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Das Krebsfest

von Po Tidholm

Früh genug neigt sich der Sommer dem Ende zu, und im August kann man – falls man Glück hat – in Schweden richtige Mittelmeernächte erleben: sternklare, schwarze, laue Nächte. Dann essen die Schweden Krebse.


Um die Sommerabende zu genießen, bleiben die Schweden so lange wie möglich im Freien.
Um die Sommerabende zu genießen, bleiben die Schweden so lange wie möglich im Freien. Foto: Jonas Ingerstedt/Johnér

Begehrte Delikatesse

Um der Gefahr der Überfischung des schwedischen Flusskrebses vorzubeugen, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine Beschränkung des Krebsfangs eingeführt. Der Fang war von August an für zwei Monate freigegeben. Dadurch wurde der Krebs exklusiv und begehrt. Außerdem hat die Krebspest die Population mehrmals dezimiert.

Heutzutage werden das ganze Jahr hindurch importierte Krebse verkauft, doch nur wenige wollen von der Tradition abrücken. Anfang August beginnt in den Medien die Einstimmung mit ausführlichen Testberichten über das diesjährige Angebot, Tipps von Prominenten und Benotungen in verschiedenen Skalen.

In manchen Jahren sollen es chinesische Krebse sein, in anderen amerikanische. Doch am besten sind immer die schwedischen, was wohl kaum betont zu werden braucht. Das Problem ist, dass sie ausgesprochen teuer sind. Ungeachtet ihrer Herkunft werden sie gekocht, wie die Schweden sie haben wollen: in Salzwasser, mit Dillblüten.

Zu Krebsen isst man Käse und Brot, trinkt Bier und natürlich: Schnaps.
Zu Krebsen isst man Käse und Brot, trinkt Bier und natürlich: Schnaps.
Foto: Astrid Berglund/Flickr.com (CC BY NC)

Die kleine Anzahl derer, die eine Möglichkeit dazu haben, fängt natürlich die Krebse selbst. Der Krebs ist ein Nachttier, und der Fang muß nach Einbruch der Dunkelheit stattfinden. Man fischt mit Reusen und benutzt als Köder am liebsten faulen oder rohen Fisch. Die Krebse müssen lebend in den kochenden Sud geworfen werden.

Ein traditionelles Krebsessen

Ursprünglich eine bürgerliche Delikatesse, ist das Krebsessen volkstümlich geworden. Gewisse Besonderheiten haben sich mit der Zeit zur Tradition entwickelt. Krebse sollen im Freien gegessen werden, und um den Tisch herum müssen bunte Lampions hängen. Das gewöhnlichste stellt einen fröhlichen Vollmond dar. Der Tisch soll mit einem Papiertuch gedeckt und die Teller sollen farbenfroh und aus Pappe sein. Man hat sich ein Lätzchen umgebunden und muß einen albernen spitzen Hut aufsetzen.

Dann heißt es nur noch anfangen. Die Krebse werden kalt und mit den Fingern gegessen. Es ist erlaubt, laut zu schlürfen. Dazu isst man Brot und alten Västerbottenskäse. Die dazugehörigen Getränke sind Bier und der obligatorische Branntwein.

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Po Tidholm ist freier Journalist und schreibt als Kritiker für die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter. Po Tidholm verfasste den Haupttext darüber wie und was die Schweden feiern.

Agneta Lilja ist Dozentin in Volkskunde an der Hochschule Södertörn, Stockholm. Agneta Lilja verfasste die Textteile über die Geschichte schwedischer Traditionen und Feste.

Für die in dieser Internetfassung vertretenen Ansichten sind allein die Autoren verantwortlich.

Übersetzung: Wolfgang Butt

Copyright: 2004 Agneta Lilja, Po Tidholm und Schwedisches Institut. Dieser Text wird vom Schwedischen Institut auf www.sweden.se veröffentlicht.


 

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