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24. Aug. 2007

Weltliche Schweden heiraten in der Kirche

von: Cari Simmons
Es ist wieder August – der Schweden liebster Heiratsmonat. Und für ein säkular ausgerichtetes Land schließen in Schweden erstaunlich viele Menschen den Bund der Ehe in der Kirche.

Damit ihre Hochzeitsfeier möglichst perfekt wird, vertrauen die Schweden oft auf traditionelle Zeremonien und Konzepte.
Damit ihre Hochzeitsfeier möglichst perfekt wird, vertrauen die Schweden oft auf traditionelle Zeremonien und Konzepte. Foto: Adam Haglund/Maskot

In Schweden kann schon seit 1863 standesamtlich geheiratet werden. Das Land war außerdem eines der ersten, das die eingetragene Partnerschaft einführte, die homosexuellen Partnern ähnliche Rechte gibt wie heterosexuellen Ehepaaren. Zahlreiche schwedische Paare verzichten allerdings auf eine Heirat und lassen ihre eheähnliche Gemeinschaft als „sambo“ registrieren. Andere Paare ziehen es vor, erst gar keinen gemeinsamen Haushalt zu gründen und leben als „särbo“ getrennt.

Gleichwohl lassen sich im liberalen und progressiven Schweden viele Paare ganz traditionell  trauen – in der Kirche.

Sofia Boij, Redakteurin der vom Bridal-Magazine-Group-Verlag herausgegebenen Hochzeitszeitschrift Bröllopsmagasinet, sagt, dass 76 Prozent ihrer Leserschaft sich für eine kirchliche Trauung entscheiden. „Viele Schweden sind fasziniert von traditionellen Hochzeiten und allem, was dazugehört: weißes Brautkleid, Rosenstrauß, große Hochzeitstorte und Trauung in der Kirche“, erklärt Boij.

So schwärmt auch eine Bloggerin auf dem beliebten Webportal Passagen. „Wenn ich heirate, dann bei Kerzenschein und zu Mendelssohns Hochzeitsmarsch in der Kirche.“

Moderne Traditionen

Die meisten Schweden haben ein pragmatisches Verhältnis zur Kirche und besuchen sie nur, wenn es ihnen dienlich ist: bei Taufen und Trauungen oder um den Abschluss des Schuljahres zu feiern. Für viele ist die Kirche also eher ein traditionsreicher, stimmungsvoller Ort als ein Haus des Glaubens. Boij meint: „Die Kirche ist für viele Schweden – ob sie nun gläubig sind oder nicht – ein schöner Raum, der wie geschaffen ist für das Versprechen ewiger Liebe.“

Aber Tuulikki Koivunen Bylund, Pfarrerin und Dekanin am Dom zu Uppsala, betont, dass die kirchliche Trauung eine religiöse Feier ist und mindestens einer der Brautleute Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche Schwedens sein muss. Die Geistliche meint, dass viele Menschen bei einer Hochzeit oder anderen wichtigen Ereignissen „den Segen einer höheren Macht brauchen“. Sie ergänzt: „Ich glaube auch, dass viele Paare an dieser Tradition festhalten wollen.“

Standesamtliche Trauungen können durchaus in der freien Natur vollzogen werden.
Standesamtliche Trauungen können durchaus in der freien Natur vollzogen werden. Foto: A. Nikulin/Scanpix

Nicht alle Schweden legen das Eheversprechen in der Kirche ab. Im Zuge der Einwanderung kamen andere Religionen und neue Bräuche ins Land. Und natürlich gibt es Menschen, in deren Privatleben kein Platz für die Kirche ist.

Das Standesamt tut’s auch – theoretisch

Rechtlich spielt es keine Rolle, ob man kirchlich oder standesamtlich heiratet. Aber denjenigen, die eine romantische Hochzeit wollen, genügt die Trauung auf dem Standesamt kaum: Die „lange“ Vermählungsvariante dauert gerade einmal zwei Minuten.

Mia Delin, Hochzeitsberaterin beim Unternehmen Carisma Bröllopskonsulterna, erzählt, dass Trauungen gern in der freien Natur abgehalten werden. Sie sagt, dass schwedische Hochzeiten durchschnittlich rund SEK 100 000 (EUR 11 000)  kosten, dass man bei einem richtig großen Anlass für Musikgruppen, Blumen, Essen und Hochzeitsreise aber durchaus bis zu SEK 500 000  berappen muss. „Infolge des gewachsenen Wohlstandes gilt es heute als einfach als schick, eine große, teure Hochzeit auszurichten“, so Delin.

Nach Angaben des Verlages Bridal Magazine Group setzt die schwedische Hochzeitsindustrie jährlich rund SEK 6 000 Millionen um.

Bei den Hochzeitsbräuchen wird (kein) Spaß verstanden

Es kann nie schaden, sich vor einem Hochzeitsfest mit Kleiderordnung und Etikette vertraut zu machen. In Schweden steht in der Regel auf der Hochzeitseinladung, welche Kleidung erwartet wird. Frauen sollten grundsätzlich nicht Schwarz tragen oder in einem weißen Kleid erscheinen, es sei denn, sie wollen mit der Braut konkurrieren.

Bei schwedischen Hochzeiten ist es nicht üblich, dass der Vater seine Tochter dem wartenden Bräutigam übergibt. Hier schreiten die Brautleute vielmehr gemeinsam in die Kirche (oder zum entsprechenden Ort des Geschehens).

Es gibt heutzutage viele Arten zu heiraten. Deshalb tun die Gäste gut daran, vor der Feier nach der Kleiderordnung zu fragen.
Es gibt heutzutage viele Arten zu heiraten. Deshalb tun die Gäste gut daran, vor der Feier nach der Kleiderordnung zu fragen. Foto: Thomas Saeys/www.imagebank.sweden.se

Beim Empfang kann jeder, der den Tafelmajor informiert hat, eine Ansprache halten. Es ist üblich, dass Freunde, Familienmitglieder, Kollegen und andere Gäste Reden halten – das Zutrinken lockert natürlich die Stimmung. Man singt viel und spielt alberne Spielchen mit Braut und Bräutigam. Und während des Essens dürfen die Gäste jederzeit ihre Gläser klirren lassen: für die Frischvermählten das Zeichen einander zu küssen.

Wenn einer der Brautleute den Saal verlässt, hört das Küssen keineswegs auf: Ist die Braut beim Nasepudern, dürfen andere Frauen dem frischgebackenen Ehemann einen Kuss geben. Ist ihr Gemahl nicht da, können andere Männer die Braut küssen. Wie viele Ehen wegen dieses kleinen Hochzeitsbrauches zerbrochen sind, sei der Fantasie des Lesers überlassen...

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Die freie Autorin Cari Simmons heiratete nicht im langen weißen Kleid und nicht bei Kerzenschein und auch ohne Hochzeitsmarsch. Am Beginn ihrer Ehe, die die durchschnittliche Zeitspanne von 12,5 Jahren bereits überdauert hat, lag eine bescheidene standesamtliche Trauung.

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein die Autorin verantwortlich.

Übersetzung: Stefanie Busam Golay

Klassifizierung: A208TY

© Foto 1: Adam Haglund/Maskot
© Foto 3: A Nikulin/Scanpix
© Foto 4: Thomas Saeys/www.imagebank.sweden.se 


 

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