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Tourismus - Auf zu neuen Horizonten.
Tourismus
 
20. Mrz. 2008

Ganz schön cool: Extremsport auf schwedischem Eis

von: Anders Porter
Schweden ist eine etablierte Wintersport-Nation – die nicht enden wollenden Erfolge von Athleten wie dem Eishockey-Idol Peter Forsberg und der Ski-Königin Anja Pärson sind der beste Beweis hierfür. Aber die traditionellen Disziplinen sind vielen Schweden zu lau – sie suchen den Nervenkitzel bei extremeren Aktivitäten in der Kälte.

Der kalte Winter ist eine in Schweden heiß ersehnte Jahreszeit. Sobald das Thermometer fällt, werden Skier und Schlittschuhe auf Hochglanz poliert und auf eine neue Saison vorbereitet. Aber das Spektrum des „weißen Sports“ ist durchaus bunt und umfasst viel mehr als den herkömmlichen Ski- und Eislauf: Auf zugefrorenen Seen gehen mehr und mehr Menschen Aktivitäten wie dem Kitewing-Fahren, Eissegeln und Langlaufschlittschuh-Fahren nach, und unter Bergsteigern steht das aufregende Klettern an gefrorenen Wasserfällen immer höher im Kurs.

Sport, der Flügel verleiht

Alexander Larsson ist der erste schwedische Kitewing-Meister überhaupt. Er gewann diesen ehrenvollen Titel für das Jahr 2007 im Januar 2008, nachdem der Wettbewerb wegen des milden Wetters über die Jahreswende hinaus verschoben werden musste.

Der schwedische Kitewing-Meister Alexander Larsson saust über den See Hemfjärden bei Örebro. Der schwedische Kitewing-Meister Alexander Larsson saust über den See Hemfjärden bei Örebro.

Der schwedische Kitewing-Meister Alexander Larsson saust über den See Hemfjärden bei Örebro. Foto: Lars Wall

„Es ist eben nicht wie beim Tennis, wo jederzeit ein Platz zur Verfügung steht“, sagt der 23-jährige Larsson. „Wir müssen oft geeignete Wetterbedingungen sowie Eis- und Schneeverhältnisse abpassen. Das gibt unserem Sport eine zusätzliche Dimension und macht viele kurzfristige Entscheidungen und Reisen notwendig. Kitewing lehrt das Leben im Jetzt und Spontaneität.“

Der Kitewing – ein handgehaltener, flügelförmiger Hängegleiter – erregte im vergangenen Jahrzehnt weltweit Aufsehen. Das Gerät, das ursprünglich entwickelt wurde, um damit auf Schlittschuhen übers Eis zu gleiten, wird inzwischen auch zum „Segeln“ auf Flächen wie Schnee, Gras, Sand und Asphalt benutzt. Aber bei Kaltwetter-Fanatikern wie Larsson kommen die Argumente für rasante Kitewing-Fahrten über just zugefrorene Seen wie aus der Pistole geschossen.

Immer mehr Schweden entdecken den Kitewing. An windigen Tagen tummeln sich auf dem See Tämnaren bei Uppsala Scharen von Kitewing-Fahrern. Glücklicherweise hat Schweden viele gefrorene Seen, auf denen diese aufregende Sportart betrieben werden kann.
Immer mehr Schweden entdecken den Kitewing. An windigen Tagen tummeln sich auf dem See Tämnaren bei Uppsala Scharen von Kitewing-Fahrern. Glücklicherweise hat Schweden viele gefrorene Seen, auf denen diese aufregende Sportart betrieben werden kann. Foto: Göran Larsson

„Nirgends sonst konnte ich ein solches Freiheitsgefühl erleben“, erklärt Larsson. „Und weil die Reibung zwischen Kufen und Eis so gering ist, kann man sich vom Wind über weite Strecken tragen lassen.“

Der leichte Kitewing ist reisefreundlich und kann von einer Person in kürzester Zeit für das Gleiten übers Eis startklar gemacht werden.

