Startpunkt für Ihre Schweden-Erkundung
Kurze Fakten über Schweden
Schwedischer Lebensstil
Tourismus in Schweden
Arbeiten & leben in Schweden
Geschäftswelt in Schweden
Ausbildung in Schweden
Skip to content
15. Mai. 2009

Stieg Larssons Milleniumserfolg

von: David Wiles
Der Hype um Stieg Larssons Millenium-Trilogie flaut nicht ab — Larssons Werk erreichte Millionenauflagen, und die adaptierte Filmfassung wurde in Skandinavien ebenfalls ein Kassenschlager. Doch der Autor, dessen Romane erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden, wäre nur ungern ein Star geworden.

Noomi Rapace als Lisbeth Salander in der Filmadaptation des Kassenschlagers Verblendung.
Noomi Rapace als Lisbeth Salander in der Filmadaptation des Kassenschlagers Verblendung. Foto: SF

Mit mehr als zehn Millionen verkaufter Bücher noch vor der Fertigstellung der letzten Übersetzungen ist die Millenium-Trilogie in der Tat weltweit eine Verlagssensation. Larssons Leser wurden von den Heldentaten des Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist und der tätowierten Computerhackerin Lisbeth Salander gepackt, die — wie es ein Rezensent beschreibt — „die coolsten Krimiromanhelden der letzten Jahre sind“.

Bescheidener Mann

Larsson, der sowohl Journalist als auch Chefredakteur des antifaschistischen Magazins Expo war, unterzeichnete einen Vertrag mit einem der bedeutendsten schwedischen Verlagshäuser, starb aber noch vor der Veröffentlichung seines ersten Romans.

Sein Freund und früherer Kollege Richard Slätt sagt: „Stieg wusste instinktiv, dass seine Bücher ein Erfolg werden würden, obwohl er nie damit prahlte. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, dass er eine Vorstellung davon hatte, wie groß sie auch außerhalb Schwedens herauskommen würden.“

Stieg Larsson arbeitete täglich faschistischen Tendenzen in der heutigen Gesellschaft entgegen.
Stieg Larsson arbeitete täglich faschistischen Tendenzen in der heutigen Gesellschaft entgegen. Foto: David Lagerlöf

Der Kettenraucher mit der großen Brille aus den 1980er Jahren und der abgetragenen Cordjacke, der Unmengen an Kaffee in sich hineinschüttete, avanciert in den Erzählungen von Leuten, die ihn kannten, selbst schon beinahe zur literarischen Figur: Larsson betrat das Büro nie vor dem Mittagessen, aber dann arbeitete er durch bis um drei oder vier Uhr morgens. In seiner Wohnung schrieb er schließlich noch ein oder zwei Stunden weiter, bevor er ins Bett ging.

Hätte der mit leiser Stimme sprechende und bescheidene Autor seinen Erfolg noch erleben können, hätten Ruhm und Reichtum ihn nach Slätts Einschätzung wohl kaum verändert. „Ich glaube, er hätte eine Menge Geld in Expo gesteckt und weiter dort gearbeitet. Sein Verleger hätte ihn schon zwingen müssen, morgens Interviews auf einem TV-Sofa zu geben.“

Virus aus dem Norden

Die Millenium-Trilogie infizierte in besonderem Maße die Franzosen und bekam wegen der rapide steigenden Ansteckungsrate von den Medien den Beinamen „das Virus aus dem Norden“. Marc de Gouvenain ist Lektor beim französischen Herausgeber und einer der Übersetzer, die die Trilogie ins Französische übersetzten. „Ich las eineinhalb Bücher, dann rannte ich zu meinem Cheflektor und sagte: ‚Ich habe hier etwas ganz Besonderes, wir sollten die Rechte kaufen!‘“

Der erste Band mit dem deutschen Titel Verblendung wurde allein in Frankreich mehr als eine Million Mal verkauft. Von Kritikern hochgelobte, ausgezeichnete Bücher erreichen normalerweise einen Bruchteil dieser Auflagenhöhe. „Hier läuft der Verkauf nach völlig anderen Maßstäben“, sagt de Gouvenain.

