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Surströmming-Premiere

von Po Tidholm

Alle Länder haben ihre gefürchteten Spezialitäten; Insekten, seltsame Innereien und Fleischstücke in unterschiedlichen Stadien von Verfall. Schweden hat den Surströmming.

Vergorener Hering

Nicht alle Schweden essen Surströmming, aber das Gericht hat immer größere Verbreitung und Beachtung gefunden, auch unter Gourmets. Auch wenn der Surströmming eine Tradition darstellt, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass diejenigen, die ihn essen, das tun, weil er ihnen schmeckt. Niemand isst surströmming zum Spaß.

Surströmming wird aus ausgewachsenem Ostseehering (Strömling) gemacht, der im Frühjahr gefangen und nach einem alten Prinzip in Salzlake eingelegt wird und gärt. Ungefähr einen Monat vor der Premiere wird er in Konservendosen gepackt, aber der Gärprozeß geht weiter, und mit der Zeit werden Boden und Deckel der Dose rund. Seit alters her befinden sich die meisten Produzenten entlang der norrländischen Küste.

Wegen des Geruchs empfiehlt es sich, die Surströmmingdosen im Freien zu öffnen. Foto: Roger Vikström/Scanpix
Wegen des Geruchs empfiehlt es sich, die Surströmmingdosen im Freien zu öffnen. Foto: Roger Vikström/Scanpix

Aufgrund des Überdrucks in den Dosen sollten diese unter Wasser geöffnet werden. Dann spült man den Fisch ab, bevor man ihn serviert. Die Dose muß im Freien geöffnet, doch der Fisch im Haus gegessen werden, weil der Geruch Fliegen anzieht.

Surströmming riecht intensiv; faulig und stinkend. Die Enthusiasten lieben den Duft, während die Anfänger zögern. Aber ein gut gelagerter Surströmming schmeckt nicht, wie er riecht, im Gegenteil. Er schmeckt rund und bissig zugleich, würzig und salzig. Doch ist es erforderlich, ihm etwas zur Seite zu geben, damit der Geschmack sich in Grenzen hält.

So isst man Surströmming

Die traditionelle Art, Surströmming zu essen, ist ein sogenanntes Klappbrot. Man streicht Butter auf dünnes Fladenbrot, hartes oder weiches, je nach Geschmack, legt den gesäuberten Surströmming zusammen mit Mandelkartoffeln  und gehackten Zwiebeln darauf, klappt das Ganze zusammen und isst es aus der Hand.

Die dezente Süße der Kartoffeln und Zwiebeln ergänzt sich perfekt mit der Intensität des Surströmmings. Hier und da in Norrland streicht man außer Butter auch messmör, einen süßen, karamellisierten braunen Ziegenstreichkäse aufs Brot.
 
Die Surströmming-Premiere findet Ende August statt, wenn der Verkauf des Frühjahrsfangs beginnt. Die wahren Enthusiasten essen jedoch den vorjährigen Fang. Um diese Zeit sind die Fische vollreif und zart.

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Po Tidholm ist freier Journalist und schreibt als Kritiker für die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter. Po Tidholm verfasste den Haupttext darüber wie und was die Schweden feiern.

Agneta Lilja ist Dozentin in Volkskunde an der Hochschule Södertörn, Stockholm. Agneta Lilja verfasste die Textteile über die Geschichte schwedischer Traditionen und Feste.

Für die in dieser Internetfassung vertretenen Ansichten sind allein die Autoren verantwortlich.

Übersetzung: Wolfgang Butt

© Foto: Roger Vikström/Scanpix

Copyright: 2004 Agneta Lilja, Po Tidholm und Schwedisches Institut. Dieser Text wird vom Schwedischen Institut auf www.sweden.se veröffentlicht.


 

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