Den Wind vorgespannt

Obwohl das Eissegeln mehr Vorbereitung braucht als das Kitewing-Fahren, lockt dieser Sport Tausende von Abenteuerlustigen auf die gefrorenen Seen und Wasserläufe Schwedens. Mats Åkerblad, Vorsitzender des Schwedischen Eisseglerverbandes, sagt: „Ein Ausflug mit einer Eisyacht erfordert etwas mehr Planung als eine Fahrt mit dem Kitewing. Aufbau, Transport und Logistik sind zeitintensiv.“

Trotzdem etablierten sich die ehemals für den Gütertransport benutzten Eissegel-Schlitten als Eisyachten in der Freizeitwelt. „In Schweden entwickelte sich das Eissegeln Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Sport“, sagt Åkerblad. „Bis dahin dienten die Eissegel-Schlitten als Beförderungsmittel. Der Gütertransport über Eis hatte sich als zeit- und energieeffizient erwiesen.“

Jedes Eissegel-Abenteuer beginnt mit einem fliegenden Start.
Jedes Eissegel-Abenteuer beginnt mit einem fliegenden Start. Foto: Ulf Torberger

Die Bedingungen in und um Mittelschweden machten die Region zu einem internationalen Eissegel-Eldorado. Die Winter sind in dieser Gegend so kalt, dass die Seen zufrieren; trotzdem schneit es hier normalerweise relativ wenig. Wochenend-Eissegler aus der Region Stockholm-Uppsala gelangen innerhalb weniger Stunden, ja, oft Minuten zu geeigneten Eisflächen.

Touren auf Kufen

Das reiche Angebot an Eisflächen trug auch zum Erstarken einer anderen Sportart bei: Langlaufschlittschuh-Fahren. Dabei erlebt der Sportler den Kick beim Gleiten über Natureis nicht mit Hilfe eines Windsegels, sondern mittels der Kraft, die aus seinen Waden und Oberschenkeln kommt.

Langlaufschlittschuh-Fahren mag Uneingeweihten nicht besonders extrem erscheinen. Aber bei diesem Sport lauert die Gefahr unter den Kufen, weshalb man nie alleine Eis laufen sollte.
Langlaufschlittschuh-Fahren mag Uneingeweihten nicht besonders extrem erscheinen. Aber bei diesem Sport lauert die Gefahr unter den Kufen, weshalb man nie alleine Eis laufen sollte. Foto: Johanna Waernquist

Seit er vor 15 Jahren nach Schweden zog, ist der Engländer Mark Harris regelmäßig Schlittschuh fahrend auf den Seen bei Uppsala unterwegs.

„Ich komme nicht nur hinaus in die Natur. Hier gibt es so viel Schlittschuheis, dass ich jedes Wochenende einen anderen See auswählen kann“, meint Harris.

Harris ist überzeugt davon, dass die Zahl der Langlaufschlittschuh-Fahrer in Schweden in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen hat. „Das gewachsene Interesse spiegelt sich nicht nur in der Zahl der Fahrer auf dem Eis wider, sondern auch in der Ausrüstung: Die Ausstattung ist inzwischen billiger als je zuvor und fast überall erhältlich“, sagt Harris.

Rechte Winkel kommen gerade recht

Und wem die Herausforderungen des eisigen Navigierens in der Horizontalen nicht genügen, kann sich im Winter an einem der vielen gefrorenen schwedischen Wasserfälle in die Vertikale begeben. In Lappland ist das frostige Angebot besonders groß. Der in Kiruna niedergelassene Neuseeländer Rick McGregor bestieg in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche der erstarrten Wasserstürze in dieser nordschwedischen Region.

„Man kann zwar auch in Norwegen gut eisklettern. Aber weil unsere Gegend nicht so stark vom Golfstrom beeinflusst wird, ist die schwedische Eiskletter-Saison etwas länger als die norwegische“, erklärt McGregor. „Von Kiruna aus sind mehrere tolle Wasserfälle ziemlich gut erreichbar.“

McGregor, der jeden Winter 20 bis 35 Besteigungen unternimmt, spornt die kühne Herausforderung an: „Ich bin mir bewusst, dass dieser Sport riskant ist. Aber es ist eben verlockend, etwas Gefährliches so sicher wie möglich zu machen. Es kitzelt einfach die Nerven, den Gefahren die kalte Schulter zu zeigen und etwas zu tun, das zuvor noch niemand in Angriff genommen hat.“

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Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Autor verantwortlich.

Übersetzung: Stefanie Busam Golay

Klassifizierung: A236TY

Anders Porter

Anders Porter lebt im etwa 250 km westlich von Stockholm gelegenen Grythyttan. Der freie Autor und Journalist aus Kalifornien nimmt an vielen Winteraktivitäten teil. Eine seiner liebsten ist „Vollkontakt-Wettschneeschaufeln“.


 

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