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Walpurgis und erster Mai

von Po Tidholm

Im Laufe eines Jahres sammelt sich eine ganze Menge Gerümpel an. Und auf den „Maihaufen“, wie er oft genannt wird, wirft man all das, was man loswerden will: alte Türen und Zäune, die Äste und Zweige vom Obstbaumschnitt, Sträucher und alte Kartons. Am letzten Tag im April zündet man die Feuer an.

Feuer und Gesang

Für die Studenten ist das Walpurgisfest ein erstes Freiheitsversprechen. Die meisten Klausuren haben sie hinter sich gebracht, und bis zum Semesterende brauchen sie nur noch ein paar Vorlesungen zu besuchen. Am letzten April setzen sie ihre weißen Studentenmützen auf und singen Lieder auf den Frühling, die aufblühenden Knospen und die helle Zukunft.

In der Stadt werden die Feuer entzündet, um die Seele zu wärmen, auf dem Land, um das über den Winter angesammelte Gerümpel zu verbrennen. Foto: Gunnar Lundmark/Scanpix
In der Stadt werden die Feuer entzündet, um die Seele zu wärmen, auf dem Land, um das über den Winter angesammelte Gerümpel zu verbrennen. Foto: Gunnar Lundmark/Scanpix

Chorgesang ist in Schweden als Freizeitbeschäftigung sehr verbreitet, und an Walpurgis ist jeder Chor voll beansprucht. In jeder Eigenheimsiedlung und jedem Dorf im ganzen Land werden in der Dämmerung die Feuer angezündet, und jeder Schwede weiß, wie es sich anfühlt, wenn man ein glühend heißes Gesicht hat, aber am Rücken friert. Die Frühlingssonne mag wärmen, doch wenn sie untergegangen ist, sind die Nächte immer noch kalt.

Brennesselsuppe kann für diesen Abend ein wärmendes Gericht sein. Brennesseln sind eigentlich Unkraut. Sie wachsen früh an schneefreien Hängen, enthalten große Mengen Eisen und sind nur als ganz zarte, junge Pflanzen essbar.

Fete oder 1. Mai-Demo?


Das Feiern am Walpurgisabend ist keine Familienfestlichkeit, sondern findet eher im Freien an öffentlichen Plätzen statt. Deshalb ist es üblich, dass lokale Vereine die Feiern veranstalten, um die Dorf- oder Stadtteilgemeinschaft zu fördern.

Während die Feuer verglimmen, ziehen viele weiter in Kneipen und zu Festen im Bekanntenkreis. Dass auf die Walpurgisnacht der 1. Mai folgt – der in Schweden seit 1939 Feiertag ist –, hat dazu geführt, dass ausführlich gefeiert wird.


Wer will, kann den ganzen 1. Mai im Bett verbringen, während andere in einem der Demonstrationszüge mitgehen, die sich an diesem ureigensten Feiertag der Arbeiter mit klassischen und aktuellen Parolen durch Städte und Ortschaften bewegen.

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Po Tidholm ist freier Journalist und schreibt als Kritiker für die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter. Po Tidholm verfasste den Haupttext darüber wie und was die Schweden feiern.

Agneta Lilja ist Dozentin in Volkskunde an der Hochschule Södertörn, Stockholm. Agneta Lilja verfasste die Textteile über die Geschichte schwedischer Traditionen und Feste.

Für die in dieser Internetfassung vertretenen Ansichten sind allein die Autoren verantwortlich.

Übersetzung: Wolfgang Butt

© Foto: Gunnar Lundmark / Scanpix

Copyright: 2004 Agneta Lilja, Po Tidholm und Schwedisches Institut. Dieser Text wird vom Schwedischen Institut auf www.sweden.se veröffentlicht.


 

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