18. Apr. 2008
Dass schwedische Bands, die in der Heimat kaum beachtet werden und nur mäßig erfolgreich sind, im Ausland groß rauskommen, ist keine Seltenheit. Wenn sie dann nach Schweden zurückkehren, werden sie als Musikhelden gefeiert.

Robyns With Every Heartbeat erwies sich auf dem internationalen Markt als Goldgrube.
The Cardigans zum Beispiel hatten zwar internationale Ambitionen, waren aber nur regional bekannt, als ihr Manager dem richtigen Ohrenpaar Lovefool vorspielte. Das Stück wurde in den USA und in Großbritannien ein Hit. Plötzlich war die Gruppe in der ganzen Welt anerkannt — sogar in Schweden.
Harte Arbeit und eine Prise Glück
Wenn ein bestimmtes schwedisches Stück im Ausland ankommt, ist sicherlich auch der Glücksfaktor im Spiel. Aber der Grundstein jeden Erfolgs ist harte Arbeit.
Der US-amerikanische Musikjournalist und Kolumnist der Musikzeitschrift Billboard Magazine Fred Jonson sagt: „Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, in denen man in Amerika allein mit der Tatsache punkten konnte, dass man aus Schweden kommt.
Wer im großen Stil Platten verkaufen will, dessen Musik muss oft im Radio gespielt werden — trotz Internet. Und um die Programmdirektoren der Rundfunksender für sich zu gewinnen, muss man richtig gute Musik machen. Young Folks von Peter Bjorn and John und With Every Heartbeat von Robyn gehören für mich zu den bezauberndsten Liedern der letzten Zeit, und ihr internationaler Triumph überrascht mich überhaupt nicht.“

Peter Morén, Björn Yttling und John Eriksson machen als Peter Bjorn and John seit acht Jahren Musik.
Internationaler Erfolg als „Gütesiegel“
Stefan Kéry, Eigentümer der schwedischen Plattenfirma Subliminal Sounds und Manager der Psychedelic-Rock-Band Dungen, kennt die Bedeutung des internationalen Erfolgs für die Anerkennung im Heimatland nur zu gut. Er erzählt, dass die Gruppe Dungen wahre Knochenarbeit leistete, als sie in rasendem Tempo durch Schweden tourte. Aber die Musikpresse zeigte sich nicht gnädig — bis die Band das internationale Publikum aufhorchen ließ. Eine der Großtaten der Gruppe bestand darin, in Australien die Stadien zu füllen.
„Durch Auslandserfolg profiliert man sich; das ist wohl überall so, aber besonders in Schweden“, erklärt Kéry. „Wenn man nicht der Norm entspricht, bekommt man negative Reaktionen. Mit internationalem ‚Gütesiegel‘ wird man plötzlich auch zu Hause gewürdigt.“
Drum prüfe, wer sich bindet
Robin Sumpton, Manager der Indie-Rock-Band Love Is All, meint, dass abgesehen von guten Liedern auch eine gute Plattenfirma im Ausland unabdingbar ist. Man braucht jemanden, der Ahnung vom Geschäft hat. MySpace in allen Ehren, aber die Sache ist schon ein bisschen verzwickter.“
Love Is All hatten durchaus Fans in Schweden, aber erst als die Gruppe von der New Yorker Firma What’s Your Rupture? unter Vertrag genommen wurde, kam ihre Karriere zu Hause gleichfalls in Schwung.

Die schwedische Presse beachtete The Concretes erst, als die Gruppe von EMI unter Vertrag genommen wurde. Foto: Marius Hansen
Für The Concretes, eine andere Gruppe, die Sumpton betreut, lief es in Schweden ebenfalls mäßig. Die Band trat in der Region von Stockholm auf und spielte häufig auch als Vorgruppe. Dann bekamen The Concretes einen internationalen Vertrag mit EMI. „Sie hätten die Zeitungen sehen sollen! Und die Leute sagten plötzlich: ‚OK, in diesem Fall sind sie wohl wirklich gut …‘“, erzählt Sumpton.
Der Schweden-Faktor
Leute aus dem Musikgeschäft sagen, das Schweden-Label sei zwar nicht wirklich ein Verkaufsargument. Gleichzeitig gäbe es allerdings weltweit viele Fans, die allem Schwedischen erst einmal positiv gegenüberstehen. Nichtsdestotrotz sei Erfahrung außerordentlich wichtig.
Schweden ist seit langem (hinter den USA und Großbritannien) der weltweit drittgrößte Musikexporteur und kann mit bewährten, einflussreichen Hit-Komponisten aufwarten. Max Martin, Anders Bagge, Rami Yacoub, Arnthor Birgisson sowie Christian Karlsson und Pontus Winnberg (alias Bloodshy & Avant) haben unter anderem für Madonna, Britney Spears, die Backstreet Boys und Jennifer Lopez komponiert und produziert.
Und natürlich muss auch das Abba-Phänomen erwähnt werden — verantwortlich für Klänge, die jeder mit Schweden in Verbindung bringt, und für so manche Karriere.

Mit ihrer Vertragsunterzeichnung bei einer New Yorker Plattenfirma hat die Indie-Rock-Band Love Is All wohl ausgesorgt. Foto: Rasmus Hägg
Fred Bronson vom Billboard Magazine sagt: „In Schweden werden bis heute fantastische Melodien komponiert und von dort in alle Welt exportiert. Und obwohl Musik gegenwärtig stark rhythmusbetont ist, glaube ich, dass viele Menschen immer noch nach Melodiösem dürsten. Und wenn die Leute Songs hören, die sie mitsingen können und die in drei, vier Minuten tolle Geschichten erzählen, verfallen sie diesen Liedern ganz einfach.“
Aus Alt mach Neu
Vor ihrem internationalen Riesenerfolg Young Folks waren Peter Bjorn and John bereits ziemlich erfolgreich.
„Die Band hat einen schwedisch klingenden Namen, und als Robyn ihre ersten Hits in den USA landete, war bekannt, dass sie aus Schweden stammt. Deshalb glaube ich, dass die Leute wissen, woher Peter, Bjorn and John kommen, auch wenn es nicht um die Größenordnung von Abba geht“, sagt Bronson.
Kürzlich wurde in einem Bericht des Billboard Magazine bemerkt, dass Peter Bjorn and John ihren unverwechselbaren Musikstil schon vor Jahren pflegten. Um den bewährten Sound in klingende Münzen zu verwandeln, werden jetzt auch die älteren Stücke der Band im Ausland veröffentlicht.
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Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Autor verantwortlich.
Übersetzung: Stefanie Busam Golay
Klassifizierung: A241TY
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Charles Ferro
Charles Ferro ist freier Autor in Kopenhagen und Dänemark-Korrespondent der Musikzeitschrift Billboard Magazine.
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