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Weihnachten

von Po Tidholm

Nach einer fast einen Monat lang währenden Einstimmung ist endlich der heilige Abend da. Die Arbeit für das Jahr ist beendet, die Kinder haben Ferien und die Vorbereitungen sind abgeschlossen.

Eine Familienangelegenheit

Im Gedränge der Kaufhäuser hat man seine Weihnachtsgeschenke besorgt, das Essen ist eingekauft und die Wohnung geputzt und den jeweils unterschiedlichen Familientraditionen entsprechend geschmückt.

Weihnachten ist das große Familienfest, und es gibt jedes Mal ein Hin und Her, wo die Familie gerade in diesem Jahr feiern soll. Schweden ist bekanntlich ein langgestrecktes Land, und die Reisen können für denjenigen, der Weihnachten mit der Familie vereint feiern will, recht lang werden. Flug- und Zugreisen müssen mindestens zwei Monate im Voraus gebucht werden, und wenn man mit dem Wagen fährt, sollte man sich zeitig auf den Weg machen.

Auf den Weihnachtsmann zu warten kann den ganzen Tag dauern – oder jedenfalls empfinden die Kinder es so.
Auf den Weihnachtsmann zu warten kann den ganzen Tag dauern – oder jedenfalls empfinden die Kinder es so. Foto: Heléne Grynfarb/ Bildarkivet.se 

Modernisierung von Weihnachten
Das schwedische Weihnachten ist ein Gemisch aus einheimischen und ausländischen Bräuchen, die auf ihrem Weg aus der bäuerlichen Gesellschaft in die moderne Zeit nicht nur umgedeutet, sondern auch verfeinert und kommerzialisiert worden sind.

Heute feiern die meisten Schweden Weihnachten ungefähr auf die gleiche Art und Weise, und viele der regionalen Gebräuche und Spezialitäten sind verschwunden, aber dennoch erhebt jede Familie den Anspruch darauf, ein echtes und eigenes Weihnachten zu feiern.

Was man isst, kann sich immer noch danach richten, wo im Lande man wohnt oder wo man ursprünglich herkommt, aber auch in dieser Hinsicht hat eine Homogenisierung stattgefunden, hauptsächlich aufgrund des einheitlichen Angebots bequemer Halbfabrikate in den Warenhäusern. Wenige haben die Zeit, den Schinken einzulegen und die Fleischwurst selbst zu stopfen.

Der Oscar-gekrönte Film „Fanny und Alexander“ des großen Regisseurs Ingmar Bergman spielt zwar um die vorige Jahrhundertwende, fasst aber gewissermaßen auch das moderne schwedische Weihnachten zusammen; es ist ein helles und lebhaftes Fest, voller Überfluß, gutem Essen und Freude, aber auch eine Zeit, in der Familiengeheimnisse die Tendenz haben, an die Oberfläche aufzusteigen.

Weihnachtsferien

Die schwedischen Weihnachtsferien sind relativ lang und erstrecken sich noch bis zum Ende der ersten Januarwoche. Wenn der Heiligabend vorbei ist, folgt eine Reihe mehr oder weniger angenehmer – oder für manche eher pflichtbetonter – Besuche bei Verwandten und Freunden.

Der Schwede legt während der Weihnachtsfeiertage viele Kilometer zurück. Den ersten Weihnachtstag bei Olssons, den zweiten Feiertag bei Perssons und anschließend eine Woche mit Svenssons in den Bergen.

Im Norden Schwedens kann man sicher sein, weiße Weihnachten zu erleben.
Im Norden Schwedens kann man sicher sein, weiße Weihnachten zu erleben. Foto: Henrik Trygg/Imagebank.sweden.se

Weihnachten zu feiern ist heute vielleicht komplizierter denn je. Die heutigen Familienkonstellationen mit Exfrauen und früheren Ehemännern, Kindern aus neuen und alten Ehen, eingeheirateten Verwandten und Schwiegermüttern sind schwer in die Weihnachtsfeier mit der Kleinfamilie zu pressen, die sich die Schweden im Innersten wünschen. Als sei der Druck, das perfekte Weihnachten zu schaffen, nicht schon vorher groß genug gewesen.