Eine der weltweiten Topseller-Sensationen der vergangenen Jahre, die Millenium-Trilogie, war bisher vor allem skandinavischen und französischen Lesern bekannt. Das Stockholmer Stadtmuseum bietet zu den Romanschauplätzen Führungen in schwedischer, englischer und französischer Sprache an.
Eine der weltweiten Topseller-Sensationen der vergangenen Jahre, die Millenium-Trilogie, war bisher vor allem skandinavischen und französischen Lesern bekannt. Das Stockholmer Stadtmuseum bietet zu den Romanschauplätzen Führungen in schwedischer, englischer und französischer Sprache an. Foto: Gerard Julien/AFP

De Gouvenain, der seit mehr als 40 Jahren als Literaturübersetzer tätig ist, glaubt, dass die Bücher so erfolgreich sind, weil sie im Gegensatz zu anderen Thrillern trotz Mord, Korruption und Leiden eine optimistische Grundhaltung transportieren. „Die Botschaft auf der politischen Ebene ist, dass wir noch immer in einer Demokratie leben, solange deren tragende Säulen — nämlich Justiz, Polizei und Medien — korrekt arbeiten. Und Larsson vermittelt, dass wir den dunklen Seiten der Gesellschaft optimistisch begegnen sollen.“

Verlegertraum

Die Bücher wurden in fast 40 Sprachen übersetzt, und die Liste der Länder, die die Filmrechte erwarben, wird immer länger. Verhandlungen über eine englischsprachige Filmserie im Anschluss an die schwedische sind im Gange. Larsson hatte das Manuskript ursprünglich einem schwedischen Verlag überlassen, der — ähnlich wie die Plattenfirmen, die die Beatles ablehnten — seine Chance verpasste, indem er das Päckchen mit den Unterlagen nicht öffnete. Der verärgerte Autor holte die Bücher wieder ab und übergab sie Norstedts, einem der führenden Literaturverlage in Schweden.

Magdalena Hedlund, die bei Norstedts verantwortlich für die Rechteklärung ist, bezeichnet es als Verlegertraum, wenn ein Autor dieses Kalibers mit drei fertigen Büchern vor der Tür steht. „Das war das erste Mal“, sagt sie. „Zum ersten Mal ging Norstedts einen Vertrag für gleich drei Bücher mit einem Autor ein, der noch nie zuvor einen Roman geschrieben hatte. Wir hatten zwar hohe Erwartungen, aber mit einem solchen Erfolg haben wir nicht gerechnet.“

100 weitere Seiten

Larsson starb 2004 im Alter von nur 50 Jahren an einem Herzinfarkt — kurz nachdem er den Vertrag mit Norstedts unterschrieben hatte. Er hatte 100 Seiten des vierten Buchs geschrieben und nach Angaben von Freunden zudem sechs weitere Bücher der Millenium-Serie im Kopf. Larssons viel zu früher Tod war eine Katastrophe für seine Freunde, Kollegen und seine Familie, aber letztlich trug er zum Mythos bei, der den Autor und seine Bücher umgibt. Larsson ist nun eines der gefeierten schöpferischen Talente, die auf dem Höhepunkt ihres Schaffens abberufen wurden.

David Wiles

David Wiles ist ein englischer Journalist, der in Schweden lebt und arbeitet. Wie die meisten Leser der Millennium-Trilogie verschlang er die Bücher und wurde mit Hunger nach mehr zurückgelassen.

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Autor verantwortlich.

Übersetzung: Stefanie Busam Golay

Klassifizierung: A294TY


 

Sweden.se wird vom Schwedischen Institut verwaltet. Es ist ein gemeinsames Projekt von folgenden Organisationen:

A part of the official gateway to Sweden