
Die Tradition will es, dass Lucia „Licht im Haar“ trägt.
Foto: Ola Ericson/imagebank.sweden.se
Weiße Hemden, Sterne und Kerzen
Die brennenden Kerzen sind inzwischen von batteriebetriebenen abgelöst worden, aber die Stimmung ist dennoch andächtig, wenn die Beleuchtung gedämpft wird und der Gesang der Kinder anschwillt, während sie in geordneter Prozession aus angrenzenden Räumen hereinschreiten.
Der Tradition gemäß soll Lucia „Licht im Haar“ haben, das heißt, in einem Kranz auf dem Kopf angeordnet. Die Jungfern halten eine Kerze in der Hand. Im Dunkel scharen sich die Eltern mit ihren neuen Digitalkameras.
Die Sternknaben, wie Lucias Jungfern in lange weiße Gewänder gekleidet, tragen Sterne und haben spitze weiße Hüte auf. Als letzte im Zug schlendern die Wichtelmänner mit kleinen Laternen in den Händen.
Wettbewerb um die Wahl zur Lucia
Die Konkurrenz um die Rolle der Lucia kann hart sein. Jedes Jahr wird in einem der kommerziellen Fernsehkanäle eine nationale Lucia gewählt, und jeder Ort, der etwas auf sich hält, wählt seine eigene. Die Kandidatinnen werden einige Wochen vorher in der Lokalpresse vorgestellt.
Im Namen der Klassenlosigkeit seiner Gesellschaft hat Schweden stets sorgsam vermieden, Menschen in eine Rangfolge zu bringen, und Schönheitswettbewerbe und Kult um heimkehrende Stars sind deshalb eher ungewöhnlich. Lucia ist jedoch immer eine Ausnahme gewesen. Die Abonnenten der Lokalzeitung werden jedes Jahr aufgefordert, den Abstimmungsabschnitt neben den Bildern der Kandidatinnen auszufüllen und einzusenden.
Es ist keineswegs sicher, dass die Blondine gewinnt, auch wenn manch eine Miss Schweden ihre Karriere als Lucia ihres Heimatortes begonnen hat. Am Luciatag wird die Gewinnerin bekannt gegeben und im Laufe des Tages mit Pferd und Wagen durch die Gegend kutschiert, um in Lebensmittelläden, Industriebetrieben, Altenwohnstätten und Pflegeheimen Licht und Gesang zu verbreiten.

Safrangebäcke werden am Luciatag gleich dutzendweise verspeist.
Foto: Helena Wahlman/imagebank.sweden.se
Lucia – die Lichtbringerin
Das Feiern des Luciatags ist neben dem Mittsommerfest eine der zentralen Zeremonien der schwedischen Kultur und hat eine deutliche Beziehung zu den Lebensbedingungen in der bäuerlichen Gesellschaft des Nordens; Dunkel und Licht, Kälte und Wärme.
Lucia ist eine uralte Gestalt und ihre Funktion als Lichtbringerin im dunklen schwedischen Winter ist ungebrochen.
Die vielen Lieder behandeln alle das gleiche Thema:
Nacht stapft mit schwerem Gang
Um Hof und Garten.
Sonn’ bleibt jetzt aus so lang,
im Schatten wir warten.
Da tritt mit Lichterschein
ins dunkle Haus herein
Sancta Lucia, Sancta Lucia.
Alle Schweden können das Lucialied auswendig, und sie können es alle singen, mehr oder weniger rein. Am Morgen des Luciatages kann man im Radio höher qualifizierte Versionen hören, vorgeführt von einer Musikschulklasse.
Zu diesem Tag gehören auch Pfefferkuchen und lussekatter (Luciakatzen), ein süßes, mit Safran gewürztes Weizengebäck, in Form einer Katze, mit Rosinen als Augen. Man isst sie zu glögg oder Kaffee.

Das Fest der heiligen Lucia wird am 13. Dezember gefeiert und leitet die Weihnachtszeit ein. Die heilige Lucia ist ein Symbol des Lichts und markiert die Wiederkehr hellerer Tage.
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Po Tidholm ist freier Journalist und schreibt als Kritiker für die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter. Po Tidholm verfasste den Haupttext darüber wie und was die Schweden feiern.
Agneta Lilja ist Dozentin in Volkskunde an der Hochschule Södertörn, Stockholm. Agneta Lilja verfasste die Textteile über die Geschichte schwedischer Traditionen und Feste.
Für die in dieser Internetfassung vertretenen Ansichten sind allein die Autoren verantwortlich.
Übersetzung: Wolfgang Butt
Copyright: 2004 Agneta Lilja, Po Tidholm und Schwedisches Institut. Dieser Text wird vom Schwedischen Institut auf www.sweden.se veröffentlicht.