Hochgespannte Erwartungen

Die Erwartungen der Schweden, was Weihnachten betrifft, sind in der Regel recht hoch. Es soll Schnee liegen, aber niederschlagsfrei sein, alle sollen gesund sein, der Schinken soll saftig und lecker und die Geschenke sollen zahlreich sein, die Kinder zufrieden und artig und das Haus warm und hell.

Alle tun ihr Bestes, und vielleicht haben die Schweden besonders gute Voraussetzungen. Die vielen Lichter bilden einen feinen Kontrast zum winterlichen Dunkel, eingebettet in den Schnee sind die roten Häuschen schöner denn je, die Tannen stehen dunkel und ernst am Waldrand. Der Weihnachtsmann schleicht um die Hausecke, und am Nachthimmel pulsiert der Polarstern.

Die typisch schwedischen roten Holzhäuser sind von Schnee umgeben am schönsten.
Die typisch schwedischen roten Holzhäuser sind von Schnee umgeben am schönsten. Foto: Thomas Adolfsén/Bildarkivet.se

Der perfekte Weihnachtsbaum?


Am Tag vor Heiligabend macht sich der Schwede auf, um den perfekten Weihnachtsbaum zu finden. Dies ist eine ernste Angelegenheit; die Tanne ist das eigentliche Symbol für Weihnachten, und sie soll dicht, gleichmäßig und gerade gewachsen sein. Wohnt man in einer Stadt, kauft man den Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz, während die Menschen auf dem Lande ihn auf dem eigenen Grundstück schlagen.

Viele glauben, sie könnten – unter Berufung auf das schwedische Jedermannsrecht (allemansrätt) – ihre Weihnachtstanne einfach irgendwo nehmen, doch das ist nicht so. Der Weihnachtsbaum wird mit der Axt, der Säge oder – wie im westlichen Värmland an der Grenze zu Norwegen – mit der Schrotflinte gefällt. Letzteres ist nicht zu empfehlen.

Wie der Baum geschmückt wird, entscheidet die Familientradition. Manche schmücken ihn mit Flaggen, andere mit Lametta und Christbaumkugeln. Wegen der Brandgefahr benutzen die meisten elektrische Kerzen.

Außerdem wird die Wohnung mit Wandteppichen geschmückt, auf denen Weihnachtsmänner und Winterlandschaften zu sehen sind, die Tischtücher haben Weihnachtsmuster, Leuchter, Weihnachtsmänner und Engel werden aufgestellt. Die Räume sind vom starken Duft der Hyazinthen erfüllt.

Um fünfzehn Uhr sitzt ganz Schweden vor dem Fernseher. Dann wird ein Potpourri alter Disneyfilme gezeigt, die kein Schwede satt zu bekommen scheint, obwohl sie seit den sechziger Jahren wiederholt werden. Erst danach kann das Feiern beginnen.

Essen im Übermaß

Die Weihnachtsgeschenke liegen an ihrem Platz unter dem brennenden Weihnachtsbaum, die Kerzen leuchten und das Büfett (smörgåsbord) mit den klassischen Weihnachtsleckereien ist angerichtet: Weihnachtsschinken, Fleischwurst, Anschovis-und-Eier-Salat, Heringssalat, eingelegter Hering, hausgemachte Leberpastete, Würzbrot, Kartoffeln und Stockfisch. Der Schinken wird zuerst gekocht, dann mit einer Mischung aus Ei, Paniermehl und Senf bestrichen und überbacken. Der Stockfisch ist getrockneter Fisch, der vor der Zubereitung kräftig gewässert und in Lauge aufgegangen ist.

Wenn alle satt und zufrieden sind, kommt der Weihnachtsmann persönlich mit den Weihnachtsgeschenken und wünscht Frohe Weihnachten.

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Po Tidholm ist freier Journalist und schreibt als Kritiker für die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter. Po Tidholm verfasste den Haupttext darüber wie und was die Schweden feiern.

Agneta Lilja ist Dozentin in Volkskunde an der Hochschule Södertörn, Stockholm. Agneta Lilja verfasste die Textteile über die Geschichte schwedischer Traditionen und Feste.

Für die in dieser Internetfassung vertretenen Ansichten sind allein die Autoren verantwortlich.

Übersetzung: Wolfgang Butt

Copyright: 2004 Agneta Lilja, Po Tidholm und Schwedisches Institut. Dieser Text wird vom Schwedischen Institut auf www.sweden.se veröffentlicht.


 

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