte unter anderem Pernilla Augusts Spielfilmregiedebüt „Schweineställe“ (Svinalängorna, 2010) und Othman Karims Spielfilm „Für die Liebe“ (För kärleken, 2010) mit Danny Glover in einer der Hauptrollen.
Filmpool Nord
Immer mehr Filme werden ganz oder teilweise in Nordschweden produziert, darunter Tomas Alfredsons So finster die Nacht (2008) und Beata Gårdelers „Im Schatten der Wärme“ (I skuggan av värmen, 2009).
Stockholm
Auf das Konto Stockholmer Produktionsgesellschaften gehen unter anderem Daniel Wallentins „Das Kamel ohne Höcker“ (Ett Öga Rött, 2007) und Daniel Espinosas „Schnelles Geld“ (Snabba Cash, 2010).

Ein haarsträubender Einblick in die Stockholmer Unterwelt in „Schnelles Geld“ mit Joel Kinnaman (Mitte) Foto: Frank Aschberg/Nordiska Film
Herausgeber:
Schwedisches Institut
Erscheinungsdatum:
Oktober 2010
Copyright :
Vom Schwedischen Institut auf www.sweden.se veröffentlicht. Alle Inhalte sind durch das schwedische Urheberrechtsgesetz geschützt. Mit Ausnahme von Fotos und Illustrationen sind Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung, Veröffentlichung oder Sendung des Textes in allen Medien für nichtgewerbliche Zwecke und unter Hinweis auf www.sweden.se gestattet.